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9. Juni 2010

Gefahren in Schulen nicht auf Amok reduzieren


Integriertes Konzept gegen Vandalismus, Diebstahl und Brand wichtig


Auf zunehmend komplexe Gefahrenlagen sollten sich Schulen mit einem integrierten und auf die jeweilige Schule angepassten Sicherheitskonzept vorbereiten. Insbesondere technische Einrichtungen könnten wesentlich mehr genutzt werden, rät Uwe Spatzier, Vorsitzender der Leistungsgemeinschaft Beschallungstechnik (LGB) im ZVEI-Fachverband Sicherheit. Derzeit sieht der Sicherheitsexperte die wenigsten Schulen ausreichend ausgerüstet. "Es genügt nicht, sich vor allem psychologisch und pädagogisch auf Krisenfälle vorzubereiten. Organisatorisch und technisch sind viele Schulen noch weit von dem erforderlichen Minimum entfernt", sagte Spatzier heute in Leipzig bei der Jahrespressekonferenz des Fachverbands.

 

Als Beispiele für komplexere Gefahren nannte Spatzier Vandalismus, Diebstähle von Notebooks, Brände oder Drogenhandel auf dem Schulhof. Ein tragfähiges Konzept müsse ein Evakuierungskonzept, Rauch- und Wärmeabzugssysteme für Fluchtwege sowie eventuell Videoüberwachung und Zutrittskontrolle für Gebäudeabschnitte vorsehen. Spatzier: "Tragende Säulen jeder Sicherheitsstrategie sind eine verständliche Benachrichtigung aller Personen im Gebäude über die aktuelle Gefahrenlage und die Evakuierungsmaßnahmen. Selbstverständlich ist die umgehende Alarmierung von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften."

 

 

Sprachalarmanlagen erlauben Konzepte für dynamische Rettung

 

Eine Sprachalarmanlage sei dafür heute Stand der Technik. Spatzier betont: „Nur bei Live-Durchsagen handeln Personen richtig. Je nach Situation müssen sie nämlich sehr unterschiedlich agieren.“ Bei einem Amoklauf oder einem verrauchten Flur müsse beispielsweise die Tür eines Klassenzimmers verschlossen bleiben. Brenne es hingegen in einem anderen Gebäudeabschnitt, gelte es, Schüler und Lehrer so schnell wie möglich über ein vom Gefahrenbereich weit entferntes Treppenhaus nach draußen zu leiten. Eine Sprachalarmanlage lasse sich zudem für Ankündigungen der Schulleitung im Alltag, die Übertragung des Pausensignals oder auch zur Einspielung von Musik bei Schulfesten nutzen.

 

Auch das Reizthema Videoüberwachung solle möglichst nüchtern betrachtet werden. Eine mobile Videoanlage habe zum Beispiel bei Vandalismus an Fahrrädern oder Drogenhandel auf dem Schulhof abschreckende Wirkung. Bewegtbilder seien zudem, zum Beispiel bei Amokläufen, wichtige Hilfsmittel für die Polizei. Bei dem Betrieb eines Systems zur Videoüberwachung gelte es, die Datenschutzrichtlinien zu beachten. "Niemand will eine flächendeckende Vollüberwachung einer Schule", sagte Spatzier. Der Experte rät Schulen, gemeinsam mit lokalen Sicherheitsbehörden und Fachplanern ein individuelles Konzept zu entwickeln. Der ZVEI biete mit einem Zertifikat für die von ihm geprüften Errichter eine Qualitätsgarantie. Spatzier forderte die Schulbehörden auf, noch nicht abgerufene Mittel aus dem Konjunkturprogramm auch für Investitionen in Sicherheit zu verwenden.

 

 

Synergieeffekte: Kosten senken und Energie sparen

 

Sicherheitstechnik biete dabei auch vielfältige Möglichkeiten, Energie zu sparen, dadurch Kosten zu senken und zugleich mehr Komfort zu ermöglichen. Bewegungsmelder für Einbruchmeldeanlagen ließen sich beispielsweise zum Ein- und Ausschalten von Licht, Heizung oder Klimaanlage nutzen. Zutritt per Zahlenkombination in eine Turnhalle vermeide die Probleme mit verlorenen Schlüsseln. "Eine Zutrittsberechtigung kann im System per Mausklick gelöscht oder neu angelegt werden."

 


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