Meinungsbeitrag

25.02.2021

Eine Frage, drei Antworten

Was ist die größte Herausforderung im Bereich Gebäude und wie kann Ihre Branche helfen, sie zu meistern?

 

Auf diese Frage antworten die drei Stellvertretenden Vorsitzenden der ZVEI-Plattform Gebäude:

 

Manfred Diez, Geschäftsführender Gesellschafter, RIDI Leuchten GmbH

Die große Herausforderung für die einzelnen Gewerke im Gebäude ist die Frage, wie wir das Erreichen der Klimaziele in Einklang bringen mit anhaltend hohem – wenn nicht sogar steigendem – Komfort. Das gilt natürlich auch für das Licht. Die deutsche Lichtindustrie bietet hierfür bereits eine ganze Reihe an Möglichkeiten durch effiziente LED-Beleuchtungslösungen. 
Wichtig ist, dass diese in der Breite zum Einsatz kommen. Dazu muss insgesamt die Bedeutung und das Potenzial der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) in der Vordergrund gerückt werden – bei all denen, die Gebäude planen ebenso wie dort, wo über Fördermöglichkeiten und Regulierung entschieden wird. Dafür setzen wir uns im ZVEI ein. In diesem Zusammenhang sind die richtigen politischen Rahmenbedingungen unerlässlich.

Die neue Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist hier ein wichtiger Meilenstein. Mit ihr wird die Energiewende im Gebäudesektor an Fahrt aufnehmen. Diesen Moment gilt es nun aber auch für Beleuchtungsanlagen besser zu nutzen. So muss es hier die Möglichkeit einer Fachunternehmererklärung geben, um die Antragsprozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen und so Bürokratie zu vermeiden. Auf EU-Ebene muss sich die Bundesregierung zudem dafür einsetzen, dass Beleuchtung als eigenes Gewerk in die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden EPBD aufgenommen wird, da nur so auch die Planung und Wartung der Anlagen Berücksichtigung finden kann. Das muss dann auch im nächsten Schritt im Rahmen der GEG-Novelle auf nationaler Ebene ambitioniert umgesetzt werden. Hinzu kommen Themen wie Nachhaltigkeit, Smart Readiness Indicator und Effizienzgewinn durch Sanierung. Die Potenziale rund um Beleuchtung sind groß, das Lösungsangebot der Branche vielfältig. Es gibt einiges zu tun, das Licht ist dabei. 
 

Dr. Peter Heuell, Geschäftsführer, EMH metering GmbH & Co. KG

Wohngebäude spielen eine zunehmend tragende Rolle, wenn es um den Verbrauch und die Erzeugung von elektrischem Strom geht. Immer mehr Menschen laden ihre Elektroautos an privaten Wallboxen, heizen ihre Häuser mit Wärmepumpen und speisen Strom über eine PV-Anlage ins Stromnetz ein. Die neuen Verbrauchs- und Erzeugungsanlagen müssen so in die Stromnetze integriert werden, dass sie diese nicht überlasten. 

Das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierte Smart Meter Gateway legt dafür die Grundlage. Es ermöglicht ein dynamisches Schalten der Erzeugungs- und Verbrauchseinrichtungen ohne Komfortverlust für den Kunden. Gleichzeitig können die Geräte so orchestriert werden, dass der vorhandene Strom optimal genutzt wird. Das erhöht nicht nur den Wohnkomfort, sondern auch die Akzeptanz für die Energiewende.

Das Smart Meter Gateway eröffnet auch den Weg für weitere Mehrwerte im Wohnungsmarkt: von der Einbindung weiterer Zähler, wie Gas-, Wasser- und Wärmezählern aber auch Heizkostenverteilern - Stichwort Submetering - bis hin zum Ambient Assisted Living. Die Digitalisierung der Energiewende bietet der Gebäudewirtschaft auf diese Weise große Kostensenkungspotenziale und die Möglichkeit, neue Mehrwertdienste anzubieten. 
 

Karlheinz Reitze, Geschäftsführer, Senior Advisor Elektro Business, Viessmann Group

In Deutschland entfallen auf Gebäude derzeit rund 35 Prozent des Energieverbrauchs und rund 30 Prozent der CO2-Emissionen. Damit hat der Gebäudesektor bezüglich Klimaschutz und Energiewende eine Schlüsselposition inne. Die Bedeutung wird weiter zunehmen, Gebäude werden im zukünftigen Energiesystem unverzichtbare Elemente als Erzeuger, Speicher und Verbraucher. Konsequenter Einsatz von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Digitalisierung bilden den Kern der Energie- und Klimawende. Wenn Strom zudem dort erzeugt wird wo er verbraucht wird werden Übertragungsnetze entlastet und stabilisiert. Um echte Fortschritte bei der weiteren Energiewende zu erzielen, bedarf es für alle Sektoren ausreichende und bezahlbare klimaneutrale Energieträger.

Für lange und nachhaltige Sicherung eines energieeffizienten Betriebes von Gebäuden ist es notwendig, den Betrieb und die Technik laufend zu prüfen und bei Bedarf an die Nutzung des Gebäudes und die Gewohnheiten der Nutzer anzupassen. Dabei sollte der Markt die Auswahl der jeweiligen Technologien bestimmen. So wird sichergestellt, dass neueste, technisch ausgereifte und effiziente Technologien zum Einsatz kommen. Die politischen Rahmenbedingungen müssen so gestaltet werden, dass sie sowohl der Heterogenität der Gebäude als auch der individuellen Nutzung und dem wirtschaftlichen Leistungsvermögen der Bewohner und Eigentümer gerecht werden.

In Deutschland existiert seit Jahren ein Modernisierungs- und Sanierungsstau. Ohne spürbare Anreize wird es nur schwer gelingen, die notwendige Sanierungsquote deutlich zu erhöhen. Und das ist dringend notwendig, um bis 2030 die zusätzliche Einsparung von über 40 Prozent gegenüber dem Stand des Jahres 2020 zu erreichen. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir in den vergangenen 30 Jahren unter wesentlichem Einfluss der Wiedervereinigung 44 Prozent CO2-Reduktion im Gebäudesektor erzielt haben. 

Die Ziele sind „sportlich“, die notwendigen hocheffizienten Produkte und Lösungen stehen zur Verfügung. Wenn wir jetzt zügig und konsequent vorangehen haben wir eine reelle Chance, die gesetzten Ziele auch tatsächlich zu erreichen.