Presse

14.11.2019

Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft: Möglichkeiten des Digitale-Versorgung-Gesetzes zügig nutzbar machen

71/2019

„Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) hat die Bundesregierung ein deutliches Signal gesetzt, dass die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft ernsthaft vorangetrieben werden soll“, sagt Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik, auf der Pressekonferenz zur MEDICA heute in Düsseldorf. „Die Möglichkeiten, die das DVG dafür bietet, müssen jetzt aber zügig nutzbar gemacht werden.“

Durch das neue Gesetz können sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen unter bestimmten Bedingungen zukünftig direkt von den Krankenkassen bezahlt werden, nachdem sie eine Bewertung durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte durchlaufen haben. „Es ist gut, dass es eine Möglichkeit gibt digitale Gesundheitsanwendungen schnell in die Versorgung zu bringen“, so Bursig. „Die Anbieter müssen jetzt aber wissen, welche Anforderungen zu erfüllen sind, um in das Verzeichnis des Bundesamts für Arzneimittel und Medizinprodukte aufgenommen zu werden.“ Dazu muss das Bundesministerium für Gesundheit das genaue Verfahren für die Beurteilung der digitalen Gesundheitsanwendungen noch in einer eigenen Rechtsverordnung regeln. Diese gilt es nach Auffassung des ZVEI jetzt zügig zu erstellen, um Unsicherheiten und Verzögerungen vorzubeugen.

Der ZVEI weist deutlich darauf hin, dass viele digitale Lösungen für die Gesundheitswirtschaft von den neuen Regelungen gar nicht erfasst werden. Das Gesetz definiert digitale Gesundheitsanwendungen als Medizinprodukte der Klassen I und IIa. „Für digitale Lösungen mit Medizinprodukten höherer Klassen ist die neue Regelung nicht anwendbar“, erläutert Bursig. Umso wichtiger ist, dass die Krankenkassen mit dem DVG grundsätzlich die Möglichkeit erhalten, digitale Versorgungsangebote zu fördern und mit der Industrie bedarfsorientiert zu entwickeln. „Auch hier müssen jetzt aber zügig Modelle für die Zusammenarbeit gefunden werden, um wirksame Lösungen schnell in die Versorgung zu bringen“, fordert Bursig.

Im internationalen Vergleich der Studie #SmartHealthSystems der Bertelsmann-Stiftung belegt Deutschland bei der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft nur Rang 16 unter 17 untersuchten Ländern. Das DVG stellt aus Sicht des ZVEI einen wichtigen Schritt dar, um Deutschlands Position bei der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft zu verbessern. Weitere Schritte müssen aber folgen, allen voran auch die Regelung zum Umgang mit Gesundheitsdaten in Forschung und Entwicklung.