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Lifecycle Cost Evaluation (LCE)

​Energieeffizienz rechnet sich!
Vorstellung eines Berechnungsinstruments für Lebenszykluskosten bei Investitionsentscheidungen

Investitionen und Einsparungen bis 2050 - industriespezifisch
Investitionen und Einsparungen bis 2050 - industriespezifisch
© ZVEI/Roland Berger Strategy Consultants
Wirtschaftlichkeit von Energieeffizienz-Maßnahmen stärker in den Fokus rücken
 
Die entscheidenden Fragen für den dauerhaften Erfolg von Energieeffizienz-Maßnahmen sind: Wie wirtschaftlich sind meine Maßnahmen? Rechnen sich die Investitionen in energieeffiziente und energieeffizienzhebende Technologien für mein Unternehmen auch betriebswirtschaftlich?

Laut Roland Berger Strategy Consultants ließen sich beispielsweise in der Grundstoffchemie bei Investitionskosten von 10 Mrd. Euro bis zum Jahr 2050 kumulierte Einsparungen von 42 Mrd. Euro an Energiekosten erzielen. Die Investitionskosten umfassen hier im wesentlichen Mehrkosten für den Einsatz von effizienteren Maschinen und Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz der industriellen Prozesse, zum Beispiel moderne Mess-, Steuer- und Regeltechnik. In anderen energieintensiven Branchen wie Papierindustrie, Metallerzeugende Industrie und bei der Verarbeitung von Steinen und Erden sind ähnliche Hebel zu erwarten (vgl. Roland Berger Strategy Consultants: Studie: Effizienzsteigerung in stromintensiven Industrien, Ausblick und Handlungsstrategien bis 2050, München, im August 2011, S. 14).
 
Um diese Effekte erkennen zu können, ist ein gewisser Weitblick (d. h. eine mittel- bis langfristige Betrachtungsweise) notwendig. Denn oft ist die auf den ersten Blick teurere Technologie die in Wirklichkeit ökologisch und betriebswirtschaftlich vorteilhafte, gerade vor dem Hintergrund der zu erwartenden Energiepreissteigerungen. Zwar spricht unter anderem die öffentliche Vergabeverordnung davon, auch Lebenszykluskosten bei Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen. Die Realität sieht aber oft anders aus: ZVEI-Recherchen haben ergeben, dass zirka 80 % der Akteure zur Beurteilung lediglich den Anschaffungspreis oder die Amortisationszeit (Pay-off) nutzt, nicht aber ein Rentabilitätsmaß, wie den Barwert einer Lebenszykluskosten-Betrachtung, berücksichtigt (vgl. ZVEI: Energieeffizienz rechnet sich: Vorstellung eines Berechnungsinstruments für Lebenszykluskosten bei Investitionsentscheidungen, Frankfurt am Main, 2011). Grund dafür ist, dass Einkäufer vielfach nicht für Betriebs- und Folgekosten verantwortlich sind. Verantwortlich dafür ist aber auch die mangelnde Verfügbarkeit verlässlicher und herstellerneutraler Tools zur Lebenszykluskosten-Betrachtung.
 
ZVEI-Tool berechnet und vergleicht Lebenszykluskosten

Der ZVEI hat daher in Kooperation mit Deloitte und der Unterstützung von neun Unternehmen (ABB, Auma, Endress+Hauser, Festo, Krohne, Pepperl + Fuchs, Phoenix Contact, Siemens, Vega) ein herstellerneutrales, betriebswirtschaftliches Lebenszykluskosten-Berechnungstool (LCE Lifecycle Cost Evaluation) entwickelt. Es steht kostenfrei unter www.zvei.org/Lebenszykluskosten zum Download bereit. Die schnelle Transparenz über betriebswirtschaftliche Auswirkungen von zu vergleichenden Effizienzmaßnahmen steht hierbei im Vordergrund: Nachdem Basisinformationen wie u.a. Anschaffungs-, Energieund Betriebskosten eingegeben wurden, vergleicht das excelbasierte Tool die Projektalternativen anhand ihres Barwertes und der Annuität. Es evaluiert, welche Option energieeffizienter ist, welche Alternative zu den geringeren Gesamtkosten führt und quantifiziert die Unterschiede. Als Optionen können z. B. einzelne Komponenten, Komponentenstränge sowie Anlagenteile miteinander verglichen werden. Da es sich dabei um ein rein betriebswirtschaftliches Instrument handelt, ist es nicht auf bestimmte Anwendungen und Technologien beschränkt, sondern vielfältig in Industrie und Infrastruktur einsetzbar.
 
Im konkreten Anwendungsfall der Kläranlage Bachwis (Schweiz) standen zwei Möglichkeiten zur Wahl: die standardmäßige Modernisierung (Investitionsprojekt I), bei der der Sauerstoffeintrag im Belebungsbecken auf Basis einer Zeitsteuerung erfolgt, und die energieeffiziente Modernisierung (Investitionsprojekt II), bei der der Eintrag auf Grundlage einer kontinuierlichen Messung des Sauerstoff- und Ammoniumgehalts mithilfe von Sensoren vorgenommen wird. Die letztere Variante lässt sich gezielt mit weniger Energieeinsatz steuern. Sie ist auf den ersten Blick mit einem um über 100 % höheren Anschaffungspreis die teurere Variante. Auch die jährlichen Betriebskosten sind hier höher. Dafür lässt sich viel Energie einsparen: Über den betrachteten Anlagenlebenszyklus von 15 Jahren ergeben sich insgesamt um 42 % geringere Energiekosten und um 27 % geringere Gesamtkosten. Insgesamt lassen sich fast 400.000 CHF an Gesamtkosten sparen. Die vermeintlich teurere Variante ist also in Wirklichkeit wesentlich preiswerter. Dies ist nur eines von vielen Beispielen aus der Praxis, das zeigt: Energie- und Kosteneffizienz stellen keinen Widerspruch dar. Energieeffizienz-Maßnahmen rechnen sich oft auch betriebswirtschaftlich.
 
Downloaden Sie das oben stehende Berechnungstool LCE "Blanko" und probieren Sie es selbst aus. Sie werden sehen: „Energieeffizienz rechnet sich!“ 
 
Bei Fragen und Anregungen zum LCE-Tool (Lifecycle Cost Evaluation) wenden Sie sich bitte direkt per Mail an Herrn Seibl: seibl(at)zvei.org