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23.07.2018

Italien

Italien ist nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Das Land ist Gründungsmitglied der EU und gehört zum Club der G7. Zwar ist die italienische Wirtschaft im vergangenen Jahr um solide anderthalb Prozent gewachsen, gleichwohl liegt das Sozialprodukt bis heute real nicht höher als 2008, dem Jahr vor der Finanzkrise. Seit Jahrzehnten zählt Italien beim Wirtschaftswachstum zu den Schlusslichtern in Europa. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, besonders unter Jugendlichen. Die öffentliche Verschuldung beläuft sich auf mehr als 130 Prozent vom BIP und ist absolut gesehen die dritthöchste weltweit (nach den USA und Japan). Im Bankensystem türmen sich faule Kredite von 185 Milliarden Euro. Das sind mehr als elf Prozent aller Darlehen. In Deutschland liegt diese Zahl unter zwei Prozent.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Nicht wenige sind der Ansicht, aufgrund seiner fragilen wirtschaftlichen Situation sei Italien der Ort, wo sich die Zukunft der Eurozone entscheidet. Nach einigem Hin und Her bilden jetzt die nicht gerade europafreundlichen Parteien Fünf Sterne und Lega die neue Regierung. Es ist die erste rein populistische Regierung in Westeuropa. Die Kapitalmärkte haben bereits reagiert. Ende Mai mussten für italienische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit wieder dreieinhalb Prozent Zinsen gezahlt werden – ein Risikoaufschlag von deutlich mehr als drei Prozentpunkten gegenüber deutschen Pendants. Die Ratingagentur Moody’s hat angekündigt, die Bonität des Landes herabstufen zu wollen. Dabei beträgt der Abstand zum Ramschstatus ohnehin nur noch zwei Stufen.

Immerhin wurden Neuwahlen, die leicht zu einer Art Referendum der Italiener für oder wider den Euroraum bzw. die EU hätten werden können, vereitelt. Und die neue Regierung hat sich bislang zur Gemeinschaftswährung bekannt. Trotzdem muss man befürchten, dass die fiskalisch ungedeckten Pläne der beiden Koalitionäre nicht eben zur Solidität der italienischen Staatsfinanzen und damit zur Stabilität im Euroraum beitragen werden. Die Fünf Sterne drängen auf ein Mindesteinkommen. Gleichzeitig will die Lega die Steuern massiv senken. Zudem sollen das Renteneintrittsalter wieder gesenkt und mühsam eingeleitete Arbeitsmarktreformen zurückgedreht werden. Streit mit der EU-Kommission ist da vorprogrammiert.

Im Juli 2012 gab EZB-Präsident Mario Draghi das unbedingte Versprechen, die Notenbank werde alles tun, um die Eurozone zusammenzuhalten. Das beruhigt die Nerven an den Finanzmärkten und verhindert Aufschläge auf italienische Staatspapiere in einem Ausmaß wie 2011. Allerdings dürfte eine Normalisierung der Geldpolitik im Euroraum jetzt wohl noch länger auf sich warten lassen. Zumal: Italien ist – anders als Griechenland – schlichtweg zu groß, als dass man dem Land im Zweifel ein Rettungspaket schnüren könnte.

Die deutsche Elektroindustrie hat im vergangenen Jahr übrigens Exporte von 9,0 Milliarden Euro nach Italien geliefert. Damit war das Land 2017 der neuntgrößte Abnehmer unserer Branchenausfuhren. In den ersten vier Monaten 2018 entwickelten sich die heimischen Elektroexporte nach Italien erstaunlich gut. Sie stiegen um mehr als zehn Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 3,1 Milliarden Euro – und rückten im Ranking so auf Rang sechs vor.

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