3. November 2005 - PR 101/2005
München, 3. November 2005 – Eine Erfolg versprechende europäische Industriepolitik müsse sich auf drei Handlungsfelder konzentrieren: Eine Politik für Wettbewerb und Wachstum, Förderung von Innovation und Produktivität und eine Gesellschafts- und Sozialpolitik, welche die Veränderungsbereitschaft der EU-Bürger stärkt. Dies forderte Prof. Dr. Edward G. Krubasik, Präsident des ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V., beim diesjährigen ifo-Branchendialog in der IHK München. Statt Detail-Direktiven auszuarbeiten, sollten Bundesregierung und EU sich wieder der unvollendeten Hauptaufgabe der EU zuwenden: Einen offenen und integrierten Binnenmarkt zu schaffen, auch im Bereich der Dienstleistungen, der Infrastruktur- oder Finanzmärkte und allen noch nicht dem Wettbewerb zugänglichen Märkten. „Interventionismus und Protektionismus sind keine Lösung für die europäische Industrie.“
Der ZVEI-Präsident sieht in der „refokussierten Lissabon Agenda die richtige Strategie, um die Wachstums-, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas zu verbessern, um im Wettbewerb einer globalisierten Wirtschaftswelt erfolgreich zu bestehen.“ Jetzt, da Wachstum und Jobs im Mittelpunkt dieser Agenda stünden, zählten auch internationale Investoren mit Recht auf den mit 450 Millionen Verbrauchen weltweit größten homogenen Markt.
Europas Gesamtwirtschaft müsse, so Krubasik, ebenso wie die Einzelunternehmen, in neuen Wachstumsmärkten Wertschöpfung aufbauen und gleichzeitig in alten Märkten restrukturieren. Genügend Diskussion gebe es seiner Meinung nach bereits über Kostensenkungs- und Restrukturierungsprogramme. Viel zu wenig diskutiert würden jedoch Programme für Wachstum und Innovation.
„Weniger und bessere Regulierung würde die Gründung neuer und das Wachstum junger Unternehmen erleichtern“, so Krubasik. Das gleiche gelte für die immer wieder notwendige Erneuerung in den innovationsstarken Unternehmen der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. „In der Arbeitsmarktpolitik gilt es deshalb, die Flexibilität und Mobilität zu fördern, nicht Arbeitsplätze in alten Segmenten festzuzurren. Gerade die innovative Elektrotechnik- und Elektronikindustrie muss immer wieder alte durch neue Tätigkeitsfelder ersetzen, um global wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte der ZVEI-Präsident. „Durch den Einsatz neuer Technologien in Europa entsteht die Grundlage für neue interessante Arbeitsplätze und spätere Exporte.“ Voraussetzung seien international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Wachstum und Beschäftigung. „Der schnellste und kostengünstigste Weg zu Wachstum sind in unseren Ländern politische und Marktbedingungen, die Unternehmertum fördern und attraktive Bedingungen für Investitionen schaffen.“, so Krubasik.
Er unterstrich die Antriebskraft lebhafter Finanzmärkte für die Wirtschaft. Private Equity und Venture Capital könnten Start-up’s helfen und Wachstum sowie neuen Elan in Unternehmensteilen fördern, indem sie diese strategisch hilfreicheren Eignern zuführten. Die Konsolidierung der europäischen Industrie, beispielsweise durch starke Global Player mit Hauptsitz in der EU, ist für den ZVEI-Präsidenten ein weiterer Weg, um starke Positionen im Wettbewerb zu den USA und Asien aufzubauen.
Darüber hinaus forderte Krubasik, die Effektivität im Bildungssektor durch Wettbewerb um Finanzierung, beste Professoren und talentierte Studenten zu steigern. Der Mangel an Ingenieuren sei schon heute zunehmend eine Innovations- und Wachstumsbremse und behindere die globale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Deshalb unterstütze der ZVEI die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen für Elektroingenieure in Deutschland und Europa. Sie reduziere die Zahl der Studienabbrecher, fördere eine bessere internationale Vernetzung und ermögliche internationalen Wettbewerb der Hochschulen.
Eine möglichst enge Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft und gezielte Clusterpolitik sind für Krubasik eine weitere Voraussetzung für Leitmärkte, die sich aus der schnellen Pilotanwendung neuer Technologiegebiete entwickeln. “Sich selbst verstärkende Cluster helfen, Ideen aus der Forschung in die Praxis umzusetzen und sichern maximalen Effekt durch besseres Zusammenwirken von Großunternehmen, Mittelstand, Universitäten, Verwaltung.“ Konkrete Wachstumsmöglichkeiten sieht der ZVEI-Präsident auch in dem konsequenten Ausbau der High-Tech-Infrastrukturen. ZVEI-Berechnungen zufolge habe sich alleine in Deutschland ein Investitionsbedarf von 50 Mrd. € aufgestaut. Im Informationszeitalter wüchsen IT-Dienstleistungen zum größten Wirtschaftssektor. Deshalb gelte es die Entwicklung von Dienstleistungen zu beschleunigen.
Entscheidend für den Erfolg aller Maßnahmen werde jedoch, so Krubasik, ein Motivationsschub für unsere Mitbürger und insbesondere die Arbeitnehmer unter ihnen sein. Nur wenn deutlich wird, dass diese tief greifenden Veränderungen neue Chancen für alle bergen, ließe sich die Initiative eines jeden Einzelnen stimulieren. Das soziale Netz werde dabei nicht zu Bruch gehen.