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31.10.2013

Ingenieure gestern und heute – vom technischen Tüftler zum Multitalent

​Technisches Fachwissen ist für Ingenieure wichtig. Doch das ist nicht mehr alles. Wer heute auf dem Arbeitsmarkt bestehen will, muss zusätzlich Teamarbeiter, Marketingspezialist, Kundenberater und Projektplaner sein. Dafür gibt es einen sicheren Job.

Ingenieure müssen heute Multitalente sein.
Ingenieure müssen heute Multitalente sein.
© iStockphoto

​Studierende und Berufsanfänger stehen heute vor immer neuen und oft widersprüchlichen Anforderungen: kurze Studienzeiten mit Auslandsaufenthalten, Soft Skills, Wirtschaftskenntnisse und gute Noten in technischen Kernfächern. Doch nicht alles, was Ingenieure können müssen, ist ab dem ersten Tag gefragt. Wird zum Berufseinstieg technisches Grundlagenwissen gefordert, werden langfristig andere und objektiv kaum messbare Fähigkeiten immer wichtiger. Doch diese werden oft erst „on the job“ erworben.

Darum ist es wichtig, Technik nicht als Einzeldisziplin, sondern als in vielfältige Zusammenhänge eingebettete Lösung zu begreifen. Ingenieure von heute sind mehr als technische Tüftler, denn das Arbeitsfeld ist sehr viel komplexer geworden. Sie sind Führungskräfte, die im Team Lösungen nach Kundenwunsch entwickeln, marktorientiert denken und gesellschaftliche Zusammenhänge berücksichtigen. Waren es früher Entwicklungen neuer technischer Komponenten, Geräte und Anlagen, kommen heute Projektierung, Implementierung und Integration komplexer Hard- und Softwaresysteme dazu.

Kompetenzvielfalt als Muss

Das reine Fachwissen aus dem Studium reicht dazu oft nicht aus, Grundwissen in Methoden- und Systemkompetenz der gesamten Wertschöpfungskette sind inzwischen ebenfalls gefragt – angefangen von der Geschäftsidee über die Realisierung, Verbreitung, den Betrieb bis hin zur Beseitigung von Geräten, Anlagen und Systemen der technischen Anwendungen. Wichtig werden auch wirtschaftliche Kenntnisse, Methoden des System- und Projektmanagements, Grundkenntnisse der Unternehmensführung sowie prozessorientiertes Handeln in übergreifenden Zusammenhängen. Der ZVEI stellt Hochschulen als Zusatzangebot zu ihren Curricula das Studienmodul „Integriertes Geschäftsprozessmanagement“ zur Verfügung. Dieses hilft, Skills jenseits der technologischen Kompetenzen zu vermitteln, indem es theoretische Grundlagen mit praxisrelevantem Wissen verknüpft.

Teamplay ist gefragt

Im Alltag werden Ingenieure in der Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen vielfältig gefordert: Budgetierung von Projekten mit der Finanzabteilung, Terminplanung mit dem Projektmanagement oder die Zusammenarbeit mit dem Vertrieb, bei dem Konkurrenzverhalten, Preisgestaltung oder Qualitätssicherung beim Zulieferer im Fokus stehen. Natürlich erwartet niemand, dass man  all diese Kenntnisse schon von der Hochschule mitbringt. Er oder sie muss sich jedoch der Bedeutung dieser Themen bewusst werden, um später mit anderen Abteilungen im Team zusammenarbeiten zu können. Sie müssen also sowohl in der Lage sein, Experten anderer Gebiete ihre Ergebnisse verständlich darzustellen als auch ihrerseits die Beiträge von Finanz-, Marktforschungs-, Service-, Patent- oder Vertriebsabteilungen für den Gesamterfolg richtig einschätzen können.
Studierende sind aber oft unsicher, welche Kenntnisse fachfremder Gebiete künftige Arbeitgeber erwarten oder welch studienfremde Zusatzqualifikationen die Karriere fördern. An klaren und übereinstimmenden Aussagen der Wirtschaft mangelt es nicht, eher an Kenntnis und Umsetzung der Ergebnisse im akademischen Raum. So wäre es wünschenswert, dass diese Erkenntnisse schnell in der Lehre berücksichtigt und ihre Bedeutung den Studierenden so vermittelt würden, wie es in Forschung und wissenschaftlicher Literatur selbstverständlich ist.

Ausblick in eine glänzende Zukunft

Mit steigender Kompetenz werden die ohnehin guten Karriereaussichten der Ingenieure künftig noch besser. Dies wurde in einer Umfrage des ZVEI in der Elektroindustrie bestätigt. Immer häufiger arbeiten Ingenieure an Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Der ZVEI fördert diese Entwicklung, um Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung noch schneller in Innovationen zu transferieren und so den Industriestandort Deutschland zu stärken. Man muss nicht hellsehen, um die Prognose zu wagen, dass zukünftig Elektroingenieure noch mehr Schlüsselpositionen in der Wirtschaft besetzen werden – bis hinauf in die Chefetage.

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