Märkte & Recht – Konjunktur & Analysen ZVEI RSS-Feed de-DE ZVEI 60 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/rss-maerkte-recht-konjunktur-analysen <![CDATA[Rohstoffe]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/rohstoffe <![CDATA[Nun stehen die Rohstoffmärkte seit einiger Zeit erneut im Blickpunkt. Dem einschlägigen Index von Dow Jones zufolge sind die Preise hier bis zur Mitte dieses Jahres um etwa 70 Prozent gegenüber Vorjahr gestiegen. Seitdem gleicht ihre Entwicklung einer ziemlichen Achterbahnfahrt. Manche Materialien – wie etwa Lithium – haben sich weiter verteuert, andere – z.B. Eisenerz oder Holz – sind dagegen wieder preiswerter geworden. Aber anders als vor zwei Jahrzehnten lässt sich ein singulärer treibender Faktor diesmal nicht wirklich ausmachen. Stattdessen sind sowohl Angebot als auch Nachfrage natürlicher Ressourcen von einer ganzen Serie an Schocks betroffen, die zudem in kaum abschätzbarer Weise ineinanderwirken. Grob stechen dabei drei Einflüsse heraus. Erstens ist da die weltweit sehr ungleiche Erholung von der Corona-Pandemie (welche die Nachfrage ja ohnehin schon massiv weg von kontaktintensiven Dienstleistungen hin zu Waren, für die es Rohstoffe als Input braucht, verschoben hatte). China kam schnell und als erstes wieder in Tritt, sieht sich inzwischen aber auch mit Rückschlägen konfrontiert. In den USA hat die Fiskalpolitik den Aufschwung befeuert. Erst gab es Sorgen vor einer Überhitzung, dann vor der Delta-Variante sowie Materialknappheiten und Lieferschwierigkeiten. Letztere treiben auch Europa um. Ärmere Länder hinken bei der Erholung hinterher, weil ihnen Impfstoffe fehlen. Das alles führt immer wieder zu Nachfragespitzen, die auf Angebotsengpässe, unterbrochene Lieferketten und logistische Probleme stoßen. So ist beispielsweise der Preis für Kupfer nicht nur wegen der wieder erstarkten Nachfrage gestiegen, sondern auch aufgrund von Mienenschließungen in Südamerika. Dass der Ölpreis Ende September zum ersten Mal seit drei Jahren wieder über 80 Dollar lag, hat ebenfalls nicht allein nachfrageseitige Gründe. Daneben zeigt sich die OPEC derzeit auffallend diszipliniert, verabredete Quoten auch tatsächlich einzuhalten; und die amerikanische Fracking-Industrie steigert ihre Produktion nicht. Stattdessen zahlt sie Schulden zurück. Der Preis für Palladium, das in Katalysatoren verwendet wird, ist im September um ein Viertel gesunken, weil der Mangel an Mikrochips die Autoherstellung ausbremst. Zum zweiten erhöht die grüne Transformation den Bedarf an Ressourcen, die etwa für Wind- oder Solarfarmen gebraucht werden. Weil Gas als Brücke für den Übergang von den dreckigsten auf die saubersten Energieträger dient, wird sein Preis derzeit mitgepusht. Der Preis von für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge benötigtes Lithium hat sich allein im September um ein Fünftel erhöht. Schließlich bedingt der Klimawandel Extremwetterereignisse. So hat Schnee in Brasilien den Kaffeepreis hochschnellen lassen oder der Hurrikan Ida die Öl- und Gasproduktion im Golf von Mexiko blockiert. Drittens vernebeln geopolitische Spannungen die (Aus-)Sicht. Weil Australien eine Untersuchung der Ursprünge des Coronavirus wollte, hat China den Import von Rohstoffen aus dem Land limitiert. Russland wird vorgeworfen, seine Gasexporte nach Europa strategisch einzuschränken, um die umstrittene Pipeline zu befördern. Seit Mitte August ist der europäische Gaspreis um mehr als 80 Prozent gestiegen. Wie lange die angespannte Lage an den Rohstoffmärkten andauern wird, weiß letztlich niemand. Auf jeden Fall ist sie hartnäckiger, als zunächst gedacht, und dürfte sich auch ins nächste Jahr hinziehen. Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 25 Nov 2021 07:50:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/rohstoffe3209115 <![CDATA[Geschäftsklima in der deutschen Elektroindustrie]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/geschaeftsklima-in-der-deutschen-elektroindustrie <![CDATA[Der monatliche ifo-Konjunkturtest betrachtet auch die Elektroindustrie. © imageteam - Fotolia.comDer monatliche Konjunkturtest des Münchener ifo Instituts für Wirtschaftsforschung umfasst zwölf Standardfragen sowie regelmäßige Sonderfragen zu aktuellen Themen. Alle Ergebnisse aus dem ifo-Konjunkturtest finden Sie auch in unserer Online-Datenbank ELVIRA (der Zugriff ist für ZVEI-Mitglieder kostenlos). Hier können sowohl die Ergebnisse für die Elektroindustrie und ihre Teilbranchen als auch für alle weiteren Wirtschaftszweige des Verarbeitenden Gewerbes als lange Zeitreihen recherchiert werden. Geschäftsklima Oktober 2021]]> Mon, 08 Nov 2021 11:14:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/geschaeftsklima-in-der-deutschen-elektroindustrie1512 <![CDATA[USA versus China]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/usa-versus-china <![CDATA[Die Gewichtsverlagerung Richtung China zeigt sich vor allem auch im internationalen Handel. Im Jahr 2000 waren die USA noch für 81 Prozent der Länder dieser Erde der größere von beiden Handelspartnern. Zwanzig Jahre später haben sich die Verhältnisse fast ins komplette Gegenteil verkehrt. So machten 2020 bereits 70 Prozent aller Länder mehr Ex- und Importgeschäft mit China als mit den USA (s. Grafik). Auch aus Sicht der deutschen Elektroindustrie hat die Bedeutung Chinas seit der Jahrtausendwende enorm zugenommen. Im Jahr 2000 beliefen sich die aggregierten Branchenausfuhren in die Volksrepublik erst auf 2,5 Milliarden Euro. Damals standen sie für weniger als zweieinhalb Prozent aller Elektroexporte und nahmen im Abnehmer-Ranking die Position 14 ein. Die Ausfuhren in die USA lagen 2000 bei 8,9 Milliarden Euro. Das waren gut acht Prozent der gesamten Auslandslieferungen. In der Liste der größten Abnehmer belegten die Vereinigten Staaten vor zwei Jahrzehnten Rang drei. Im vergangenen Jahr 2020 waren die Exporte der heimischen Elektrobranche nach China 23,3 Milliarden Euro hoch. Die Ausfuhren in die USA – von 17,3 Milliarden Euro – übertrafen sie damit bereits um sechs Milliarden. Während die Lieferungen in die USA heute immer noch achteinhalb Prozent aller deutschen Elektroexporte ausmachen, hat sich der Anteil der Ausfuhren nach China auf fast zwölf Prozent verfünffacht. Im Ranking steht China kaum mehr einholbar an Nummer eins; die USA sind Zweiter.Auf der Importseite ist die heutige Dominanz Chinas nochmals größer. Von den gesamten Elektroerzeugnissen im Wert von 189,9 Milliarden Euro, die Deutschland 2020 eingeführt hat, kamen 54,9 Milliarden aus der Volksrepublik. Das waren knapp 30 Prozent! Auch hier liegen die Vereinigten Staaten auf dem zweiten Platz. Allerdings machten die Importe aus den USA mit 10,9 Milliarden Euro im letzten Jahr weniger als ein Fünftel der entsprechenden Elektroeinfuhren aus China aus. Was für die Elektroindustrie insgesamt zutrifft, gilt letztlich auch für ihre vielen Fachbereiche. Im Jahr 2000 waren die USA noch für 94 Prozent aller Fachzweige der größere von beiden Exportabnehmern. 2020 stand es dagegen fifty-fifty. Nimmt man die Einfuhren hinzu und betrachtet den kompletten Außenhandel, so hat sich das Blatt hier ebenfalls gedreht. Bezogen auf das jeweilige Produktspektrum wurden in zwei Dritteln der Fachbereiche der deutschen Elektrobranche 2000 wertmäßig noch mehr Güter mit den USA gehandelt als mit China. Im Jahr 2020 traf dies gerade einmal noch auf fünf Prozent der Fachzweige zu. In 95 Prozent der Fachbereiche war die Volksrepublik im vergangenen Jahr der größere Handelspartner.   Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 28 Oct 2021 10:48:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/usa-versus-china3208972 <![CDATA[CO2-Grenzausgleich]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/co2-grenzausgleich <![CDATA[Vorschlägen der EU-Kommission zufolge sollen die Ausnahmen künftig nach und nach wegfallen und dafür ein CO2-Grenzausgleichsmechanismus eingerichtet werden. Auf CO2-intensive Importe würden dann Abgaben fällig, wenn die im Ausland hergestellten Produkte dort keiner oder einer niedrigeren CO2-Bepreisung unterliegen als in der EU. Faktisch käme die Grenzausgleichssteuer einem Zoll gleich. Schätzungen zufolge soll der neue Mechanismus die Emissionen in den einschlägigen Sektoren (wie Aluminium, Düngemittel, Stahl, Zement) bis 2030 um zusätzliche 14 Prozent reduzieren. Allerdings würden auch die Importe um zwölf Prozent sinken – weil Zölle nun mal den Handel dämpfen. Zwar wäre der Grenzausgleich aus rein umweltökonomischer Perspektive durchaus nachvollziehbar. So dient der CO2-Preis in der EU ja der Internalisierung externer Effekte. Wird diese aber durch CO2-intensive Importe aus dem Ausland unterminiert, ist fürs weltweite Klima unterm Strich nicht wirklich etwas gewonnen. Der Zoll schaffte Anreize für ausländische Produzenten, die ihre Waren in der EU verkaufen wollen, ebenfalls mehr CO2 einzusparen. Der Mechanismus könnte internationales Vorbild werden und Nachahmer im Ausland finden. Die eigentlichen Probleme der Grenzausgleichssteuer liegen woanders. So dürfte es zum einen äußerst komplex – und also nur mit hohem bürokratischem Aufwand möglich – sein, den tatsächlichen CO2-Gehalt betroffener Importe zu verifizieren. Die Einnahmen von neun Milliarden Euro, die 2030 schätzungsweise generiert werden könnten, sind nun auch nicht besonders hoch.  