Roboter für alle
Das Frankfurter Start-up Telekinesis macht die Automatisierungmit Robotern auch für kleine und mittlere Unternehmen wirtschaftlich.
03.08.2026
Expertenwissen, Meilensteine und Schaltzeichen: Drei informative Kurztexte über und aus der Elektro- und Digitalindustrie.
Expertenwissen
Die Politik muss sich für Schutzinstrumente einsetzen, Lieferketten diversifizieren und den Standort Europa stärken, sagt Dr. Nikolas Keßels, neuer ZVEI-Bereichsleiter Global Affairs & Konjunktur.

Wenn Deutschland seinen Wohlstand in die nächste Generation tragen will, brauchen wir – für uns und als Teil Europas – eine Außenwirtschaftsstrategie, die mehr ist als ein Nebeneinander einzelner Maßnahmen. Die Elektro- und Digitalindustrie benötigt offene Märkte und fairen Wettbewerb. Sie leidet, wenn Schutzinstrumente Vorprodukte verteuern und Vorleistungsströme stören.
Resilienz müssen Unternehmen auch selbst erreichen. Doch die Politik in Brüssel und in den Hauptstädten muss drei Dinge leisten. Erstens: Schutzinstrumente gezielt und entlang der Wertschöpfungskette einsetzen. Die EU muss dabei die Konsequenzen abwägen und die Perspektive der verarbeitenden Industrien verbindlich als Unionsinteresse berücksichtigen. Zweitens: Diversifizierung vorantreiben. Abkommen mit Mercosur, Indonesien oder Indien sind die Bausteine für Lieferketten jenseits chinesischer Abhängigkeiten. Drittens: Industrie- mit der Handelspolitik verzahnen. Europas Potenzial liegt noch zu nah an der Summe seiner Teile – auch weil der Binnenmarkt in zentralen Bereichen unvollendet ist. Wer Chinas Überkapazitäten eindämmen will, muss zugleich den Standort stärken: mit schnelleren Genehmigungen, verlässlichen Energiepreisen und Investitionsanreizen für Schlüsseltechnologien.
Das europäische Haus muss also von innen gestärkt werden: mit der Elektro- und Digitalindustrie als Treiber einer wettbewerbsfähigen Transformation.
Meilenstein
Vor 30 Jahren hat zum ersten Mal ein Computer einen amtierenden Schachweltmeister in einer regulären Partie besiegt – ein echter Meilenstein in der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz.

Am 10. Februar 1996 geschah etwas, das viele Experten für unmöglich gehalten hatten: Der von IBM entwickelte Supercomputer „Deep Blue“ gewann in Philadelphia gegen Garri Kasparow, den zu diesem Zeitpunkt besten Schachspieler der Welt. Das Match unter Turnierbedingungen umfasste sechs Partien. Deep Blue gewann die erste sensationell, verlor dann
aber drei weitere und spielte zweimal remis. Am Ende siegte Kasparow mit 4:2 – doch der Mythos von der Unbesiegbarkeit menschlicher Intuition war gefallen. „Ich habe schon gegen viele Computer gespielt, aber so etwas noch nie erlebt“, so Kasparow. „Ich konnte eine neue Art von Intelligenz auf der anderen Seite des Tisches spüren.“ Deep Blue war in der Lage, 100 Millionen Stellungen pro Sekunde zu berechnen und griff auf umfangreiche Eröffnungsbibliotheken zurück. Was dem Computer an menschlicher Kreativität fehlte, kompensierte er durch schiere Rechenpower. Ein Jahr später, im Mai 1997, trafen die beiden wieder aufeinander. Dieses Mal gewann eine verbesserte Version von Deep Blue (Spitzname: „Deeper Blue“) sogar das Gesamtmatch mit 3,5:2,5 – ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Künstlichen Intelligenz.
Schaltzeichen
Der Backofen der Zukunft ist smart – und die Herdplatte hört mit.

