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14.02.2019

Schwellenländer - Doppeltes Risiko

Wer überlegt, in Staatsanleihen von Schwellenländern zu investieren, wird sich Gedanken darüber machen, ob er sein Geld auch zurückbekommt. Neben wirtschaftlichen Aspekten müssen vor allem politische Risiken bewertet werden.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Was heißt es für eine Investition, wenn in Brasilien mit Jair Bolsonaro ein neuer Präsident gewählt worden ist, der Sympathien für eine Militärdiktatur übrig hat? Wenn der neue, linkspopulistische Präsident Mexikos, Andrés Manuel López Obrador, ein milliardenschweres Flughafenprojekt cancelt, das bereits zu einem Drittel gebaut wurde? Wenn die Türkei in ein Präsidialsystem transformiert wird? Wenn Indiens Premierminister Narendra Modi den Notenbankchef austauscht, um seine Wiederwahlchancen zu erhöhen oder wenn das Parlament in Südafrika eine Verfassungsänderung beschließt, die künftig Landreformen ohne Kompensationszahlungen möglich machen soll?

Eine solide Risikoeinschätzung ist bei Anleihen schon deshalb angezeigt, weil Chancen und Wagnisse hier asymmetrisch verteilt sind. Einem möglichen Totalverlust des Einsatzes stehen ja nur limitierte Ertragschancen gegenüber. Auf mehr als die vereinbarten Zinsen sowie die Rückzahlung des Kapitals kann man nicht setzen.

Beim wirtschaftlichen Risiko geht es um die Frage der Fähigkeit zum Kapitaldienst, also der Zahlung von Zins und Tilgung. Hier ist die Schuldenquote (im Verhältnis zum Sozialprodukt) die zentrale Kennzahl. Sie wird beeinflusst von der Höhe der Zinsen, vom Wirtschaftswachstum und vom Haushaltsgebaren. Auf eine Formel gebracht: Umso mehr der Zinssatz (der Staatsanleihen) das BIP-Wachstum übersteigt, desto höhere Primärüberschüsse (Haushaltsüberschüsse vor Zinszahlungen) sind notwendig, damit die Schuldenquote nicht steigt. In der Gruppe der gesamten Schwellenländer liegt diese Quote übrigens nur bei 50 Prozent, verglichen mit 105 Prozent in den Industrieländern. Freilich gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Mexikos Quote liegt nah am Durchschnitt und ist recht stabil. In Brasilien dagegen übertrifft sie locker 80 Prozent und steigt weiter.

Das politische Risiko besteht in der Zahlungswilligkeit der Regierungen. Es ist regelmäßig schwieriger einzuschätzen als das wirtschaftliche Risiko, weil hier Interessen ins Spiel kommen. Wird die Regierung ihre knappen Mittel zuallererst für die Bedienung von Auslandsschulden verwenden oder zunächst mal heimische Ansprüche von Staatsbediensteten, Rentnern, Arbeitslosen etc. bedienen wollen? Der Säumnis-Anreiz dürfte dabei umso höher sein, je mehr der Schulden in Auslandswährung denominiert sind, denn US-Dollars können die Notenbanken der Schwellenländer nicht selber drucken.

Für das politische Risiko müssen die Schwellenländer eine (zusätzliche) Prämie anbieten, um ihre Staatsanleihen am Kapitalmarkt unterzubringen. Aus Anlegersicht macht es auch Sinn, Investitionen zu diversifizieren, also auf mehrere Länder zu verteilen, denn die meiste Zeit ist es ja so, dass sich die Dinge in manchen Schwellenländern verbessern und dafür in anderen verschlechtern.

Viele Schwellenländer wurmt es, dass sie höhere Zinsen anbieten müssen als die Industrieländer, obgleich auch hier politische Risiken existieren. Hängt das Überleben des Euros am Ende nicht davon ab, ob es den Nord- und Südländern gelingen wird, sich politisch auf eine wie auch immer geartete Form von Fiskalunion zu verständigen? Und in welche Risikokategorie sollte man eigentlich eine unterfinanzierte Steuerreform, protektionistische Maßnahmen sowie Angriffe auf die Unabhängigkeit der Notenbank in den USA einordnen?

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