Die größte Gefahr aber besteht darin, dass Länder wie die USA, China, die Türkei oder Russland, die viele vergleichsweise CO2-intensive Produkte in die EU ausführen, den Grenzausgleich nicht als umweltökonomisches Instrument interpretieren, sondern als handelspolitisches Hindernis. Wenn sie darauf ihrerseits mit Zöllen und anderen Handelsbarrieren antworten, droht eine protektionistische Abwärtsspirale. Bei der WTO könnte es Beschwerden gegen den EU-Mechanismus hageln. Australien und Indien haben bereits durchblicken lassen, dass sie ihn für diskriminierend und regressiv halten. Auch könnte es weitere unbeabsichtigte Konsequenzen geben. So musste Kalifornien, das tatsächlich einen Grenzausgleichsmechanismus für seinen Elektrizitätsmarkt eingeführt hat, erleben, wie Firmen, die in den Bundesstaat exportieren, einfach ihre Produkte umgeschichtet haben – die grünsten aus dem Portfolio wurden jetzt nach Kalifornien geliefert und die weniger sauberen woanders hin. Und was ist eigentlich, wenn etwa ein europäischer Fahrzeughersteller nicht mehr von der Grenzausgleichssteuer erfassten Stahl importiert, sondern gleich die Karosserie, die nicht unter das Regime fällt? Was es idealerweise bräuchte, ist einen globalen CO2-Preis. Solange ein solcher nicht implementiert ist, wird es immer Anreize geben, CO2-intensive Produktion dorthin zu verlagern, wo Emissionen am wenigsten kosten. Wenn die Diskussion um den Grenzausgleich das Bewusstsein hierfür schärfen hilft, wäre das immerhin ein wichtiger Schritt. Dr. Andreas Gontermann]]> Tue, 28 Sep 2021 08:36:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/co2-grenzausgleich3208892 <![CDATA[Europäische Gemeinschaftswährung]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/europaeische-gemeinschaftswaehrung <![CDATA[So wurde der Euro bis 2007 die beliebteste Valuta, wenn es darum ging, sich in Fremd¬währung zu verschulden. Mit der Finanzkrise und der darauffolgenden Euro-Schuldenkrise war es mit den Ambitionen der Gemeinschaftswährung dann allerdings schlagartig vorbei. Unter internationalen Investoren fand schnell eine Rückbesinnung auf den Dollar statt. Erinnerlich stand zwischenzeitlich sogar die Existenz der europäischen Einheitswährung auf dem Spiel. Heute sehen die Verhältnisse wie folgt aus: Der Euro ist in insgesamt 19 Staaten gesetzliches Zahlungsmittel. Zwar koppeln rund zwei Dutzend weiterer Länder ihre eigenen Währungen in der einen oder anderen Form an den Euro, und wertmäßig zirkulieren zwischen einem Drittel bzw. der Hälfte aller Euro-Banknoten außerhalb des Währungsgebiets. Aber was die Anteile an den globalen Währungsreserven sowie grenzüberschreitenden Krediten anbelangt, kommt der Euro jeweils nur auf ein Fünftel, wohingegen der Dollar es auf Quoten von je 60 Prozent bringt. Immerhin liegt der Euro im internationalen Zahlungsverkehr fast gleichauf. Hier bewegt sich sein Anteil knapp unter 40 Prozent und der des Dollars etwas darüber. Rohstoffe – vor allem Öl – werden dagegen in der US-Währung fakturiert. Allerdings könnten zwei aktuelle Entwicklungen die relative Bedeutung des Euro in der Welt wieder stärken. Zum einen ist da der Schwenk in der US-Außenwirtschaftspolitik, den Präsident Trump losgetreten hatte. Seine Zölle und Sanktionen haben viel Vertrauen gekostet und sehr deutlich gezeigt, wie verwundbar die Abhängigkeit vom Dollar macht. Man denke nur an die amerikanischen Sanktionen gegen Iran, welche die Europäer damals nicht wollten, letztlich aber doch befolgen mussten. Wer kann sich gegenwärtig schon erlauben, den Zugang zum amerikanischen Markt und Finanzsystem aufs Spiel zu setzen? Zweiter Faktor ist die Corona-Pandemie, oder besser: die Reaktion darauf. Anders als nach der Finanzkrise haben diesmal – neben der EZB – auch die Regierungen der Eurozonenländer schnell und angemessen reagiert. Mehr noch: Mit dem europäischen Wideraufbaufonds wurde ein Instrument geschaffen, für das die Mitgliedsstaaten jetzt erstmals mit Gemeinschaftsschulden einstehen und damit auch fiskalisch etwas näher zusammenrücken. An den Kapitalmärkten kommt das gut an, was dem Euro wieder mehr Glaubwürdigkeit und Vertrauen gebracht hat. Freilich bleiben Hindernisse. So ist die Begebung von Gemeinschaftsanleihen auf das Next-Generation-EU-Projekt beschränkt und damit (bis 2026) befristet. Anlegern, die in EU-Bonds investieren wollen, steht ein Emissionsvolumen von weniger als einer Billion Euro zur Verfügung – verglichen mit 20 Billion Dollar an ausstehenden US-Anleihen. Der Weg zu einer wirklichen Fiskalunion bleibt weit, wenn er denn überhaupt gewollt werden wird. Auch Banken- und Kapitalmarktunion sind lange nicht vollendet. Insoweit bleibt eine neuerliche Euro-Krise stets im Bereich des Möglichen. Der Euro wird den Dollar sicherlich nicht als Welt-Reservewährung ablösen. Er könnte aber dazu beitragen, das globale Finanzsystem insgesamt besser auszubalancieren (Stichwort: Diversifizierung). Das wäre dann auch eine Art Rückkehr zur Norm vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals herrschte ein System multipler Währungen vor, in dem Dollar, Pfund und französischer Franc gemeinsam dominierten.   Dr. Andreas Gontermann]]> Tue, 17 Aug 2021 08:39:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/europaeische-gemeinschaftswaehrung3208760 <![CDATA[ZVEI-Welt-Elektromarkt – Ausblick Automation bis 2022]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/zvei-welt-elektromarkt-ausblick-automation-bis-2022 <![CDATA[Bei allen Unterschieden, die sich in den Vorhersagen für die insgesamt 35 im ZVEI-Welt-Elektromarkt Automation enthaltenen Einzelländermärkte widerspiegeln, haben die Länderprognosen doch eines gemein: Das positive Vorzeichen. Allen betrachteten Ländermärkten werden Zuwächse in diesem wie auch im nächsten Jahr vorausgesagt. Dabei sind die länderspezifischen Entwicklungen neben dem jeweiligen Potenzialwachstum vor allem auch von der Höhe der entsprechenden 2020er Rückgänge und den damit verbundenen Basiseffekten geprägt. So dürften innerhalb Europas z.B. die Automationsmärkte in Frankreich und Italien (beide +12 %) 2021 zwar stärker expandieren als der chinesische Markt (+10 %). Erstere waren 2020 aber auch zweistellig eingebrochen, während letzterer trotz Corona-Pandemie noch um 5 % zulegen konnte. Insgesamt baut der chinesische Markt seine Stellung an der Spitze der Ländermärkte weiter aus. Nach einem vorausgesagten Anstieg in Höhe von 8 % im nächsten Jahr könnte das dortige Marktvolumen dann 296 Milliarden Euro betragen und für einen Anteil von fast 47 % am globalen Markt stehen. Der Abstand zum zweitplatzierten US-Markt dürfte damit weiter zunehmen, wenngleich der ZVEI auch für die USA von einer dynamischen Erholung um 9 % 2021 und einem Plus von 6 % auf 79 Milliarden Euro im Jahr 2022 ausgeht. ]]> Thu, 05 Aug 2021 08:30:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/zvei-welt-elektromarkt-ausblick-automation-bis-20223208769 <![CDATA[Wirtschaftswachstum: USA versus Europa]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/wirtschaftswachstum-usa-versus-europa <![CDATA[Mit der Finanzkrise kam der Bruch. Seitdem fällt das Wirtschaftswachstum in Europa chronisch schwächer aus als in den USA. Kurz vor Ausbruch der globalen Corona-Pandemie lag das BIP der EU lediglich um zwölf Prozent höher als 2007, in den Vereinigten Staaten dagegen um 22 Prozent. Die 2020er Rezession fiel in der EU mit einem Minus von mehr als sechs Prozent fast doppelt so heftig aus wie in den USA, wo die Wirtschaftsleistung um dreieinhalb Prozent zurückging. Auch die Erholung in diesem sowie im nächsten Jahr dürfte in Amerika insgesamt kräftiger daherkommen als in Europa. So sollte die US-Wirtschaft 2021 um über sechs Prozent und damit ganze zwei Prozentpunkte mehr zulegen können als die der Europäischen Union. Kaufkraftbereinigt lagen die Sozialprodukte in der EU und den USA im Jahr 2000 noch in etwa gleichauf. Anfang 2021 war das BIP in Europa nach dieser Messlatte dann aber sieben Prozent kleiner als in Amerika. Dass die EU den USA beim Wachstum hinterherhinken müsste, ist dabei alles andere als in Stein gemeißelt. Denn weil Europa sowohl politisch wie wirtschaftlich als auch kulturell weniger integriert ist als Amerika, liegt hier eigentlich noch großes Potenzial. So beträgt etwa das Pro-Kopf-BIP in Bulgarien, dem ärmsten EU-Land, gerade einmal ein Viertel des Niveaus in Mississippi, dem Schlusslicht unter den US-Bundesstaaten. Allerdings wächst die europäische Bevölkerung nicht nur langsamer als die amerikanische, sie altert auch schneller. Von 2016 bis 2020 sind die Bruttoanlageinvestitionen in den USA um ein Prozent p.a. gestiegen. Das ist nicht viel, aber in der EU waren sie rückläufig. Das US-Produktivitätswachstum liegt höher als das in Europa. Zudem legen Krisen immer wieder offen, dass die makroökonomischen Institutionen in der EU weiterhin unzulänglich sind. Schließlich tun die USA fiskalpolitisch einfach mehr als die Europäer – obgleich die Staatsschuldenquote in den USA deutlich höher ist als in der zusammengenommenen EU. Die bisherigen amerikanischen Hilfspakete zur Bewältigung der Corona-Krise – etwa drei Billionen Dollar im Frühjahr 2020, eine Billion Dollar im Dezember 2020 und zwei Billionen Dollar im März 2021 – beliefen sich auf gut ein Viertel des Sozialprodukts. Und weitere Pakete für Infrastruktur, Familien und Soziales sind bereits geplant. Im Gegensatz dazu nehmen sich die Mittel des EU-Wiederaufbaufonds vergleichsweise bescheiden aus. Mit 750 Milliarden Euro entsprechen sie nur sechs Prozent des 2020er BIPs. Die Auszahlung der Gelder – in Form von Zuschüssen und Krediten – ist an Auflagen gebunden. Zudem soll sie schwerpunktmäßig erst in den Jahren 2023 und 2024 erfolgen. Ende 2022 dürfte erst ein Viertel der Mittel verteilt sein. Das birgt auch die Gefahr, dass die Hilfen letztlich prozyklisch wirken könnten. In Deutschland hat sich kürzlich wieder einmal das Bundesverfassungsgericht mit dem gesamteuropäischen Hilfskonstrukt beschäftigen müssen. Das ruft in Erinnerung, dass es nach wie vor keinen wirklichen Konsens darüber gibt, wie weit die fiskalpolitische Integration in Europa am Ende eigentlich gehen soll.      Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 24 Jun 2021 08:39:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/wirtschaftswachstum-usa-versus-europa3208568 <![CDATA[ZVEI-Benchmarking]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/zvei-benchmarking <![CDATA[F&E-Aufwendungen der deutschen Elektroindustrie (Mai 2021) Die Publikation beschäftigt sich mit den Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der deutschen Industrie insgesamt und insbesondere mit denen der heimischen Elektroindustrie (mit Blick auch auf die dort Beschäftigten und die F&E-Intensität im Branchenvergleich).  Innovationskennzahlen und Patente der deutschen Elektroindustrie (Apr. 2021) Diese Publikation stellt die Innovationskraft der deutschen Elektroindustrie anhand von  Kennziffern zum Innovationsverhalten (Innovationsaufwendungen, Innovationsintensität, Innovatorenquote, Umsatz mit neuen Produkten) und Patenten (Elektropatente in Deutschland und weltweit) dar.  Jahresabschlusskennzahlen (Jan. 2021) Die Erhebung untersucht 30 Kennziffern aus Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung. Sie ermöglicht Benchmarking mit den für die jeweils relevante(n) Referenzgruppe(n) ermittelten Vergleichswerten. Teilnehmer der Umfrage erhalten zusätzlich differenzierte Ergebnisse mit über 35 Sonderauswertungen. Die deutsche Elektroindustrie im EU-Vergleich (Okt. 2020) Die Broschüre beinhaltet einen Vergleich der Elektroindustrien von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Polen anhand von Marktgröße, Außenhandel, Produktion, Beschäftigte und Umsatz. F&E, Innovationen, Patente, MINT-Kräfte und Investitionen der deutschen Elektroindustrie im Branchenvergleich (Jun. 2019) In der Broschüre wird die deutsche Elektroindustrie mit dem Maschinenbau, der Chemischen Industrie, dem Fahrzeugbau und dem Verarbeitenden Gewerbe anhand von zahlreichen Kennzahlen zu F&E, Innovationen, Patenten, MINT-Kräften und Investitionen verglichen. Kommunikationskosten (Dez. 2018) Die Umfrage ermittelt den Anteil des Kommunikationsbudgets am Umsatz sowie den jeweiligen Anteil von mehr als zehn Instrumenten an diesem Budget. Sie ermöglicht Benchmarking mit den für die jeweils relevante(n) Referenzgruppe(n) ermittelten Vergleichswerten. Teilnehmer der Umfrage erhalten zusätzlich differenzierte Ergebnisse mit über 20 Sonderauswertungen. Die deutsche Elektroindustrie im weltweiten Vergleich (Okt. 2018) In dieser Publikation wird die deutsche Elektroindustrie den Elektrobranchen Chinas, Japans, Südkoreas und der USA in Bezug auf Merkmale wie Produktion, Marktvolumen, Zahl der Beschäftigten oder Exporte gegenübergestellt. Die deutsche Elektroindustrie im nationalen Branchenvergleich (Mai 2017) Der intersektorale Branchenvergleich mit dem Maschinenbau, der Chemischen Industrie, der Automobilindustrie sowie dem Verarbeitenden Gewerbe insgesamt wird anhand von Merkmalen wie Weltmarktgröße, Umsatz, Zahl der Beschäftigten, Produktivität, Wertschöpfung oder Forschung & Entwicklung vorgenommen.]]> Fri, 21 May 2021 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/zvei-benchmarking1894 <![CDATA[Chinas Fünf-Jahres-Plan]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/chinas-fuenf-jahres-plan <![CDATA[Zwar erinnert einen die Bezeichnung immer ein wenig an vergangene Sowjet-Zeiten, allerdings dürfte die Bedeutung dieser Pläne kaum zu überschätzen sein, legen sie doch Ziele fest, welche die Funktionäre künftig abzuleisten haben. Etliche Ziele werden quantifiziert. So sollen etwa die Aufwendungen für Forschung & Entwicklung in den nächsten fünf Jahren jeweils um mindestens sieben Prozent steigen. 65 Prozent der Bevölkerung sollen bis 2025 in Städten leben – Ende 2019 waren es 61 Prozent. Oder der Ausstoß an CO2 pro BIP-Einheit soll zwischen 2021 und 2025 um 18 Prozent gesenkt werden. Was allerdings auffallend fehlt, ist ein numerisches Ziel für das Wirtschaftswachstum – früher regelmäßig Herzstück der Pläne. Stattdessen wird formuliert, man lege die jährlichen Wachstumsziele nunmehr in Abhängigkeit der jeweiligen Umfeldbedingungen fest. Angesichts von Unsicherheiten, ab wann eine wirklich nachhaltige Erholung von der Pandemie – auch im Rest der Welt – tatsächlich einsetzt, oder wie sich der Systemstreit mit den USA weiterentwickelt, möchte sich China hier womöglich nicht zu sehr binden. Umso vielsagender sind die Beschreibungen, wie das Wachstum künftig aussehen sollte. Dabei nimmt die so genannte „Strategie der dualen Kreisläufe“ von Staatspräsident Xi eine zentrale Stellung ein. Zum einen will China freilich weiter international Handel treiben und seinen Anteil an den globalen Exporten verteidigen. Bereits heute trägt das Land fast 30 Prozent zur weltweiten Industrieproduktion bei – so viel wie Amerika, Japan und Deutschland zusammen. Zum anderen aber soll vor allem die Binnenwirtschaft bedeutend gestärkt werden. Abhängigkeiten vom Ausland will das Land reduzieren und sich so autarker machen. Zwar wird das in 2015 formulierte Made-in-China-2025-Programm – mit dem staatliche bzw. staatlich subventionierte Unternehmen eine dominante Stellung bei Schlüsseltechnologien erreichen sollen – in dem jüngsten Plan so explizit nicht mehr genannt, allerdings bleiben seine Elemente bestehen, etwa Investitionen in Elektromobilität oder Robotik. Sieben Grenztechnologien werden als essenziell für die weitergehende Entwicklung sowie nationale Sicherheit der Volksrepublik identifiziert, darunter Halbleiter, künstliche Intelligenz und Quantencomputer. Kritische Teile der Liefer- und Wertschöpfungskette sollen im Land gehalten werden. Dazu will man die Infrastruktur weiter ausbauen. So ist beispielsweise geplant, das Hochgeschwindigkeitsschienennetz innerhalb der nächsten 15 Jahre auf 70.000 Kilometer zu verdoppeln. Damit wäre es dann fast fünfmal länger als das der zusammengenommenen übrigen Welt. Der außenwirtschaftliche Kreislauf soll im Rahmen der dualen Strategie am Ende nur noch eine unterstützende Rolle für den Binnenkreislauf haben. Der Fünf-Jahres-Plan sieht auch mögliche Schwierigkeiten – zum Beispiel das Verhältnis der Schulden zum BIP. Es macht inzwischen fast 300 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Wie man es allerdings reduzieren will, wenn gleichzeitig mehr in Infrastruktur und Hightech investiert werden soll, bleibt offen. Gleiches gilt in Bezug auf Umweltfragen. China gelobt, bis 2060 CO2-neutral zu sein. Aber wie man dahin kommen will? Zwar ist von sauberem Gebrauch von Kohle die Rede, aber nicht davon, ob und wann man daraus aussteigen wird. Der zentralste Punkt des neuen Plans ist ganz offensichtlich ein Mehr an Autarkie. Diese wird man sich im Zweifel auch etwas – Wirtschaftswachstum – kosten lassen. Dr. Andreas Gontermann]]> Tue, 11 May 2021 13:37:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/chinas-fuenf-jahres-plan3208306 <![CDATA[US-Wirtschaftswachstum: Demokratische vs. republikanische Präsidenten]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/us-wirtschaftswachstum-demokratische-vs-republikanische-praesidenten <![CDATA[Eigentlich egal welchen Indikator man heranzieht – etwa das BIP, die Beschäftigung, die Einkommen, die Produktivität oder sogar die Aktienkurse –, unter demokratischer Präsidentschaft fiel das Wachstum in den letzten 90 Jahren regelmäßig deutlich höher aus als unter Führung eines Republikaners. Seit 1933 sind die USA mit einer jahresdurchschnittlichen Rate von mehr als viereinhalb Prozent gewachsen, wenn ein Demokrat im Weißen Haus saß. Unter republikanischen Präsidenten lag das Wachstum dagegen bei weniger als zweieinhalb Prozent. Wäre die Wirtschaft in den letzten neun Dekaden also stets mit der „demokratischen“ Rate gewachsen, läge das durchschnittliche Einkommen der Amerikaner heute mehr als doppelt so hoch, als es tatsächlich ist. Die Große Depression wurde bei der Betrachtung extra ausgeklammert, was die Republikaner letztlich noch etwas besser davonkommen lässt, denn