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09.04.2018

Job-Verluste durch Automatisierung?

Mit dem Vormarsch der Digitalisierung steigt auch die Zahl an Studien, die vor – mitunter massiven – Arbeitsplatzverlusten als Folge einer neuen Welle der Automatisierung warnen. Die Frage stellt sich, wie die teils düsteren Prophezeiungen einzuordnen sind, als realistische Zukunftsbeschreibung oder Panikmache? Da man die Zukunft nun mal nicht kennt, bleibt nur der wirtschaftsgeschichtliche Blick zurück in die Vergangenheit, und der vermag zunächst durchaus zu beruhigen.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Technologischer Fortschritt wirkt in zweierlei Richtung. Da ist zum einen der arbeitssparende technische Fortschritt, der tatsächlich darauf hinaus läuft, menschliche Arbeit – ganz oder teilweise – durch den Produktionsfaktor Kapital zu ersetzen. Diesem Substitutionseffekt (der übrigens helfen kann, den Fachkräftemangel zu lindern) steht ein anderer gegenüber. Indem mehr Digitalisierung und Automatisierung zu Effizienzvorteilen und Produktivitätsgewinnen führen, lässt es sich günstiger produzieren. Das bringt höhere Gewinne und niedrigere Preise. Letztere stärken die Kaufkraft. Mit mehr Kapital ausgestattete Arbeitsplätze lassen auch die Löhne steigen. Zusammen genommen sorgt das für mehr gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Gleichzeitig entstehen mit technologischen Innovationen auch völlig neue Bedarfe, an die man bisweilen noch überhaupt gar nicht gedacht hat.

In der Vergangenheit haben sich die beiden gegenläufigen Effekte typischerweise neutralisiert. Das heißt: In einem Teil der Volkswirtschaft gehen Jobs verloren, dafür entstehen in einem anderen neue. Im Jahr 1900 waren in den USA noch zwei von fünf Erwerbspersonen in der Landwirtschaft tätig. Heute ist es gerade einmal nur mehr einer von 50. Der vom technologischen Fortschritt angetriebene Strukturwandel hat aber eben nicht nur einen massiven Job-Abbau in der Landwirtschaft herbeigeführt, sondern vor allem auch neue Beschäftigungsverhältnisse in anderen Sektoren – seinerzeit der Industrie – entstehen lassen.

Im europäischen Vergleich werden in Griechenland mit die meisten Arbeitsstunden pro Kopf geleistet, in Deutschland dagegen die wenigsten. Dennoch ist die Arbeitslosigkeit im wesentlich höher automatisierten Deutschland viel niedriger als in Griechenland. Die deutsche Elektroindustrie hat seit der 2009-er Krise insgesamt 58.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. 42.000, also fast drei Viertel davon sind allein im in Rede stehenden Fachbereich Automation entstanden, der damit der mit Abstand stärkste Jobmotor innerhalb der Branche war. Überhaupt lässt sich durchaus verallgemeinern, dass gerade in denjenigen Ländern, in denen der Grad an Automatisierung – gemessen beispielsweise anhand der Roboterdichte – besonders hoch ist, wie etwa in Südkorea, Deutschland oder den USA, regelmäßig auch der Wohlstand höher ist.

Kann man also ganz beruhigt sein? Das nun auch wieder nicht. Denn die Übergangsphase innerhalb des Strukturwandels ist durchaus kritisch. Wenn die große Umorganisation hier nämlich fehlschlägt, dann ziehen sich frei gesetzte Arbeitskräfte womöglich komplett aus der Reserve zurück bzw. landen mitunter dauerhaft in Arbeitslosigkeit. Umso wichtiger sind Investitionen in Qualifizierung und (Weiter-)Bildung, die Menschen für neue zukunftsträchtige Aufgaben befähigen.

 

 

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