Was haben KI und Backöfen miteinander zu tun? Mehr als man denkt, was sich unter anderem auf der vergangenen IFA gezeigt hat! Denn moderne Backöfen erkennen dank Kameras und Künstlicher Intelligenz mittlerweile mehr als 100 Gerichte automatisch – von der Pizza bis zum Auflauf. Dadurch können sie Temperatur, Zeit und Zusatzfunktionen selbstständig einstellen. Und auch bei den Herdplatten soll KI Einzug halten, um die Sicherheit zu verbessern und die Energieeffizienz zu erhöhen: KI-gestützte Sensoren könnten künftig den Zustand des Kochguts anhand von Geräuschen erkennen und den Kochprozess automatisch anpassen.
Graphiken von oben nach unten: fotografa | Christina Xu / https://www.flickr.com/photos/crimsonninjagirl/4094812230 | Barbara Geising
Dieser Text ist in der Ausgabe 2025 der ampere am 24. März 2025 erschienen.
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Expertenwissen, Meilensteine und Schaltzeichen: Drei informative Kurztexte über und aus der Elektro- und Digitalindustrie.
Überbordende Bürokratie wurde erfolgreich bekämpft. Dem ZVEI ist es gelungen, dysfunktionale Gesetze zu stoppen und Berichtspflichten zu streichen – und der Fokus der Politik liegt endlich wieder auf Wettbewerbsfähigkeit und Innovation.
Künstliche Intelligenz könnte sich zum Cybersicherheits-GAU entwickeln: Denn in den falschen Händen kann KI Sicherheitslücken schnell identifizieren und ausnutzen. IT-Security-Experte Manuel Atug warnt dennoch vor blinder Panik. Für ihn bleibt das beste Mittel gegen Cyberkriminelle ein altes.
Der Cyber Resilience Act (CRA) soll für mehr Sicherheit, Vertrauen und Zukunftsfähigkeit sorgen. Doch der Rechtsakt der EU zeigt ein Problem: Gute Absichten werden durch überzogene Anforderungen geschwächt – mit Folgen für Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Versorgungssicherheit.
Roboter, die wirken wie Menschen, und eine Regierung, die KI zur Staatsaufgabe macht: China drückt bei der Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Hardware aufs Tempo. Mit Milliardenförderung und hohem Umsetzungstempo will man Marktführer bei praktischen KI-Anwendungen werden. Das setzt die USA und Europa unter Zugzwang.
Industrielle KI (Industrial AI) umfasst KI-Technologien, die speziell für industrielle Umgebungen entwickelt wurden. Anders als Consumer-KI verarbeiten diese Systeme Echtzeitdaten von Industriemaschinen und Produktionsanlagen.
Von robusten Elektronikbauteilen bis zu einer resilienten Energieversorgung: Moderne Verteidigung braucht weit mehr als militärisches Gerät. Die Elektro- und Digitalindustrie rückt damit ins Zentrum eines neuen Markts. Die beiden Unternehmen Wöhner und Weidmüller geben Einblicke in Chancen, Risiken und Zugangswege.
Industrielle KI unterscheidet sich fundamental von Consumer-Anwendungen. Deutschlands Stärke liegt im Prozesswissen – und in Standards, die KI-Integration heute so einfach machen wie nie.
Exzellente Forschung und hohes Wertschöpfungspotenzial auf der einen, Investitionszurückhaltung und wenig Patente auf der anderen Seite: Bei KI hat Deutschland Stärken und Schwächen.
Edge AI und Agentic AI bringen Künstliche Intelligenz von der Cloud direkt in die Fertigung. Das macht die Produktion schneller, sicherer und effizienter – und könnte zum Wettbewerbsvorteil für den Industriestandort Deutschland werden.
Während die Welt über Chatbots diskutiert, entscheidet sich Europas KI-Zukunft in der Industrie. Diese hat beste Voraussetzungen – wenn die Politik jetzt die richtigen Rahmenbedingungen setzt.
Industrielle KI gilt als große Chance für die deutsche Industrie. Für Rainer Brehm, COO für Automatisierung und CTO bei Siemens Digital Industries, und Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, müssen aber regulatorische Vorgaben für die Datenverarbeitung in Fabriken vereinfacht werden.
Der EU AI Act soll den Umgang mit Künstlicher Intelligenz regeln. Doch auch dieser Rechtsrahmen zeigt ein grundlegendes Problem kritisiert Kathrin Glastra, Büroleiterin des ZVEI European Office: Unklare und teils widersprüchliche Anforderungen drohen die guten Absichten der Europäischen Union zu konterkarieren.
Der Cyber Resilience Act (CRA) sollte in seiner Struktur angepasst werden. Vor allen Dingen braucht es Ausnahmen für „unkritische Produkte mit digitalen Elementen“, sagt ZVEI-Europa-Expertin Kathrin Glastra.
Die Geopolitik ist gerade im Umbruch. Die USA als Verbündete wackeln, die Dominanz des Silicon Valley erscheint immer mehr als Risiko. Ist globale Arbeitsteilung noch sinnvoll, wenn es um sicherheitskritische oder systemrelevante Produkte geht? Ampere sprach darüber mit Manuel Atug, Principal bei der Berliner Beratungsfirma HiSolutions AG.
Auf die Elektro- und Digitalindustrie kommt es mehr denn je an, zeigt sich Daniel Hager, designierter ZVEI-Präsident, überzeugt. Die Megatrends Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung seien aufs Engste mit der Branche verbunden. Zusätzliche Verantwortung müsse sie durch größere geopolitische Unsicherheiten, eine rasante KI-Entwicklung und lähmende regulatorische Hürden schultern. Trotzdem gibt sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Hager Group zuversichtlich. Stärker als bisher will er allerdings die EU in die Pflicht nehmen.
Interview mit Debra Phillips, Präsidentin und CEO der National Electrical Manufacturers Association (NEMA), dem US-amerikanischen Branchenverband der Elektroindustrie
ampere
Mit dem Magazin der Elektro- und Digitalindustrie ampere, das zwei Mal im Jahr erscheint, schaut der Verband über den Tellerrand der Branche hinaus.
Jede Ausgabe von ampere setzt sich kontrovers und informativ mit Themenschwerpunkten der Elektroindustrie auseinander, die aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Der Verband will mit dem Magazin den Dialog mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft stärken.