13. November 2003 - PR 82/2003
- Positiver Beitrag von Informationstechnologie für Gesundheitswesen erwartet
Frankfurt am Main, 13. November 2003 - Überwiegend rückläufige Zahlen für den inländischen Auftragseingang bei elektromedizinischer Technik im dritten Quartal 2003 meldet der Fachverband Elektromedizinische Technik im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) e. V.. Nachdem sich im Verlauf des vergangenen Jahres die Umsätze mit 1,2 Mrd. € auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres stabilisierten, zeichnen sich beim Auftragseingang in den ersten neun Monaten 2003 teilweise zweistellige prozentuale Rückgänge ab. Vor allem bei den Bildgebenden Verfahren ist weiterhin keine Dynamik auf dem Inlandsmarkt zu erkennen. Je nach Gerätegruppe ergeben sich Veränderungsraten bis zu minus 30 Prozent. Lediglich auf dem Gebiet der Computertomographie ist derzeit ein leichtes Wachstum von fünf Prozent zu verzeichnen. Ob dieses Wachstum auch im Gesamtjahr zu realisieren ist, bleibt aber noch ebenso offen wie eine Prognose der Branchenentwicklung für das Jahr 2004. Die Verunsicherung im Gesundheitswesen sorgt insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Reformdebatten für eine durchgreifende Investitionszurückhaltung.
Wachstum erzielt die deutsche elektromedizinische Industrie nur im Ausland (2002: plus acht Prozent, 2003: plus zehn Prozent). „Inzwischen macht der Export mit gut zwei Mrd. € mehr als 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus", sagt Dr. Frank Anton, Vorsitzer des ZVEI-Fachverbandes Elektromedizinische Technik, im Vorfeld der Düsseldorfer Fachmesse ‚Medica 2003’.
Trotz Euro-Aufwertung werden mittlerweile mit 1,7 Mrd. € rund
80 Prozent der Umsätze des Segments Bildgebende Systeme im Export erzielt. Rund die Hälfte der Gesamtausfuhren elektromedizinischer Technik gehen ins außereuropäische Ausland. Die sehr erfolgreiche Exporttätigkeit deutscher Hersteller elektromedizinischer Technik folgt seit mehreren Jahren einem positiven Trend. Hier wird deutlich, dass innovative Medizintechnik im Ausland schneller zur Anwendung kommt als in Deutschland.
Die Mitgliedsunternehmen des Fachverbandes sehen die Informationstechnologie als entscheidende Triebfeder für mehr Qualität und Effizienz in der Gesundheitsversorgung an. Der Aufbau einer umfassenden Infrastruktur für elektronische Kommunikation im Gesundheitswesen und eine effiziente Nutzung elektronischer Vernetzung in Kliniken sind zentrale Arbeitsfelder.
Von der so genannten Gesundheits-Telematik wird dabei ein wesentlicher Beitrag für die medizinische Versorgungsqualität erwartet. Experten schätzen das Einsparpotenzial gegenüber den bisherigen Handling-Verfahren auf etwa 30 Prozent. Die Bundesregierung sieht vor, die elektronische Gesundheitskarte im Januar 2006 flächendeckend einzuführen. Der Fachverband Elektromedizinische Technik hat zusammen mit den Verbänden BITKOM, VdAP und VHitG eine 177-seitige Expertise zur Einführung einer Telematik-Architektur im deutschen Gesundheitswesen erarbeitet. "Würden die darin enthaltenen Vorschläge umgesetzt, könnten die medizinische Qualität erheblich gesteigert, die Wirtschaftlichkeitsreserven ausgeschöpft und die medizinische Leistungserbringung insgesamt deutlich verbessert werden", erklärt Dr. Anton.
Um den Einsatz moderner Medizintechnik und damit die Effizienz und Qualität der Versorgung spürbar zu erhöhen, muss die Vernetzung im Gesundheitswesen ausgebaut und die Kommunikation optimiert werden. Der Fachverband Elektromedizinische Technik unterstützt dies als treibende Kraft in der europäischen Initiative ‚Integrating the Health Care Enterprise (IHE)’. IHE hat zum Ziel, in Kliniken die Interoperabilität und den Datenaustausch zwischen Produkten verschiedener Hersteller und verschiedener Technologien zu ermöglichen und zu fördern. Dadurch wird der Aufbau umfassender Informationssysteme mit Komponenten unterschiedlicher Hersteller zunächst innerhalb von Krankenhäusern möglich. In weiteren Schritten können die übrigen Stakeholder im Gesundheitswesen integriert werden.
Die mit dem Einsatz von IT-Anwendungen verbundenen Effizienz- und Kostensenkungspotenziale sind insbesondere im Rahmen der Umstellung auf ein leistungsorientiertes Vergütungssystem im Krankenhaussektor, das so genannte DRG-System, von Bedeutung. Voraussetzung dafür, diese Potenziale heben zu können, sind Investitionen. Die Verbesserung der Investitionsbedingungen im Gesundheitswesen ist deshalb eine wesentliche Forderung an eine kommende Gesundheitsreform.
Eine der notwendigen Veränderungen besteht darin, die Krankenhäuser ebenso wie niedergelassene Ärzte in die Lage zu versetzen, über Investitionen eigenständig zu entscheiden und diese aus eigenen Erlösen finanzieren zu können. Das Forum Deutsche Medizintechnik, in dem der ZVEI-Fachverband und der SPECTARIS-Fachverband Medizintechnik ihre gesundheitspolitischen Aktivitäten bündeln, hat die gemeinsamen Vorstellungen hierzu in einem Positionspapier zusammengefasst. Es ist unter
www.forum-deutsche-medizintechnik.de abzurufen.