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19.09.2018

Türkei

Die Türkei zählt zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt. Mit mehr als 80 Millionen Einwohnern ist die Größe der Bevölkerung vergleichbar mit der Deutschlands. Das Sozialprodukt des Landes ist nicht ganz so hoch wie das der Niederlande. In den vergangenen zehn Jahren ist die türkische Wirtschaft real um stattliche viereinhalb Prozent pro Jahr gewachsen. Der siebeneinhalb-prozentige Anstieg des Sozialprodukts 2017 war der höchste unter allen nennenswerten Ländern weltweit.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Die deutsche Elektroindustrie hat im letzten Jahr Exporte im Wert von 3,2 Milliarden Euro in die Türkei geliefert und damit gut acht Prozent des dortigen Elektromarkts bedient. Im Abnehmer-Ranking unserer Branche findet sich das Land an Position 17. Seit 2002 haben sich die Branchenausfuhren in die Türkei fast verdreifacht. Gerade auch als ausländischer Investitionsstandort ist das Land von Bedeutung. Der Bestand an Direktinvestitionen der deutschen Elektroindustrie vor Ort belief sich zuletzt auf 1,3 Milliarden Euro. Das ist Rang neun unter allen Auslandsstandorten.

Aktuell steckt die Türkei in einer akuten Vertrauens- und Währungskrise. Anleger flüchten aus der Lira. Mussten vor etwa fünf Jahren nur rund zwei Lira für einen Dollar gezahlt werden, waren es zwischenzeitlich schon sieben. Die Inflation im Land ist hoch. Im August lag sie bei 18 Prozent. Chronisch hoch ist auch das Leistungsbilanzdefizit der Türkei. 2017 betrug es fünfeinhalb Prozent vom BIP. Die korrespondierenden Schulden im Ausland – vor allem von Banken und Unternehmen – wurden vielfach in Auslandswährung aufgenommen. Der massive Verfall der türkischen Lira erschwert deren Bedienung erheblich. Für zehnjährige türkische Staatsanleihen müssen mittlerweile weit mehr als 20 Prozent an Zinsen gezahlt werden. Das belastet den Haushalt, der ohnehin defizitär ist. Ist ein Land mit einer Währungskrise konfrontiert, steht es – was seine wirtschaftspolitischen Handlungsoptionen anbelangt – vor einem Dilemma: Lässt man die Abwertung geschehen, heizen steigende Importpreise die Inflation (und ihre schädlichen Auswirkungen auf Verteilung und Wachstum) weiter an. Stemmt man sich dagegen, erfordert dies den Verkauf von Devisenreserven, die allerdings endlich sind, oder eine Erhöhung der Zinsen, die eine Rezession auslösen kann.

Im Fall der Türkei sind sich die Beobachter recht einig. Was es braucht, um die Krise halbwegs einzudämmen, sind deutliche Zinsanhebungen – um die Lira wieder attraktiver zu machen – sowie einen Hilfskredit vom IWF. Erstere hat die türkische Notenbank Mitte September endlich geliefert. IWF-Hilfen würden das Vertrauen der Investoren stärken, weil sie regelmäßig an wirtschaftspolitische Reformen geknüpft werden. Präsident Erdogan lehnt IWF-Kredite allerdings ab (höhere Zinsen übrigens auch).

Schwelt die Krise weiter, stellt sich die Frage nach den Auswirkungen über das Land hinaus. Effekte können über den Handels- und den Finanzkanal transportiert werden. Zum Ersten: Fällt die Türkei in eine Rezession, kann sie weniger importieren und damit Handelspartner weniger exportieren. Zum Zweiten: Vor allem südeuropäische Banken sind in der Türkei engagiert. Sie könnten Probleme bekommen, wenn sie Kredite abschreiben müssen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass andere Schwellenländer in den Sog der Krise geraten, indem internationale Investoren sie in Sippenhaft nehmen. Wie eigentlich immer droht über den Finanzkanal vergleichsweise mehr Ungemach als über den Handelskanal. Gleichwohl ist Panikmache nicht angezeigt. Denn einerseits ist das globale Gewicht der Türkei einfach zu gering und andererseits ihre Krise zu hausgemacht.

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