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22.03.2017

ZVEI-Grünbuch zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft

Das ZVEI-Grünbuch soll eine offene Diskussion über die kommenden Veränderungen anstoßen und eine Plattform für die erfolgreiche Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft schaffen.

Mit der Digitalisierung stehen der Gesundheitswirtschaft große Veränderungen bevor. Diese betreffen unter anderem die Entwicklung und Herstellung von Medizinprodukten, die medizinische Forschung, Fragen nach dem ethischen Umgang mit persönlichen Gesundheitsdaten und die Rolle des Patienten im Versorgungsprozess. Ihre Umsetzung kann daher nur gelingen, wenn alle Aspekte des digitalen Wandels gemeinsam betrachtet werden und die Beteiligten zusammenarbeiten.

Um dafür eine Grundlage zu schaffen, hat der ZVEI ein Grünbuch entwickelt. Dieses hat nicht den Anspruch, alle Gesichtspunkte der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft vollständig und abschließend darzustellen. Es soll vielmehr eine offene Diskussion über die kommenden Veränderungen anstoßen und eine Plattform für die erfolgreiche Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft schaffen.

 

Dafür stellt es drei Thesen auf:

 

1. Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft führt zu individualisierter Gesundheitsversorgung

 Der Weg zur individualisierten Gesundheitsversorgung besteht aus drei Komponenten, die auf digitalen Technologien beruhen, eng miteinander verzahnt sind und sich wechselseitig beeinflussen: Alle Prozesse der Versorgung müssen vernetzt und optimiert werden. Diese müssen außerdem um die direkte Beteiligung der Patienten ergänzt werden. Die dritte Komponente betrifft die Erweiterung medizinischen Wissens: Die erhobenen Daten können mit Hilfe von Big Data-Analysen ausgewertet und mit anderen Daten aus der Forschung kombiniert werden. Auf dieser Basis wird eine schnelle Evaluation bekannter und eine Bewertung neuer Behandlungsansätze möglich.


2. Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft bringt kontinuierliche Verbesserung

 Individualisierte medizinische Versorgung hat keinen definierten Endpunkt. Durch die wissenschaftliche Analyse der erzeugten Daten kann die Versorgung kontinuierlich verbessert werden. Dieser Verbesserungsprozess kann von keinem Teilnehmer der Gesundheitswirtschaft alleine gesteuert oder beurteilt werden. Daher müssen alle Beteiligten ausgehend von den vorhandenen Prozessen und dem heutigen medizinischen Wissen indikationsbezogen zusammenarbeiten.

 

3. Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft muss mit gesellschaftlicher Verantwortung gestaltet werden

Dazu gehört an erster Stelle, dass Datenschutz und IT-Sicherheit gewährleistet werden. Sie sind die Basis dafür, dass Anwender den neuen Technologien ihr Vertrauen schenken. Weiterhin muss der Befürchtung, dass durch das Verweigern von Daten Nachteile entstehen könnten, Rechnung getragen werden. Hier sind verbindliche Festlegungen notwendig, mit denen die Entscheidungsfreiheit des einzelnen verlässlich geschützt wird. Eine weitere Voraussetzung für das Gelingen der Digitalisierung ist eine retrospektive Bewertung von digitalen Anwendungen, da eine prospektive Bewertung digitaler Anwendungen in vielen Fällen schwierig oder sogar unmöglich ist. Schließlich ist es wichtig, dass alle Überlegungen zu den Rahmenbedingungen immer europäisch bzw. international betrachtet werden – eine Umsetzung spezifisch deutscher Anforderungen an digitale Gesundheitsanwendungen ist dagegen nicht zielführend.

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