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24.05.2019

Ölpreis

Bis Ende Dezember des vergangenen Jahres war der Preis von Rohöl (der Nordsee-Sorte Brent) auf rund 50 US-Dollar gesunken. Seitdem ist er grob um die Hälfte gestiegen. Der Anstieg ist dabei nicht auf eine vermehrte Nachfrage nach dem Rohstoff zurückzuführen, sondern auf angebotsseitig verknappende Faktoren.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Zu nennen sind hier allen voran die Sanktionen der USA gegen den Iran, die zuletzt noch weiter verschärft worden sind, die Kämpfe in Libyen oder das Chaos in Venezuela. Zudem waren die Lagerbestände schon mal höher.

Unklar ist, wie sich die OPEC-Länder und Russland verhalten werden. Einerseits haben sie angekündigt, Angebotsschocks ausgleichen und so den Ölmarkt weiter im Gleichgewicht halten zu wollen. Gleichzeitig lassen sie aber verlauten, mit dem gegenwärtigen Preislevel ganz gut zurechtzukommen und insoweit keinerlei unmittelbaren Handlungsdruck zu verspüren.

Somit stellt sich die Frage, was ein höherer Ölpreis gegenwärtig für die globale Konjunktur bedeutet. Hier stehen sich unterschiedliche Effekte gegenüber. Zunächst mal beschert ein steigender Ölpreis den Produzentenländern zusätzliche Erlöse, die sie verausgaben können. Darüber hinaus stimuliert er Investitionen in Fracking, welche die Nachfrage ebenfalls erhöhen. Auch schafft er Anreize zum Energiesparen und löst auf diese Weise mehr Investitionen in energieeffiziente Technologien aus.

Demgegenüber stehen allerdings negative Effekte für Verbraucher. Teureres Öl und Benzin schmälern die Kaufkraft der Konsumenten für andere Dinge – sowohl in Amerika, aber vor allem auch in den Ländern Asiens und Europas. Ohnehin schon kriselnde Schwellenländer wie Argentinien, Pakistan oder die Türkei werden besonders empfindlich getroffen, weil ein höherer Preis für importiertes Rohöl die Inflationsrate weiter antreibt und das Leistungsbilanzdefizit noch größer macht.

Indem ein steigender Ölpreis die allgemeine Preissteigerungsrate erhöht, könnte er schließlich auch die Notenbanken unter Zugzwang setzen. Denn diese müssten dann gegebenenfalls die Zinsen erhöhen, was für gewöhnlich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage dämpft.

In der aktuellen Situation, in welcher das weltwirtschaftliche Wachstum ohnehin nachlässt, dürften die nachteiligen Effekte eines anziehenden Ölpreises unterm Strich stärker wiegen als die positiven. Teurer werdendes Öl stellt insoweit also ein Konjunkturrisiko dar, das man im Hinterkopf behalten sollte.

Immerhin: Auf die mittlere bis lange Sicht sollte die OPEC – und hier insbesondere der größte Produzent Saudi Arabien – eigentlich kein Interesse an einem zu hohen Ölpreis haben. Denn letztlich beförderte er doch die amerikanische Fracking-Industrie und brächte damit verstärkt Konkurrenz auf den Plan.

 

 

 

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