Presse

13.09.2018

Bahnbranche erwartet starke Impulse von der Innotrans 2018

68/2018

- Die Zukunft der Bahn ist digital

Eine konsequente Digitalisierung und Vernetzung des Bahnbetriebs ist der stärkste Hebel, um die Bahn für ihre zukünftigen Aufgaben fit zu machen. Das ist die Überzeugung von Olaf Zinne, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektrobahnen und -fahrzeuge und Leiter der ZVEI-Plattform „Smart Mobility“. Bei den vielfältigen Herausforderungen durch wachsende Anforderungen an die Mobilität nehme die Bahn eine Schlüsselrolle ein.

Das geplante Wachstum der Passagierzahlen und des Gütertransports sei allerdings nur zu schaffen, wenn die Kapazität der vorhandenen Gleise besser genutzt wird. „Um die Taktfrequenzen zu erhöhen, ist eine stärkere Digitalisierung und Vernetzung der Züge untereinander und mit der Leit- und Sicherungstechnik erforderlich“, betont Zinne am Rande der Messe Innotrans. Das Verkehrsministerium prognostiziert eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030. Die Bahn hat 2017 mit 150 Millionen Fernreisenden in Deutschland so viele Fahrgäste transportiert wie noch nie. Hinzu kommen stark wachsende Mengen an Gütern.

„Innovative Bahntechnik erhöht die Umweltverträglichkeit, verbessert die Sicherheit und den Komfort. Außerdem fährt die Bahn damit wirtschaftlicher“, erläuterte Zinne. So könne durch digitale, automatisierte Systeme bis zu 30 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden, wenn abhängig vom Streckenprofil und der Auslastung der Strecken optimal beschleunigt und gebremst und Energie in das Stromnetz zurückgespeist wird.

Sensoren an den Gleisen, in den Zügen oder den Weichen erlauben eine Überprüfung der Anlagen und des rollenden Materials während des Betriebs. Somit wird vorausschauende Wartung möglich anstelle Wartung in festen Zeitintervallen. Gerade hier könne das 5G-Mobilfunk-Netz zu mehr Innovationen führen.

Eine Hochgeschwindigkeitsvernetzung – natürlich unter Cybersicherheits-Gesichtspunkten – sei auch der Schlüssel zum automatisierten Fahren von Zügen. In S- und U-Bahnen mit ihrem begrenzten Datenaufkommen sammle man damit auf einigen Strecken schon heute Erfahrung im Regelbetrieb.  

Nicht an den Ländergrenzen halt machen dürfe die Mobilisierung der Bahn; sie sei europäisch zu denken, fordert Zinne. Die Elektroindustrie unterstütze daher ausdrücklich die getroffenen politischen Maßnahmen zur Erreichung stärkerer Interoperabilität des Eisenbahnsystems.  Die europaweite Einführung des seit über 20 Jahren verfügbaren European Rail Traffic Management Systems (ERTMS) sei überfällig. Es soll 25 unterschiedliche Systeme in Europa ersetzen. Ebenso müsse das europäische Zugsicherungssystems ETCS zügig realisiert werden, damit quer durch Europa fahrende Züge – wie die direkte Verbindung von Paris nach Warschau – nicht die Ausnahme bleiben.

Die Bahn ist schon heute das umweltverträglichste Verkehrsmittel. Es sei jedoch erforderlich, bundesweit stärker auf Technologien wie wasserstoffbetriebene Züge überzugehen – ab 2022 soll etwa in Hessen der erste Linienbetrieb damit starten. „Und auch bei der Elektrifizierung einzelner Strecken müssen wir noch eine Schippe drauf legen“, betont Zinne.

„Es freut mich besonders, dass der weitaus überwiegende Teil technischer Innovationen bei der Bahn aus der Innovationsfreudigkeit der Elektroindustrie kommt. Sie ist die Enabler-Industrie“, so Zinne. Die Messe Innotrans zeige das auch in diesem Jahr wieder, denn eine Vielzahl von Elektrounternehmen seien unter den Ausstellern. „Was die Automation im Bereich der digitalen Transformation mit dem Projekt Industrie 4.0 erreicht hat – nämlich weltweit technologisch vorauszufahren – muss auch das Ziel der Bahnindustrie sein.“ Die Elektroindustrie sehe sich dabei als Innovationspartner Nummer 1.