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31.10.2018

Zölle

US-Präsident Donald Trump hat mal geäußert, Zölle würden sein Land viel reicher machen, als es heute ist. Anbei ein paar grundsätzliche Anmerkungen zu Zöllen, die seine Behauptung allerdings nicht eben stützen.

Im Schlaglicht beschäftigt sich der ZVEI jeden Monat mit aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

Zölle haben große Ähnlichkeiten mit Umsatzsteuern. Sie treiben einen Keil zwischen den Preis (importierter) Güter, den die Käufer bezahlen müssen, und den Erlös, welchen die (ausländischen) Verkäufer erhalten. Die Differenz fließt an den Staat. So werden manche – eigentlich für beide Seiten lohnenden – Transaktionen vereitelt. Zölle auf einzelne Waren lenken die Konsumenten zulasten ausländischer Anbieter (die sie eigentlich präferieren) hin zu inländischen Produzenten. Werden Zölle dagegen breitflächig eingeführt, sind die Konsequenzen schon nicht mehr so klar, weil etwaige Wechselkursveränderungen ihre Effekte in einem gewissen Maß aufheben können.

Im Unterschied zu Steuern diskriminieren Zölle danach, wo die Produkte hergestellt worden sind. Zudem sind sie meist umständlicher, indem verschiedenste Waren mit den unterschiedlichsten Zollsätzen belegt werden. Auch werden Lobbyaktivitäten befördert, weil bestimmte Gruppen durch Zölle Schutz vor Importkonkurrenz suchen oder Ausnahmen für sich erwirken wollen. Das birgt die Gefahr, dass der Staat zum Spielball von Einzelinteressen wird.

Selbstschädigend sind Zölle ferner insoweit, als das Ausland zu Vergeltungsmaßnahmen provoziert wird. Diese treffen dann die heimischen Exporteure. Eine Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn-Spirale verbreitet Unsicherheit, die bekanntlich immer schlecht fürs Geschäft ist, nicht zuletzt für Investitionen. Die verzerrenden Effekte von Zöllen unterminieren die Produktivität der Volkswirtschaft. Auch wenn es mit expansiver Geld- und Fiskalpolitik gelingen sollte, die gesamtwirtschaftliche Beschäftigung trotz Handelsbarrieren aufrecht zu halten, kommt es zu Verschiebungen: Durch Zölle geschützte Bereiche ziehen Arbeit und Kapital aus anderen Sektoren ab. Dass amerikanische Stahlfirmen von 25 Prozent hohen Zöllen auf importierten Stahl angetan sind, liegt auf der Hand. Das Nachsehen haben aber stahlverarbeitende Firmen weiter entlang der Wertschöpfungskette sowie deren Kunden. Für sie wird es teurer.

Gibt es auch Argumente für Zölle? Zugegebenermaßen, ja. So kann es für Entwicklungsländer administrativ bedeutend einfacher sein, Zölle einzusammeln statt Steuern, weil es dazu weniger Infrastruktur (etwa nur Häfen) bedarf. Die Ukraine generiert ein Drittel ihrer Einnahmen über Zölle, Deutschland gerade einmal um die ein bis zwei Prozent. Zölle können eine im Aufbau befindliche Volkswirtschaft (die erst noch zu Wettbewerbern aufschließen muss) davor bewahren, mit Importen aus dem Ausland überschwemmt zu werden. Der vorübergehende Schutz hilft dann mitunter auch, grundsätzlich politische Unterstützung für Freihandel und offene Märkte zu mobilisieren.

Freilich sollte man es mit dem gutgemeinten Protektionismus nicht übertreiben. Denn in aller Regel ist die laute Gruppe an profitierenden Befürwortern um Längen kleiner als die stille Masse derjenigen, die von Zöllen negativ betroffen sind.

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