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13.03.2018

Geld- und Währungsordnung

Ein Spruch besagt, mit Finanzkrisen sei es in etwa so wie mit U-Bahnen: Hat man eine verpasst, wird die nächste schon kommen. In einer jüngeren Untersuchung hat die Deutsche Bank festgestellt, dass die Häufigkeit von Krisen in den Industrieländern in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. Den Hauptgrund dafür sieht sie in der heutigen Geld- bzw. Währungsordnung.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Unter dem Goldstandard und seinem Nachfolger – dem Bretton-Woods-System fester Wechselkurse – war die Menge an Geld und Kredit, die geschöpft werden konnte, irgendwo begrenzt. Betrieb ein Land eine allzu laxe Geldpolitik oder ritt seine Leistungsbilanz in den defizitären Bereich, kam die Währung unter Abwertungsdruck. Um sich dagegen zu stemmen, mussten die Gold- bzw. Devisenreserven angezapft werden. Weil diese aber endlich sind, hat man die geldpolitischen Zügel bald wieder gestrafft und so auch Blasen an den Finanzmärkten vermieden.

In den 1970er Jahren kam der Wechsel zu flexiblen Wechselkursen. Zwar brachte das den Ländern ihre geldpolitische Autonomie zurück. Allerdings war es von nun an auch um den disziplinierenden Effekt begrenzter Währungsreserven geschehen, weil man diese schlichtweg nicht mehr brauchte, um feste Wechselkurse zu stützen. In der Folge nahmen die Zahlungsbilanzungleichgewichte zu. Auch das Verhältnis der Staatsschulden zur Wirtschaftsleistung hat sich seit Mitte der 70er Jahre permanent erhöht. Japan hatte seit 1966 jedes Jahr ein Haushaltsdefizit, Frankreich seit 1993. Italien konnte seit 1950 nur ein einziges Mal einen Überschuss vorweisen. Zudem haben sich Unternehmen und Haushalte tendenziell immer stärker verschuldet.

Ergebnis sind mehr oder weniger lange Zyklen der Geld- und Kreditvermehrung mit anschließender Korrektur. Es werden Schulden aufgenommen, um Aktien, Anleihen oder Immobilien zu kaufen. Das treibt deren Preise in die Höhe, woraufhin man sie als Sicherheiten für weitere Kredite heranziehen kann usf. Das Problem: Von Zeit zu Zeit verlieren Gläubiger das Vertrauen in die Kapitaldienstfähigkeit der Schuldner, und der Überschwang schlägt um in Panik. Dieser Wendepunkt wird gern als „Minsky-Moment“ bezeichnet – benannt nach dem amerikanischen Ökonomen Hyman Minsky, der ihn einst beschrieb. Kredite werden dann nicht mehr verlängert, sodass Vermögenswerte (not-)veräußert werden müssen, was deren Preise fallen lässt etc. Die Subprime-Krise in den USA oder die Euro-Schuldenkrise sind jüngste Beispiele.

Indem die Zentralbanken die Zinsen (inzwischen bis auf null und sogar darunter) senken und (massiv) Wertpapiere ankaufen, dämmen sie Finanzkrisen immer wieder ein. Allerdings bleibt nach jeder Kreditwelle ein immer größerer Schuldenberg zurück.

In der Analyse der Deutschen Bank werden etliche Potentaten aufgeführt, die eine nächste Finanzkrise auslösen könnten – darunter untragbar hohe Schulden in China, der Aufstieg populistischer Parteien oder illiquide werdende Wertpapiermärkte. Die größte Gefahr wird allerdings im Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik gesehen. Dieser Ausstieg sei deshalb so heikel, weil eine „Normalisierung“ wieder steigende Zinsen und damit sinkende Kurse von Aktien und Anleihen bzw. fallende Preise von Immobilien bedeuten würde und eben diese Korrektur dann Auslöser des nächsten Vertrauensverlusts sein könnte. Man horcht hier insoweit auf, als die heftigen Börsenkursverluste von Anfang Februar ja vor allem mit Sorgen der Investoren vor höheren Zinsen begründet worden sind.

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