damals präsidierte Hoover. Die sechs Präsidenten, unter denen die meisten neuen Jobs entstanden sind, waren allesamt Demokraten – Roosevelt, Johnson, Carter, Truman, Kennedy und Clinton. Die vier Staatsoberhäupter mit der schlechtesten Performance hier gehörten alle der republikanischen Partei an – Eisenhower, beide Bushs und Trump. Trump war übrigens der erste Präsident seit Hoover, in dessen Amtszeit tatsächlich Arbeitsplätze verloren gingen. Stellt sich die große Frage: Warum ist das so? Vielleicht einfach bloße Koinzidenz? So haben manche Präsidenten bei ihrem Einzug ins Weiße Haus einen Abschwung geerbt, andere einen Aufschwung, wieder andere mit steigenden oder sinkenden Rüstungsausgaben zu tun gehabt. Allerdings ist das Muster zu sehr ausgeprägt, als dass es nur am Zufall liegen sollte. Die jeweiligen Mehrheiten im Kongress scheiden als Erklärung aus. Unabhängig davon, welche Partei dort das Sagen hatte, lief die Wirtschaft unter demokratischen Präsidenten besser. Auch Staatsausgaben auf Pump helfen nicht weiter. Es ist mitnichten so, dass demokratische Präsidenten stets den Staatshaushalt immer tiefer in die Miesen geritten und dann die Konsolidierung den Republikanern überlassen hätten. In den letzten vier Jahrzehnten haben republikanische Präsidenten größere Defizite angehäuft als demokratische. Schon eher könnte eine andere Erklärung herhalten: mehr Pragmatismus auf Seiten der Demokraten. Indem diese eher bereit waren, Lehren aus vergangenen Krisen zu ziehen, auszu-probieren, was funktioniert und was nicht, und keynesianischer Konjunkturpolitik grundsätzlich aufgeschlossener gegenüberstanden, haben demokratische Präsidenten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten meist entschiedener agiert, um Wachstum und Jobs zu sichern. Im Gegensatz dazu hingen – überspitzt formuliert – ihre republikanischen Pendants öfters Theorien an, denen sie Glauben schenken wollten, allen voran den magischen Kräften von Steuersenkungen und Deregulierung. Es ist ja kaum übertrieben, dass sich die Wirtschaftspolitik der Republikaner seit den 1980er Jahren praktisch nur noch um Steuersenkungen dreht. Freilich würde niemand bestreiten, dass es Situationen gibt, in denen Steuersenkungen das Wachstum befördern können. Allerdings trifft das in erster Linie auf Länder mit hoher Steuerbelastung zu, wozu die USA aber nicht wirklich zählen. Nach Trumps großer Steuerreform 2017 ist die Wirtschaft nicht mehr und nicht weniger stark gewachsen als davor. Wie dem auch sei: Offensichtlich wachsen die USA unter demokratischen Präsidenten stärker als unter republikanischen. Aber warum genau das eigentlich so ist, bleibt am Ende ein Stück weit offen. Ein empirischer Fakt ist es trotzdem. Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 25 Mar 2021 08:19:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/us-wirtschaftswachstum-demokratische-vs-republikanische-praesidenten3208069 <![CDATA[Stichwort Globalisierung: Importsubstituierende Industrialisierung]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/stichwort-globalisierung-importsubstituierende-industrialisierung <![CDATA[Das hat allen voran den Schwellenländern dynamisches Wachstum beschert, indem sie sich in immer internationaler aufgestellte Liefer- und Wertschöpfungsketten einklinken und hier ihre Nischen finden konnten. Zwischen 1995 und 2019 hat sich das kaufkraftbereinigte reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in den Schwellenländern mehr als verdoppelt. In den Industrieländern legte es nur um gut zwei Fünftel zu. Seit der Finanzkrise ist der Offenheitsgrad der Weltwirtschaft allerdings rückläufig – und könnte es vorerst bleiben. Laut Internationalem Währungsfonds ist der Welthandel 2020 um zehn Prozent geschrumpft und damit deutlich stärker als die globale Wirtschaftsleistung (mit minus dreieinhalb Prozent). Vor dem Hintergrund von Handelsstreitigkeiten und zunehmendem Protektionismus, der Erfahrung von Lieferschwierigkeiten bereits in der ersten Welle der Corona-Pandemie sowie dem Streben nach mehr Souveränität und Autarkie erlebt nun eine industriepolitische Strategie eine Renaissance, die eigentlich schon beerdigt schien: die importsubstituierende Industrialisierung. Hier geht es im Kern darum, Industrieprodukte selbst herzustellen und nicht zu importieren bzw. die heimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Ironischerweise scheint nicht zuletzt China diesem Ansatz mehr und mehr angetan, obwohl das Land doch massiv von der Hyperglobalisierung und seiner Exportorientierung in den letzten drei bis vier Jahrzehnten profitiert hat. Indien fährt eine ganz ähnliche Kampagne. Weitere Schwellenländer könnten sich daran orientieren. Die Idee stammt aus den 1950er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte es vor allem in ärmeren Ländern an Devisen, mit denen man Importe hätte bezahlen können. Einfuhren durch heimische Produkte zu ersetzen, sollte dabei helfen, die Währungsbestände zu schonen. Zudem fürchtete man, Schwellen- und Entwicklungsländer könnten sich nur derart in die internationale Arbeitsteilung einbringen, indem sie sich auf einfachste Produkte spezialisierten, von denen sie dann aber nicht mehr wegkämen und folglich niemals zu den Industrieländern aufschließen würden. Allerdings haben viele Regierungen diese ökonomischen Überlegungen fehlinterpretiert bzw. politischem Opportunismus und spezifischen Interessen unterworfen und so als Begründung für rigideste protektionistische Maßnahmen genutzt, etwa Zollbarrieren hochgezogen. Länder – vor allem in Lateinamerika – die auf die Strategie importsubstituierender Industrialisierung gesetzt haben, fielen alsbald deutlich hinter andere Staaten zurück, die stattdessen eine Politik der Exportorientierung betrieben – wie die asiatischen Tigerstaaten. Freilich haben auch die Regierungen letzterer teils heftig in ihre Volkswirtschaften interveniert, aber letztlich hat der ausländische Wettbewerb hier Effizienz- und Produktivitätssteigerungen, Innovationen und technologischen Fortschritt befördert. Es bräuchte schon einen sehr großen Binnenmarkt, um mit einem Ansatz der Importsubstituierung strategische Ziele wie mehr Autarkie und Unabhängigkeit vom Weltmarkt zu erreichen, ohne gleichzeitig den für technischen Fortschritt und wirtschaftlichen Wohlstand notwendigen Wettbewerbsdruck im Inland zu untergraben. China mag diese Größe haben, die Mehrzahl anderer Schwellenländer eher nicht. Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 25 Feb 2021 08:19:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/stichwort-globalisierung-importsubstituierende-industrialisierung3207935 <![CDATA[Globale Kosten der Corona-Pandemie]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/globale-kosten-der-corona-pandemie <![CDATA[In den Industrieländern dürfte das Sozialprodukt im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent gesunken sein. In den Schwellenländern fiel das Minus mit 2,6 Prozent in etwa halb so hoch aus. Dies lag vor allem an China, das als einzige große Volkswirtschaft 2020 Wachstum generieren konnte, und zwar von zwei Prozent. In der Eurozone (-7,4 Prozent) ging die Wirtschaftsleistung doppelt so stark zurück wie in den USA (-3,6 Prozent). In Deutschland und Japan lag die Verringerung des BIP – um jeweils rund fünf Prozent – irgendwo dazwischen. Für dieses Jahr 2021 erwartet die Weltbank eine – wenn auch fragile – Erholung des globalen Outputs um vier Prozent. Beim (zugegeben eigentlich unmöglichen) Versuch, die globalen Kosten der Corona-Pandemie zu kalkulieren, hilft einem der letztjährige prozentuale Rückgang nur bedingt weiter, weil er sich auf die Wirtschaftsleistung im Jahr vor der Krise bezieht und insoweit unterschlägt, wo man heute eigentlich stehen könnte, wenn es diese Jahrhundertpandemie nie gegeben hätte. In ihrem von Corona noch unbeeinflussten Ausblick vor einem Jahr ging die Weltbank davon aus, dass die Weltwirtschaft 2020 um zweieinhalb Prozent wachsen würde. Gemessen daran fiel die tatsächliche globale Wertschöpfung im vergangenen Jahr (zu 2010er Preisen und Wechselkursen) um rund fünfeinhalb Billionen Dollar geringer aus. Und was 2021 anbelangt: Sollte die Welt dieses Jahr tatsächlich wieder um vier Prozent wachsen, so läge die Wirtschaftsleistung dann immer noch um knapp fünf Billionen Dollar niedriger als nach der ursprünglichen Projektion. Zusammengenommen ergibt das einen Verlust an Wertschöpfung von Gütern und Dienstleistungen im letzten und in diesem Jahr von mehr als zehn Billionen Dollar. Da man sich unter einer solchen Zahl gemeinhin erst einmal wenig vorstellen kann; es gibt überhaupt nur zwei Volkswirtschaften auf der Welt, die ein größeres Bruttoinlandsprodukt haben: die USA (21,4 Bio. Dollar 2019) und China (14,4 Bio.). Alle anderen Länder liegen (weit) darunter. Wie verteilt sich der grob geschätzte 10-Billionen-Dollar-Verlust auf die einzelnen Länder und Regionen? Auf den Euroraum entfallen mehr als 2 Billionen und auf die USA rund 1,7. Obwohl Chinas Wirtschaft so viel größer ist als die Indiens, errechnen sich für den Subkontinent mit fast einer Billion Dollar wesentlich höhere Kosten als für die