
Zwei Drittel des Stromverbrauchs der Industrie entfallen auf elektromotorisch angetriebene Systeme wie Pumpen, Ventilatoren, Kompressoren, Zentrifugen usw.
Mehr als 15 Prozent dieses Stromverbrauchs, rund 27,5 Mrd. kWh, könnten jährlich durch den Einsatz energieeffizienter elektrischer Antriebstechnik eingespart werden.
Das Einsparpotenzial setzt sich zu einem Fünftel aus dem Einsatz von Energiesparmotoren und zu vier Fünfteln
aus dem Einsatz von Antrieben mit elektronischer Drehzahlregelung zusammen. Gerade letztere ist sehr effektiv, da sie dazu führt, dass der Maschine nur die Energie zugeführt wird, die für den Prozess benötigt wird. Die Elektronik sorgt aber auch für energiesparendes Anfahren
und Energierückspeisung beim Bremsen. Wirtschaftlich wäre es sinnvoll, jeden zweiten neu bestellten Antrieb mit einer elektronischen Drehzahlregelung auszurüsten. Neben den Neuanlagen wäre es auch
im Bestand wirtschaftlich sinnvoll, etwa ein Drittel der 30 Mio. installierten Antriebe mit elektronischer Drehzahlregelung nachzurüsten. Auch der Marktanteil der hocheffizienten Motoren der Klasse EFF1 sollte schneller steigen, um die Energie-Effizienz zu verbessern.

Warum werden die augenscheinlichen Vorteile nicht im umweltpolitisch gewünschten Umfang genutzt?
Die gravierendste Barriere liegt immer noch darin, dass das Hauptaugenmerk des Anwenders derzeit noch auf einem möglichst niedrigen Anschaffungspreis liegt. Der Einkäuferist in der Regel nicht für die life-cycle-costs, die ein Vielfaches des Anschaffungspreises betragen, zuständig.
Gerade bei elektrischen Antrieben beträgt der Anteil der Energiekosten an den gesamten Lebenszykluskosten oft mehr als 90 Prozent.
Was ist zu tun?
Neben der Aufklärungs- und Informationsarbeit des ZVEI und der Hersteller ist es notwendig, dass die Politik mit geeigneten Maßnahmen flankierend auf die Endanwender einwirkt, die Energiekosten über die Lebensdauer in die Bewertungskriterien des Angebots eines Antriebs bzw. einer Maschine oder Anlage einzubeziehen.
Neben diesem politischen Impuls wäre es auch sinnvoll, steuerliche Anreize für die Beschaffung energieeffizienter Maschinen und Antriebssysteme dort zu generieren, wo der Anreizeffekt aus der Verbesserung der Energie-Effizienz allein nicht ausreicht, wie dies oft bei kleinen und weniger energieintensiven Anwendern der Fall ist.
Auch die Förderung von Anwenderschulungen zur Analyse von Energieeinsparpotenzialen und die Umsetzungsberatung sind Instrumente, die von staatlicher Seite unterstützt werden sollten.