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05.07.2017

Interview "Smart Living: Sind wir fit genug?"

Mit Dr. Arnaud Hoffmann, Referent Smart Home/Smart Building im ZVEI

© ZVEI

Dr. Hoffmann, die Menschen interessieren sich zunehmend für vernetztes Wohnen und Leben; immer mehr Produkte und Lösungen kommen auf den Markt – aber sind wir eigentlich fit für „Smart Living“?

Für meine Generation – ich bin 1983 geboren und gehöre damit zu den sogenannten „Digital Natives“, die schon früh in der Kindheit Kontakt zu Computern hatten – ist es ganz normal, vor dem Weg zur Arbeit oder nach Hause auf dem Smartphone die Verkehrslage zu checken oder nach der besten Bahnverbindung zu suchen. Wir lassen unsere Aktivitäten messen und unseren Schlaf überwachen. Serien, Filme und Musik werden ausschließlich gestreamt, denn wir sind es gewohnt, selbst zu entscheiden, was wann läuft. Klassisches Fernsehen oder Radio passt nicht mehr wirklich zu unserem Leben. Alles ist vernetzt, alles ist smart. Man sollte die Frage anders stellen: Wie fit sind die „Digital Immigrants“ für Smart Living?

Sind Sie der Meinung, dass die "Digital Immigrants" – also die Eltern- und Großeltern-Generation – bereits abgehängt sind?

Ich vertrat lange die Ansicht, dass jemand, der einmal den Anschluss an technologische Entwicklungen verpasst hat, praktisch für immer abgehängt ist. Heute bin ich anderer Meinung. Die Komplexität der Produkte und Dienste hat durch die Vernetzung dermaßen zugenommen, dass man deren Nutzung stark vereinfachen musste. So stark, dass selbst Menschen, die Computer als ihren Erzfeind betrachten, zum Smartphone greifen. Mit Freude werden Urlaubsbilder von Kindern und Enkeln empfangen, geteilt und kommentiert. Fitness ist – wie so oft – auch in diesem Fall eine Frage des Wollens.

Was muss passieren, damit nicht nur die junge Generation in die digitale, vernetzte Welt mitgenommen wird?

Ich bin mir sicher, dass unter günstigen Rahmenbedingungen eine ausreichende Fitness – um bei diesem Bild zu bleiben – vorhanden ist. Dieser Rahmen wird neben der einfachen Anwendung maßgeblich durch den Nutzen, den Smart-Living-Lösungen für uns haben, definiert. Dem Smart Home wird häufig vorgeworfen, beiden Aspekten nicht gerecht zu werden. Dies sei der Grund, weshalb seine Verbreitung nur zögerlich voranschreitet. Doch die Crux ist, dass sich entsprechende Anwendungen erst dann etablieren können, wenn die Infrastruktur, sprich smarte Häuser, vorhanden sind. Auch beim Smartphone kam der App Store mit vielen nützlichen Apps erst nachdem eine kritische Masse an Geräten am Markt war.

Auf dem Weg zu dieser kritischen Masse sind erstmal die "Digital Natives" und natürlich die Anbieter von Smart-Home-Systemen gefragt. Letztere müssen auch ohne App Store einen Kundennutzen bieten. Wenn später die kreativen App-Entwickler Gefallen am Smart Home gefunden haben, wird eine große Bandbreite an Funktionen zur Verfügung stehen – von Spielereien bis zu Anwendungen, die „nice-to-have“ bis lebenserleichternd sind. Dann werden sicher die "Digital Immigrants" einen Nutzen in einigen Funktionen erkennen und die nötige Smart-Living-Fitness an den Tag legen. Das wäre sogar nicht nur für den Einzelnen, sondern für die gesamte Gesellschaft von Vorteil, denn Anwendungen, die das selbstständige Leben in den eigenen vier Wänden erleichtern, werden bei Smart Living eine zentrale Rolle spielen.

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