Volkrepublik (unter 700 Mrd. Dollar). Japan kommt kaum besser weg als China. Brasilien und Mexiko liegen mit jeweils grob 300 Milliarden Dollar in etwa gleich auf. Der Weltbank-Report lässt durchblicken, dass die wirklichen Kosten der Corona-Pandemie sicherlich noch höher sein dürften. So bleibt der ökonomische Schaden nicht auf 2020 und 2021 beschränkt. Auch 2022 wird der globale Output noch merklich tiefer liegen als einst vor der Krise angenommen. Zudem befürchtet die Weltbank, dass weniger Investitionen, Einschnitte beim Humankapital oder höhere Schulden von Staaten wie Unternehmen das künftige Produktionspotenzial schmälern. Schließlich wäre die Weltwirtschaftsleitung ohne die Pandemie nicht nur höher, sondern auch anders zusammengesetzt gewesen. Statt in die Herstellung von Masken, Tests oder Impfstoffen hätten die produktiven Ressourcen doch in andere Verwendungen fließen können. Die Kosten der globalen Pandemie sind also gewaltig. Gleiches gilt laut Weltbank für die künftigen Herausforderungen, die sich aus ihr ergeben – im Bereich öffentlicher Gesundheit, in der Geld- und Fiskalpolitik oder in Sachen Strukturreformen. Dr. Andreas Gontermann]]> Fri, 29 Jan 2021 08:19:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/globale-kosten-der-corona-pandemie3207803 <![CDATA[Weltwirtschaft]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/weltwirtschaft <![CDATA[Zwar hat der IWF seine Prognose für die Entwicklung der globalen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr im Oktober deutlich um 0,8 Punkte auf minus 4,4 Prozent aufwärts revidiert. Dennoch überträfe der diesjährige Einbruch den Rückgang aus der 2009er Finanzkrise (von 0,1 Prozent) damit um den Faktor 44! Es ist den massiven Interventionen von Regierungen und Notenbanken zu verdanken, dass die Rezession nicht noch schwerer ausfällt. So synchron der Schock auch war, so unterschiedlich fällt inzwischen allerdings die Erholung der einzelnen Volkswirtschaften aus. Tatsächlich tun sich hier ganz beträchtliche Differenzen auf. Grob könnte man mit den jeweiligen IWF-Prognosen sagen: Chinas BIP wird Ende 2021 gut ein Zehntel höher liegen als vor dem Ausbruch der Pandemie 2019. Die USA werden zumindest das Vorkrisenniveau wieder erreichen, wohingegen Europa und auch Japan dann noch hinterherhinken. Deutschland schlägt sich besser als der Euroraum, kommt im nächsten Jahr aber auch noch nicht ganz an die Wirtschaftsleistung des Jahres 2019 heran. Die Gründe für das Auseinanderlaufen sind dreifach. Da ist zum einen das unterschiedliche Epidemie-Geschehen. Während China es scheinbar gestoppt hat, kämpft Europa mit einer zweiten Infektionswelle und Amerika mit der dritten. Zum anderen spielt die gesamtwirtschaftliche Produktionsstruktur eine Rolle. In Fabrikhallen lassen sich Abstandsregeln leichter einhalten als in kontaktintensiven Dienstleistungsbereichen. Das heißt: Ein hoher Industrieanteil hilft. Den höchsten hat wiederum China. Drittens haben die Staaten ihren Volkswirtschaften verschieden hohe Hilfen gewährt bzw. gewähren können. Das größte Rettungspaket – absolut wie auch relativ, also im Verhältnis zum BIP – haben die USA geschnürt. Allerdings geht es hier nicht nur um die Höhe der Summen, sondern auch darum, wie man auf strukturelle Veränderungen reagiert und schöpferischer Zerstörung à la Schumpeter genügend Raum lässt. Indem sich China – zumindest auf die kurze bis mittlere Frist – am schnellsten und kräftigsten erholt, baut das Land seine Anteile weiter aus – am globalen Sozialprodukt, an der globalen Industrieproduktion, an den globalen Exporten etc. Schätzungen zufolge könnte die auf Dollar lautende nominale jährliche Wirtschaftsleistung Chinas die der USA jetzt rund fünf Jahre früher überholen, als das ohne die Pandemie der Fall gewesen wäre. Amerika hat nicht bloß das größte Hilfspaket verabschiedet, sondern auch die Weichen so gestellt, dass sich der Arbeitsmarkt möglichst flexibel an eine neue Nach-Corona-Realität anpassen kann. Im Kern: Hier wurden nicht Jobs an sich geschützt, sondern die Einkommen derer, die ihre Arbeit verloren haben, und zwar großzügig. Bei der Rettung von Unternehmen war man zurückhaltender. Das Problem ist, dass es inzwischen eines zweiten Rettungsplans bedürfte, weil etliche Maßnahmen aus dem ersten zeitlich befristet waren und entsprechend ausgelaufen sind. Allerdings konnten sich die beiden – total zerstrittenen – politischen Lager im Kongress bisher nicht auf weitere Maßnahmen verständigen. In Europa haben die Regierungen massiver in den Marktmechanismus eingegriffen. Überspitzt: Die Staaten übernehmen Lohnkosten, zahlen Zuschüsse, gewähren Kredite, geben Garantien, übernehmen Bürgschaften, beteiligen sich an Unternehmen und verhindern Pleiten, und zwar auch in Bereichen, die es nach der Corona-Krise so womöglich gar nicht mehr geben wird. Wird der Zeitpunkt verpasst, die Balance zwischen Marktwirtschaft und Staat wiederherzustellen, könnte der relative Abstieg des Kontinents am Ende durch die Corona-Pandemie noch beschleunigt worden sein. Dr. Andreas Gontermann]]> Mon, 30 Nov 2020 08:19:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/weltwirtschaft3207593 <![CDATA[Chinas Industrie]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/chinas-industrie <![CDATA[Dabei ist die industrielle Basis Chinas inzwischen so außerordentlich breit wie tief. Die Herstellung erstreckt sich von T-Shirts und Turnschuhen über Gesichtsmasken bis hin zu High-end-Biotechnologie. Anfang Februar wurden in China zehn Millionen Gesichtsmasken pro Tag erstellt – die Hälfte des weltweiten Angebots. Nur einen Monat später kam die Produktion schon auf knapp 120 Millionen Stück täglich. In der Elektrobranche steuert China heute exakt die Hälfte der weltweiten Fertigung bei. 27 Prozent aller deutschen Elektroimporte kommen aus dem Land.   In vielen Bereichen wird die komplette Wertschöpfungskette abgedeckt. Lag der fremdproduzierte Anteil am chinesischen Exportwert 2005 noch bei mehr als 26 Prozent, so war er bis 2016 bereits auf weniger als 17 Prozent gesunken. Vor allem auch im Bereich der Elektronik nimmt die Eigenfertigung stark zu.   Zwar sind die Löhne in der Volksrepublik mit den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs spürbar gestiegen. Eine immer bessere Infrastruktur, industrielle Cluster und stetige Investitionen in die Modernisierung der Fabriken haben es aber möglich gemacht, nicht nur international konkurrenzfähig zu bleiben, sondern vielmehr die globale Wettbewerbsfähigkeit noch zu steigern.   Aufgrund seines riesigen (Binnen-)Marktes – die Bevölkerung zählt 1,4 Milliarden Einwohner – bleibt China attraktiv für ausländische Direktinvestitionen. Das begünstigt die Produktion (von heimischen wie fremden Firmen) im Land. Die Volksrepublik wurde als erste von der Corona-Pandemie getroffen. Dass sie entsprechend früher wieder aus dem Lockdown aussteigen konnte, hat den chinesischen Exporteuren weltweit Marktanteilsgewinne beschert. Im April dieses Jahres kamen 24 Prozent der europäischen und im Mai 30 Prozent der japanischen Importe aus China. Nie zuvor lagen diese Werte höher. Im zweiten Quartal 2020 ist der Anteil der Volksrepublik an den globalen Warenexporten auf mehr als 13 Prozent gestiegen – auch das ein Rekord.   Gleichwohl könnte die Spitze des chinesischen Anteils an der globalen Industrieproduktion langsam erreicht sein. So hat die Corona-Krise das Bewusstsein für die zwischenzeitlich stark gewachsene Abhängigkeit von China überall im Ausland geschärft – und zwar sowohl bei den Unternehmen (Stichwort: Liefer- und Wertschöpfungsketten) als auch bei den Staaten (Stichwort: kritische Versorgung). Länder wie Indien oder Taiwan versuchen bereits, Firmen mit günstigen Darlehen, preiswerten Grundstücken oder anderen Anreizen aus China abzuwerben. Zahlreiche Low-end-Produzenten ziehen ohnehin schon in Länder Südostasiens weiter, weil ihnen die Kosten in der Volksrepublik zwischenzeitlich zu stark gestiegen sind. Und dann ist da noch der letztlich schärfer werdende Systemstreit zwischen China und den USA. Um hier politische Risiken zu minimieren, wird jetzt so manches Auslandsengagement in der Volkrepublik zurückgestellt.   Die Schweizer Bank UBS schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der Industriekapazität in China abwandern könnten. Das wird sicherlich nicht von jetzt auf gleich passieren. Aber dass die Volksrepublik ihre dominante industrielle Stellung immer weiter wird ausbauen können, scheint nicht unbedingt ausgemacht. Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 29 Oct 2020 07:52:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/chinas-industrie3207193 <![CDATA[Konjunktur und Welt-Elektromarkt]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/konjunktur-und-welt-elektromarkt <![CDATA[Die wichtigsten – umsatzgewichteten – Ergebnisse zur konjunkturellen Lage im Überblick: Drei Viertel der Firmen gehen von einer U- statt V-förmigen Erholung aus.Gefragt nach der regionalen Geschäftsentwicklung, läuft es in China sowie dem ASEAN-Raum vergleichsweise am besten. Es folgen zuerst das Inland und danach Europa. In den USA resp. Nordamerika überwiegen dagegen noch Rückgänge.Mehr als die Hälfte der Unternehmen sieht sich durch die jüngste Aufwertung des Euros beeinträchtigt.Trotz aller staatlichen Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft, planen 51 bzw. 35 Prozent Anpassungen bei Personal und Kapazitäten.Sieben von zehn Unternehmen bilden so viel aus wie im Vorjahr.Für praktisch alle Firmen ist die Fortführung des regulären Schul- und Kinderbetreuungsbetriebs (sehr) wichtig.Was den Systemstreit zwischen China und den USA anbelangt, so befürchten 70 Prozent leicht negative Auswirkungen und elf Prozent gravierend negative. Dennoch planen 91 Prozent der Unternehmen derzeit keinen Auf- bzw. Ausbau an anderen asiatischen Standorten. Für die gesamte deutsche Elektroindustrie geht der ZVEI derzeit von einem Produktions- und Umsatzrückgang in der Größenordnung von minus sieben bis minus acht Prozent in diesem Jahr aus. Dabei ist der Grad an (Prognose-)Unsicherheit allerdings äußerst hoch. Der Verband hat kürzlich auch seinen Ausblick auf den Welt-Elektromarkt aktualisiert. Dieser dürfte im Zuge der Corona-Pandemie demnach 2020 um drei Prozent auf ein Volumen von dann 4.374 Milliarden Euro schrumpfen. Während für die Elektromärkte in den Industrieländern eine Verkleinerung um sieben Prozent erwartet wird, könnte die Einbuße in den Schwellenländern mit minus ein Prozent wesentlich moderater ausfallen. Das liegt freilich an China. Die Volksrepublik hat den mit weitem Abstand größten Ländermarkt. Er allein macht inzwischen 40 Prozent des gesamten globalen Elektromarktes aus und sollte in diesem Jahr stagnieren. Entsprechend ist davon auszugehen, dass sich die Weltmarktanteile weiter in Richtung Asien verschieben werden. Hier sieht das Prognose-Modell des ZVEI 2020 lediglich einen leichten Rückgang des Marktvolumens um ein Prozent, wohingegen sowohl auf dem europäischen als auch auf dem amerikanischen Elektromarkt Verluste in Höhe von jeweils sieben Prozent anstehen dürften. Der US-Markt sollte dieses Jahr um acht Prozent zurückgehen und der deutsche um neun Prozent. Zweistellige Einbrüche werden für die Elektromärkte in Frankreich (-13%) und Spanien (-11%) erwartet. Der ZVEI-Marktausblick für die globale Elektrobranche umfasst insgesamt 53 Länder, die zusammen rund 98 Prozent des globalen Marktes auf sich vereinen. Darüber hinaus stehen Prognosen für elf Fachbereiche zur Verfügung. Ein Überblicksdokument findet sich – genau wie die Ergebnisse der eingangs genannten Umfrage – auf der Homepage des ZVEI. Tiefer gehende Daten und Prognosen sind für Mitgliedsunternehmen in unserem Wissensportal – unter der Kachel „Internationale (Elektro-)Märkte“ – zugänglich. Dr. Andreas Gontermann Ergebnisse 5. Ad-hoc-Umfrage Ausblick Welt-Elektromarkt]]> Tue, 29 Sep 2020 10:27:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/konjunktur-und-welt-elektromarkt9371 <![CDATA[Wechselkursvolatilität]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/wechselkursvolatilitaet <![CDATA[In der kurzen Frist reagieren Wechselkurse vor allem auf Zinsänderungen. Wenn Geld uneingeschränkt im Inland oder aber auch im Ausland angelegt werden kann, sollte sich das Austauschverhältnis von zwei Währungen so anpassen, dass hier wie da letztlich gleiche bzw. ähnliche Renditen erzielt werden. Das heißt: Steigen die Zinsen in einem Land, dann wird es vergleichsweise attraktiver, hier zu investieren, sodass die Nachfrage nach der entsprechenden Währung steigt und diese somit aufwertet. Nun haben die Notenbanken zahlreicher Länder und Währungsräume die (Leit-)Zinsen auf mehr oder weniger null Prozent gesenkt. Zudem haben sie angekündigt, sie auf geraume Zeit so niedrig belassen zu wollen. Lässt sich aus praktisch weltweit eingefrorenen Zinsen schlussfolgern, dass auch die Wechselkurse künftig weniger stark schwanken sollten? Tatsächlich könnte eher das Gegenteil der Fall sein. Dazu muss man sich zunächst klar machen, dass die Güter- und Dienstleistungsströme einerseits sowie die Finanz- und Kapitalströme andererseits (bei flexiblen Wechselkursen und freier Kapitalmobilität) zwei Seiten ein und derselben Medaille sind. Exportiert eine Volkswirtschaft mehr Güter und Dienstleistungen, als sie importiert, dann führt sie auch mehr Kapital aus, als sie einführt. Umgekehrt müssen Leistungsbilanzdefizite durch die Aufnahme von Krediten im Ausland und/oder den Verkauf von Vermögenswerten an Ausländer finanziert werden. Dabei ist der Wechselkurs letztlich derjenige Preis, der für den Ausgleich der Zahlungsbilanz sorgt, also Leistungs- und Kapitalbilanz in Balance bringt. Nun kann die Geldpolitik auf wirtschaftliche Schocks kaum mehr reagieren. Lägen die Zinsen noch deutlich über null Prozent, so könnte die Notenbank sie senken und darüber die inländische Investitions- und damit gesamtwirtschaftliche Nachfrage stimulieren. Nicht so in einer Nullzinswelt. Hier müssten die Impulse dann viel stärker von der Außenwirtschaft kommen, und das wiederum heißt, der Wechselkurs müsste entsprechend stärker reagieren, die Währung also mehr abwerten als im Fall, in dem die Geldpolitik noch wirklich etwas bewirken kann. Die Entwicklung der Wechselkurse wird dadurch volatiler. Je größer die makroökonomische Anpassungslast ist, die durch Auf- oder Abwertungen zu tragen ist, desto ausgeprägter dürfte die Schwankungsanfälligkeit der Wechselkurse ausfallen. So müssen sie umso stärker reagieren, je geschlossener die Volkswirtschaft und je eingeschränkter die Kapitalmobilität ist. Zwar lässt sich auch mit heimischer Fiskalpolitik auf Schocks reagieren. Hier sind aber deren Rechtzeitigkeit, Dosierung und Effektivität die kritischen Punkte. Schließlich müsste der Wechselkurs wohl umso weniger reagieren, je attraktiver die inländischen Kapital- und Vermögensmärkte für Ausländer sind. Das Fazit aus alledem ist: Wenn die Notenbanken die Zinsen nicht mehr bewegen können, um auf sich ändernde volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen zu reagieren, dann muss sich eine andere Größe anpassen. Der Kandidat hierfür ist der Wechselkurs. Insoweit spricht einiges dafür, dass er trotz globaler Niedrig- bis Nullzinsen künftig eher mehr als weniger schwanken könnte. Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 27 Aug 2020 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/wechselkursvolatilitaet9267 <![CDATA[Volkswirtschaftliche Studien]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/volkswirtschaftliche-studien <![CDATA[Direktinvestitionen (August 2020) Der ZVEI veröffentlicht zusammen mit Germany Trade & Invest (GTAI) einmal jährlich ein Papier zur Entwicklung der Direktinvestitionen Deutschlands und der deutschen Elektroindustrie.Wechselkurseinflüsse in der deutschen Elektroindustrie – Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten (April 2016) Vor dem Hintergrund der zunehmenden Volatilität auf den globalen Devisenmärkten untersucht die gemeinsame Studie von IKB und ZVEI den Einfluss von Wechselkursänderungen auf die deutschen Elektroexporte.Freihandelsabkommen – Wichtige Triebfeder für die deutsche Elektroindustrie (November 2014) In einer gemeinsamen Studie analysieren die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der ZVEI die Auswirkungen bisheriger Handelsabkommen der EU auf die deutsche Elektroindustrie.Deutsche Elektroindustrie profitiert von ansteigenden Investitionen (Juli 2014) Im Fokus der Analyse der BayernLB, die der ZVEI unterstützt hat, stehen neben der deutschen Elektroindustrie insgesamt auch die Teilbereiche Energietechnik, Automation, Licht, Consumer Electronics, Hausgeräte, elektronische Bauelemente, Informationstechnik und Medizintechnik.Wachstumsperspektiven für die deutsche Elektroindustrie: Zehn Schwellenländermärkte im Fokus (Oktober 2013) BayernLB und ZVEI haben im Rahmen ihrer Gemeinschaftsstudie detailliert Wachstumsmärkte außerhalb der häufig genannten BRIC-Staaten untersucht. Die in der Studie betrachteten Länder könnten der deutschen Industrie im Allgemeinen und der Elektroindustrie im Besonderen vielversprechende Wachstumsperspektiven bieten.Die Entwicklung der deutschen Elektroindustrie vor und nach Einführung des Euro (Februar 2012) Die gemeinsame Studie von DekaBank und ZVEI analysiert die Entwicklung der deutschen Elektroexporte vor und seit Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung.Energieeffizienz – Potenziale heben und finanzieren (November 2011) In der Studie befassen sich der Bundesverband deutscher Banken und der ZVEI mit den Themen Lebenszykluskosten, Investitionskredite und Leasing sowie öffentliche Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen.Die deutsche Elektroindustrie – Schlüsselbranche für Innovationen und Wachstum (Mai 2011) Der Forschungsbericht aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln, der in Zusammenarbeit mit dem ZVEI entstand, stellt die Rolle der deutschen Elektroindustrie und ihrer Technologien im gesamtwirtschaftlichen Wachstumsprozess dar.Zur Rohstoffsituation in der Elektroindustrie (Mai 2010) Themen der Gemeinschaftsstudie von Commerzbank und ZVEI sind der Rohstoffbedarf der Branche, die Konkurrenz um Rohstoffe, Rohstoffspekulation sowie Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Politik.Deutsche Elektroindustrie – Branchenstruktur lässt auf baldige Rückkehr zum Wachstum hoffen (Juni 2009) In der Analyse von Deutsche Bank Research, die unter Mitwirkung des ZVEI entstand, stehen die kurz- und langfristigen wirtschaftlichen Perspektiven der deutschen Elektroindustrie nach der Wirtschafts- und Finanzkrise im Mittelpunkt.]]