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06.11.2017

Bemerkungen zum Handelsdefizit der USA

Das Leistungsbilanzdefizit – bzw. der Importüberschuss im Waren- und Dienstleistungshandel – der USA belief sich im vergangenen Jahr 2016 auf gut 480 Milliarden Dollar oder knapp drei Prozent des amerikanischen Sozialprodukts. US-Präsident Donald Trump will es unbedingt verringern. Dabei lag es schon mal höher. Seinen Rekordwert hatte das Defizit 2005 erreicht, mit damals mehr als sechs Prozent des BIP. Die anteilsmäßige Reduzierung seitdem geht u.a. auf eine höhere heimische Öl- und Gasproduktion sowie weltweit niedrigere Rohstoffpreise zurück, welche die Rechnung für den Import natürlicher Ressourcen verringert haben.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Nun besteht ein fester Zusammenhang zwischen dem Waren- und Dienstleistungsverkehr einerseits und dem Kapitalverkehr andererseits. Leistungsbilanzdefizite bzw. Überschüsse von Einfuhren über die Ausfuhren im Waren- und Dienstleistungsverkehr gehen regelmäßig einher mit einer Verschuldung im Ausland (so wie umgekehrt Leistungsbilanzüberschüsse ihre spiegelbildliche Entsprechung in einer Kreditgewährung ans Ausland finden).

Diskutiert wird, ob nun der Waren- und Dienstleistungshandel den Kapitalverkehr treibt oder ob es anders herum läuft. Im Fall der USA spricht sehr viel dafür, dass es die Kapitalströme sind, die letztlich das Leistungsbilanzdefizit des Landes bedingen. Weil der US-amerikanische Dollar die Leit- und Reservewährung der Welt ist und amerikanische Staatsanleihen rund um den Globus so sehr (als sicherer Anlagehafen) gefragt sind, fließt mehr Kapital in die USA, als aus dem Land abfließt. Die so hervorgerufene Verschuldung der USA im Ausland findet dann ihre Entsprechung im Leistungsbilanzdefizit. Das heißt aber auch: Solange weltweit Appetit nach Dollars und US-Staatsanleihen besteht, dürfte sich am US-Defizit wenig ändern können.

Bemerkenswert ist, dass die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit eigentlich recht gut mit ihren Defiziten gefahren sind. Die auf ihre Auslandsschulden zu zahlenden Zinsen sind regelmäßig niedriger als die Renditen auf das Auslandsvermögen, obwohl die Schulden so viel höher sind als das Vermögen. Wenn man über die Welt-Reservewährung verfügt, kann man sich eben vergleichsweise günstiger refinanzieren als andere Staaten und im Fall der Fälle das zur Schuldenrückzahlung benötigte Geld auch noch selbst drucken. Das ist, was John Connally, US-Finanzminister unter Richard Nixon, 1971 mit seinem berühmten Satz „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem“ zum Ausdruck brachte.

Eine isolierte Betrachtung bilateraler Handelsbilanzsalden, wie sie der aktuelle US-Präsident Trump präferiert, z.B. zwischen den USA und China, den USA und Deutschland, den USA und Kanada oder den USA und Mexiko etc., macht im Übrigen wenig Sinn. Ebenso wenig eine isolierte Betrachtung nach einzelnen Branchen.

Würde das Heimholen der üppigen Auslandsgewinne amerikanischer Konzerne das US-Leistungsbilanzdefizit verringern? Am Ende wohl nicht. Zwar würde der Rückfluss für sich betrachtet das Defizit verkleinern. Da er aber gleichzeitig zu einer Aufwertung des Dollars führte, käme es über eine Beeinträchtigung der Exporte sowie eine Begünstigung der Importe letztlich wieder zu einer Ausweitung des Defizits.

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