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16.05.2018

Währungseinflüsse

Angesichts der aktuellen Handelsstreitigkeiten werden Erinnerungen wach. Es war im September 2010, als der damalige Finanzminister von Brasilien vor einem internationalen Währungskrieg warnte. Die amerikanische Notenbank hatte soeben eine neue Runde ihrer expansiven Geldpolitik angekündigt, ein Dollar kostete nur noch rund 1,7 Real. Der Vorwurf lautete, die USA und andere vornehmlich Industrieländer schwächten ihre heimischen Währungen, um Exporte billiger und Importe teurer zu machen. Brasilien und weitere Schwellenländer hätten das Nachsehen, weil ihre Währungen entsprechend aufwerteten – mit Nachteilen für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Heute müssen für einen Dollar wieder fast 3,3 Real bezahlt werden. Einen fulminanten Aufschwung hat die starke Abwertung der brasilianischen Währung dem Land aber nicht beschert. Was heißt das grundsätzlicher für den Zusammenhang zwischen dem Kurs einer Währung und dem Wirtschaftswachstum des entsprechenden Landes? Bringt eine Abwertung möglicherweise gar nicht die erhofften Vorteile?

Eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – der, wenn man so will, Zentralbank der Zentralbanken – kommt hier zu einem interessanten Resultat. Nämlich: Eine aufwertende Währung kann die Wirtschaftsaktivität durchaus stimulieren, und eine abwertende Währung kann sie bremsen. Für insgesamt 44 Volkswirtschaften, die Hälfte davon Schwellenländer, wurde untersucht, wie sich Änderungen der Wechselkurse auf Ex- und Importe (Handelskanal) sowie auf Verfügbarkeit und Konditionen von Krediten (Finanzierungskanal) auswirken. Dabei kam heraus, dass eine Abwertung den Handelssaldo verbessert und so (wie im Lehrbuch) zum Wirtschaftswachstum beiträgt. Gleichzeitig ist aber auch ein gegenläufiger Effekt über sich verschlechternde Finanzierungsbedingungen am Werk.

Wenn die Notenbanken in den Industrieländern, allen voran die amerikanische Fed, die geldpolitischen Zügel lockern, dann verbessert sich nicht nur hier das Finanzierungsumfeld, sondern weltweit. Kredite in Dollar sind leichter zu haben, der Risikoappetit internationaler Anleger nimmt zu, die Preise von Vermögenswerten steigen, was es wiederum leichter macht, Sicherheiten zu stellen. Auf der Suche nach höheren Renditen wird Kapital von den reichen in die Schwellenländer verschoben. Letztere profitieren dann von den günstigeren Investitions- und Finanzierungsbedingen, obwohl ihre Währungen aufgewertet werden. Die Wirkungskette gilt aber eben auch in umgekehrter Richtung.

Laut BIZ-Studie dominiert in den betrachteten Industrieländern der Handelseffekt. Das heißt: Eine Währungsabwertung befördert das Wachstum, und eine Aufwertung drosselt es. In 13 der 22 Schwellenländer schlug unterm Strich allerdings der Finanzierungseffekt stärker zu Buche, sodass eine schwächere Währung das Wirtschaftswachstum hier ausbremst und eine stärkere es stimuliert.

Für die Schwellenländer sind das recht ernüchternde Ergebnisse. Denn man kann sich im Abschwung nicht auf Impulse durch eine abwertende Währung verlassen. Noch ungünstiger: In der Krise wirkt der Wechselkurs nicht unbedingt stabilisierend, sondern kann eine Abwärtsspirale über den Finanzierungskanal noch verstärken.

 

 

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