> Tue, 18 Aug 2020 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/volkswirtschaftliche-studien2677 <![CDATA[Inflation – Kommt sie (erst noch) oder kommt sie nicht?]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/inflation-kommt-sie-erst-noch-oder-kommt-sie-nicht <![CDATA[Im Geleit der Corona-Krise kommen nun mancherorts Befürchtungen hoch, die Zeiten moderater Inflationsraten könnten womöglich bald vorbei sein. Grob gesagt entsteht Inflation immer dann, wenn zu viel Geld zu wenigen Gütern und Dienstleistungen hinterherjagt. Tatsächlich könnte man meinen, dass die Pandemie alle Zutaten hierfür bereithält: Einerseits hat der zeitweise Lockdown der Wirtschaft das Güterangebot zwangsweise heruntergedrückt, und Probleme in Lieferketten haben dazu geführt, dass Waren erst gar nicht in die Regale kamen. Andererseits betreiben Notenbanken und Regierungen massiv expansive Geld- und Fiskalpolitik, wobei die Rettungspakete schlussendlich mit frisch gedrucktem Geld finanziert werden. So steht die Bilanzsumme der EZB inzwischen bei rund der Hälfte des BIP und die der amerikanischen Fed bei über einem Drittel. Im dritten Quartal 2007 lagen die Relationen erst bei rund zwölf bzw. sechs Prozent. Nun könnte es allerdings – Gelddrucken hin oder her – auch passieren, dass am Ende des Tages weniger Güter auf noch weniger geplante Ausgaben treffen. Denn wo Produktion und Dienstleistungen heruntergefahren werden müssen, da entsteht kein Einkommen und damit auch keine Nachfrage mehr. Zwar mögen einige Sektoren zu Gewinnern der Krise avancieren, sodass hier mehr Einkommen und dadurch wiederum mehr Nachfrage generiert werden kann. Was aber zählt, ist unterm Strich. Und wenn anfängliche Restriktionen auf der Angebotsseite der Wirtschaft die Nachfrage soweit runterziehen, dass diese am Ende stärker sinkt als das Angebot, dann hat man es mit einem keynesiansichen Angebotsschock zu tun – benannt nach dem großen Ökonomen John Maynard Keynes. Die Folge wäre dann Deflation und nicht Inflation. Ein gemeinsames Forschungspapier von vier Ökonomen US-amerikanischer Universitäten (Chicago, Harvard, MIT und Northwestern) legt nahe, dass wir uns aktuell tatsächlich eher in so einem Szenario befinden. Es argumentiert zudem, dass die Verbraucher angesichts der gegenwärtig belastenden Situation künftigen Konsum höher einschätzen könnten als heutigen, weshalb sie sich jetzt umso mehr mit Käufen zurückhielten. Jüngste Daten scheinen die These soweit zu stützen. In der Eurozone lag die Inflationsrate im Juni gerade einmal bei 0,3 Prozent. In den USA ging sie im April sogar um 0,8 Prozent zurück. An den Kursen einschlägiger Finanzmarktinstrumente lässt sich ebenfalls ablesen, dass Anleger für die Zukunft eher weniger als mehr Inflation erwarten. Freilich können sich die Erwartungen auch wieder ändern, und das recht schnell. Dies wird wohl aber erst passieren, wenn das Coronavirus wirklich trockengelegt ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich Regierungen und Zentralbanken zunächst dazu entschlossen, einem hohen Wirtschaftswachstum und geringer Arbeitslosigkeit den Vorrang vor niedriger und stabiler Inflation zu geben. Je nachdem, welch tiefe Spuren die Pandemie hinterlassen wird, könnte dies nach der Krise mitunter auch wieder einmal der Fall sein. Und wenn dann noch strukturelle disinflationäre Kräfte nachlassen, Stichwort: De-Globalisierung, dann wären wieder höhere Inflationsraten womöglich gar nicht mal so weit hergeholt.   Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 23 Jul 2020 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/inflation-kommt-sie-erst-noch-oder-kommt-sie-nicht9106 <![CDATA[Corona und Klima]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/corona-und-klima <![CDATA[Inzwischen ist allerdings klar: Die Weltwirtschaft wird – bedingt durch die Corona-Krise – dieses Jahr nicht wachsen, sondern empfindlich schrumpfen. So geht der IWF von einem Rückgang um drei Prozent aus. Umso höher sollte denn auch die diesjährige CO2-Reduktion ausfallen. Und in der Tat hat der weltumspannende Lockdown bereits zu einer deutlich geringeren Schadstoffbelastung der Luft geführt. In China ist der CO2-Ausstroß im Februar schätzungsweise um ein Viertel gegenüber seinem Vorjahreswert gesunken. Die Konzentration von feinen Rußpartikeln in den großen Städten lag um 20 bis 30 Prozent niedriger als im Durchschnitt der drei Jahre zuvor. Weniger Verkehr in New York City hat die Menge an Kohlenmonoxid um die Hälfte sinken lassen. Die Kohlendioxid-Konzentration ging hier im März um knapp zehn Prozent gegenüber dem 2019er Level zurück. Weitere Beispiele aus der Po-Ebene in Italien oder aus Südkorea ließen sich finden. Weltweit wurde im April 17 Prozent weniger CO2 emittiert als vor einem Jahr. Freilich stellt sich die Frage, wie nachhaltig das alles ist, denn die Weltwirtschaft wird sich – hoffentlich früher als später – von der Corona-Pandemie erholen. Die Erfahrungen aus der Finanzkrise sind da eher ernüchternd. 2009 waren die weltweiten CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Zementherstellung um anderthalb Prozent gefallen. Ein Jahr später stiegen sie dann aber wieder um knapp sechs Prozent, und Ende 2010 lag der jährliche Ausstoß so hoch wie nie. Verantwortlich hierfür war vor allem ein dynamisches Wachstum in den großen Schwellenländern China und Indien. Niedrige Preise für fossile Energieträger und Konjunkturpakete beispielsweise für die Bauwirtschaft waren da nicht eben hilfreich. Die weiteren Auswirkungen der Corona-Krise auf das Klima hängen insoweit davon ab, wie lange die Pandemie noch dauert (worauf man begrenzt Einfluss hat) und wie spätere Stimulierungsmaßnahmen ausgestaltet werden. Hier wäre wichtig, die Ressourcen am Ende nicht wieder in solche Sektoren zu lenken, wo hohe Emissionen verursacht werden. Kanada scheint dieser Versuchung zu erliegen. Hier wird ein mehrere Milliarden Dollar schweres Hilfspaket für die Öl- und Gasindustrie vorbereitet. In China planen bereits etliche Provinzen einen Großeinsatz für den Bausektor. Auch Ideen für Gutscheine, die zum Kauf konventioneller Automobile animieren sollen, sind in der Volksrepublik im Umlauf. Gleichzeitig könnten die neu installierten Kapazitäten an Solarenergie in diesem Jahr erstmals seit Jahrzehnten unter Vorjahr liegen. Stattdessen sollten die Anreize in Richtung Klimaneutralität gesetzt werden. Das heißt: Wenn Förderung des Energiesektors, dann Ausbau von erneuerbaren Energien. Wenn Förderung des Mobilitätssektors, dann Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos, etc. Zurück zur OECD. Sie hat u.a. die Schirmherrschaft über die Internationale Energie-Agentur (IEA). Diese hat dafür plädiert, sämtliche anstehende Stimulierungsmaßnahmen grün auszugestalten. Auf dass es diesmal besser läuft als nach der Finanzkrise. Dr. Andreas Gontermann]]> Tue, 26 May 2020 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/corona-und-klima8940 <![CDATA[Rezessionen – wie tief, wie lange, wann Erholung und wie schnell?]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/rezessionen-wie-tief-wie-lange-wann-erholung-und-wie-schnell <![CDATA[Zunächst einmal sind extreme Wirtschaftseinbrüche in so manchen Schwellenländern durchaus an der Tagesordnung. In den Industrieländern sind sie aber ziemlich selten. Ein Beispiel aus der ersten Gruppe ist Libyen. Hier gab es seit 1980 zehn Jahre, in denen das Sozialprodukt um mindestens zehn Prozent fiel. Dagegen zeigt eine Analyse der Weltbank, dass es in der Gruppe der reichen Länder seit 1960 nur 13 Fälle gab, wo die jährliche Wirtschaftsleitung um mehr als fünf Prozent zurückging. BIP-Einbrüche um mehr als sieben Prozent gab es lediglich drei- und von mehr als zehn Prozent überhaupt nur einmal. Dabei kamen die meisten Einschläge rund um die 1973er Ölkrise, die 1997-98er Asienkrise und die jüngste Finanzkrise vor. Forscher der niederländischen Universität Groningen sind sogar bis 1870 zurückgegangen. In den 18 untersuchten Industrieländern lassen sich seitdem gerade einmal 47 Fälle identifizieren, in welchen ein Land in einem Jahr um mehr als zehn Prozent geschrumpft ist. 42 der 47 Abstürze passierten zwischen 1914 und 1945, der Periode also, in die zwei Weltkriege und die Große Depression fielen. Wie lange dauert es, bis sich eine Volkswirtschaft von einer Rezession erholt hat? Im Gesamtzeitraum seit 1870 brauchte es im Durchschnitt fünf Jahre, um nach einem BIP-Rückgang von mehr als zehn Prozent wieder auf das Vorkrisenniveau zu kommen. In der Periode seit 1960 nahm die Erholung in den reichen Ländern nach einem Sinken der Wirtschaftsleistung um mehr als fünf Prozent durchschnittlich vier Jahre in Anspruch. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Fälle teils erheblich. Mitunter verlief die Erholung sogar äußerst schnell. Italien wuchs 1946 um 35 Prozent. 