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14.08.2018

Freihandel und offene Märkte

Zu den wohl am besten abgesicherten ökonomischen Erkenntnissen zählt, dass Freihandel und offene Märkte den Volkswirtschaften mehr Wohlstand bringen. Gleichwohl hat diese Sicht der Dinge aktuell einen schweren Stand. Vor allem die US-Handelspolitik von Präsident Trump stellt die liberale, multilaterale und regelbasierte (und dabei institutionell von der WTO abgesicherte) Welthandelsordnung derzeit ganz grundsätzlich infrage.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Wenn Güter und Dienstleistungen so ungehindert wie möglich Grenzen passieren können, entstehen gleich mehrere Vorteile. Erstens erlaubt Freihandel internationale Arbeitsteilung. Indem sich Länder auf das spezialisieren, was sie vergleichsweise am besten können, lässt sich in Summe von allem mehr produzieren als in Autarkie. Konsequenterweise erstreckt sich Handel heute auch nicht mehr nur auf Endprodukte, sondern entlang kompletter Wertschöpfungsketten und damit insbesondere auf Zwischenprodukte. Zweitens sorgt Freihandel für größere Absatzmärkte. Wenn man vom heimischen auf ausländische Märkte expandieren kann, lassen sich leichter Skaleneffekte realisieren oder Kosten von Investitionen, Forschung und Entwicklung decken. Hierdurch werden Innovationen begünstigt, die letztlich ganz zentral für Wachstum und Wohlstand sind.

Drittens fördern offene Märkte den Wettbewerb. Konkurrenz aus dem Ausland sorgt letztlich dafür, dass Ressourcen von schwächeren zu effizienteren Firmen umgelenkt werden und so die gesamtwirtschaftliche Produktivität steigt (Stichwort: Schöpferische Zerstörung nach Schumpeter). Viertens bringt Freihandel mehr Berührungspunkte mit ausländischen Unternehmen, neuen Ideen, anderen Kulturen etc. – also mehr Diversität – mit sich, wovon alle Seiten wechselseitig profitieren. Dass Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine so nie dagewesene Periode des Friedens und der Kooperation erlebt, hat viel mit dem Abbau von Handelshemmnissen zu tun.

Warum gelingt es dann eigentlich nicht besser, die handfesten Vorteile offener Märkte in die Öffentlichkeit zu transportieren und so den Gegnern von Freihandel den Wind aus den Segeln zu nehmen? Vermutlich, weil es trotz aller gesamtwirtschaftlichen Vorteile am Ende auch individuelle Globalisierungsverlierer – etwa amerikanische Stahlarbeiter – gibt, die man theoretisch zwar hätte entschädigen können, es praktisch aber nicht getan hat. Bildlich gesprochen: Durch Freihandel und offene Märkte entsteht ein insgesamt größerer Kuchen (bzw. ein höheres Sozialprodukt). Das heißt aber nicht, dass auch wirklich jeder ein größeres Stück abbekommt.

Mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen für mehr Mobilität (um etwa von einem Ort, einer Industrie, einer Firma etc. woanders hin wechseln zu können), einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik und vor allem Investitionen in (Weiter-)Bildung, die für neue Tätigkeitsfelder befähigen, ließen sich Benachteiligte besser mitnehmen. Bei besonderen Härten ist der Wohlfahrtsstaat gefordert. Allerdings sind es die Gewinne aus Freihandel, welche die Finanzierung eben dieses Wohlfahrtstaats überhaupt erst möglich machen.

 

 

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