1949 hatte es die kriegsbedingten Einbrüche komplett aufgeholt. Die deutsche Wirtschaftsleistung sank zwischen 1944 und 1946 um zwei Drittel. In der Dekade darauf zog sie mit einer jahresdurchschnittlichen Rate von zwölf Prozent an. Südkorea stand bereits 1999 wieder besser da als Anfang 1997, bevor die Asienkrise über das Land kam. Dagegen lag das preisbereinigte Sozialprodukt Österreichs 1924 noch immer niedriger als vor dem ersten Weltkrieg. In Deutschland auch. Italien überfiel die Corona-Krise in einer Phase, in der sich das Land noch nicht wieder von der Finanzkrise erholt hat. Nun wiederholt sich Geschichte in aller Regel nicht, und die Corona-Pandemie stellt eine so nie dagewesene Herausforderung dar. Trotzdem seien drei historische Muster erwähnt. Erstens, die Tiefe des Einschnitts hängt nicht zuletzt davon ab, ob und inwieweit die Institutionen eines Landes Schaden nehmen. Deutschland und Österreich waren nach dem verlorenen ersten Weltkrieg auch deshalb wirtschaftlich stärker gebeutelt als andere Volkswirtschaften, weil sie einen Zusammenbruch des Staates sowie eine Hyperinflation durchmachten. Das heißt: Je unbeschadeter die Institutionen die Krise überstehen, desto besser für den Aufschwung danach. Zweitens, wirtschaftliche Einbrüche bedingen auch Risse im internationalen Handel und den globalen Liefer- und Produktionsketten. Je schneller diese wieder gekittet werden können, desto robuster die Erholung. Und drittens kommt es stark auf die makroökonomische Wirtschaftspolitik an. Sie muss helfen, die Auswirkungen des Schocks abzufedern, und später die Stimuli für den Wiederaufschwung setzen. Mit ihren bis dato beispiellosen Rettungspaketen tun die Regierungen und Notenbanken aktuell genau das. Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 30 Apr 2020 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/rezessionen-wie-tief-wie-lange-wann-erholung-und-wie-schnell8872 <![CDATA[Ergebnisse der ZVEI-Umfrage]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/ergebnisse-der-zvei-umfrage <![CDATA[Zwischen 4. und 7. April 2020 haben insgesamt 128 Mitgliedsunternehmen des ZVEI an der zweiten Ad-hoc-Befragung zu Folgen des Coronavirus teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Branche die Auswirkungen der Corona-Pandemie zunehmend zu spüren bekommt. So gehen bei über der Hälfte der teilnehmenden Firmen (55%) bereits jetzt weniger Aufträge ein als vor Beginn der Krise. 26 Prozent berichten sogar von einem Einbruch bei den Bestellungen. Die Unternehmen erwarten einen Umsatzrückgang von durchschnittlich 14 Prozent. Diese Verluste binnen absehbarer Zeit komplett aufzuholen, halten nur drei Prozent für realistisch. Der Rest erwartet, nur die Hälfte oder noch weniger in absehbarer Zeit wieder reinholen zu können. Rund zwei Drittel der Unternehmen hat bereits Kurzarbeitergeld beantragt oder ist gerade dabei, dies zu tun. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie hier zum Download.   Zur Methodik Die teilnehmenden Unternehmen erzielten 2019 zusammen einen Umsatz von 45,6 Milliarden Euro, was 24,0 Prozent des Branchenumsatzes der deutschen Elektroindustrie von 189,9 Milliarden Euro entspricht. Die Meldungen wurden jeweils mit dem Umsatz der Unternehmen gewichtet. Die errechneten Ergebnisse sind Durchschnittswerte über alle Unternehmen, die an der Befragung teilgenommenen haben. Sie können von Firma zu Firma z.T. deutlich abweichen. Eine Betrachtung nach verschiedenen Unternehmensgrößenklassen zeigt ebenfalls in einigen Punkten abweichende Ergebnisse.]]> Wed, 15 Apr 2020 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/ergebnisse-der-zvei-umfrage8840 <![CDATA[Gold]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/gold <![CDATA[Das volatile Auf und Ab des Goldpreises zu interpretieren, ist alles andere als einfach. Der ehemalige Chef der US-Notenbank Ben Bernanke hat mal gesagt, keiner – er selbst eingeschlossen – würde die Preisbildung wirklich verstehen. Was Investoren sicherlich regelmäßig in Gold treibt, sind zunehmende geopolitische Risiken. Nach Ereignissen wie der Geiselnahme von Teheran Ende 1979, der irakischen Invasion in Kuwait Mitte 1990, den Anschlägen vom 11. September 2001 oder dem Attentat auf den iranischen General Soleimani gleich zu Beginn dieses Jahres schießt der Goldpreis (wie auch der Ölpreis) unmittelbar in die Höhe. In ruhigeren Zeiten wird der Goldkurs vor allem von der Entwicklung des so genannten Realzinses beeinflusst, also des um die Inflationsrate bereinigten nominalen Zinssatzes. Er lässt sich etwa an der Rendite (bonitätsmäßig einwandfreier) inflationsgeschützter Staatsanleihen ablesen. Solche Anleihen und Gold sind sich recht ähnlich. Beides sind letztlich Vermögenswerte ohne Ausfall- und Inflationsrisiko. Insoweit konkurrieren sie miteinander um die Gunst der Anleger. Allerdings wirft Gold keine laufenden Erträge bzw. Zinszahlungen ab. Aktuell bringt aber auch das Halten von (inflationsindexierten) Staatsanleihen kaum bis keine Zinsen. Kurzum: Je niedriger der Realzins ist, desto attraktiver wird Gold, und umgekehrt. Zwischen November 2018 und August 2019 ist die Rendite inflationsgeschützter amerikanischer Staatsanleihen von mehr als ein auf nahezu null Prozent gesunken. Gleichzeitig ist der Goldpreis von November 2018 bis Januar 2020 um ein Viertel gestiegen. Gleichwohl bleibt Gold als Anlageform ziemlich umstritten. Das bringen die kontrastierenden Sichtweisen der Investorenlegende Warren Buffett einerseits und des Gründers der größten amerikanischen Investmentbank John Pierpont Morgan andererseits schön auf den Punkt. Der erste hält überhaupt nichts von Gold. Er meinte einmal sinngemäß, das Edelmetall irgendwo aus dem Boden zu holen und zu Barren aufzubereiten, nur um diese danach wieder in der Erde verschwinden zu lassen, damit sie sicher lagerten, mache keinen Sinn. Von dem anderen stammt das Bonmot, nur Gold sei Geld und alles andere bloß Kredit. Demnach ist es kaum verwunderlich, dass Anleger gegenwärtig ihr Geld lieber in Form von Gold halten wollen, wenn sie für das Ausreichen von Krediten keine Zinsen mehr erhalten. Immerhin leitet Gold ja Strom und lässt sich auch in der Industrie nutzen, nicht zuletzt in der Elektronik-Fertigung, etwa in Steckverbindern, Schaltern oder Verbindungsdrähten. Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 26 Mar 2020 00:00:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/gold8765 <![CDATA[Holländische Krankheit]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/hollaendische-krankheit <![CDATA[Das Phänomen, dass ein starker Rohstoffsektor über eine Aufwertung der heimischen Währung den anderen (Export-)Bereichen und damit der gesamten Wirtschaft schaden kann – und so am Ende mehr Fluch als Segen ist –, wird seitdem als „Holländische Krankheit“ bezeichnet. Heilung kam für die Niederlande erst mit dem 1982er „Abkommen von Wassenaar“, in dem sich die Tarifpartner auf Lohnzurückhaltung für mehr Arbeitsplätze einigten. Zwar haben andere rohstoffreiche Länder daraufhin immer wieder versucht, die Falle zu umgehen, etwa indem sie ein System fester Wechselkurse eingeführt oder die Exporterlöse aus den Verkäufen ihrer Ressourcen in Staatsfonds gesteckt haben. Gleichwohl lässt sich bis heute beobachten, dass viele Rohstoffländer Probleme in den übrigen Wirtschaftssektoren haben. Ein trauriges aktuelles Beispiel ist Venezuela, wo man statt einer Verständigung à la Wassenaar auf die Notenpresse gesetzt und so die Inflationsrate zwischenzeitlich auf mehr als eine Million Prozent hochgetrieben hat.  Zwei Arbeitspapiere des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen, dass die „Holländische Krankheit“ nicht nur über den Wechselkurskanal einfallen kann, sondern auch über Schwächen im heimischen Bankensystem. Das Argument lautet dabei wie folgt: Die Kreditinstitute in ressourcenreichen Ländern investieren vorrangig in den Rohstoffsektor und versorgen diesen mit Darlehen. Die anderen Wirtschaftszweige vernachlässigen sie dagegen, und zwar sowohl in konjunkturellen Auf- als auch in Abschwüngen. Hier fehlen also die Finanzierungsmittel. Gleichzeitig wird der Bankensektor einseitig abhängig vom Rohstoffsektor. Nigeria bietet da Anschauung. Als der Ölpreis 1998 einbrach, mussten 28 Banken geschlossen werden, in der 2009er Krise dann nochmals zehn. Und als der Ölpreis ab 2014 wiederum abwärts tendierte, stand das Finanzsystem erneut vor großen Herausforderungen. Der Wirkungskanal über das Bankensystem hilft auch zu erklären, warum in vielen Rohstoffländern die Wirtschaft insgesamt trotz Ressourcenreichtums oft vergleichsweise unterentwickelt ist. Denn wie die Geschichte zeigt, führen Bankenkrisen regelmäßig zu tieferen Rezessionen. Zudem fällt die nachfolgende Erholung schwächer aus als nach Abschwüngen, die ihre Ursache außerhalb des Finanzsystems haben. Noch einen Punkt machen die beiden IWF-Papiere. Demokratisch verfasste Länder würden von Rohstoffpreisschocks weniger hart getroffen als andere politische Regimes. Das könnte daran liegen, dass Demokratien Probleme mit Korruption (welche den Kreditfluss noch mehr in den Rohstoffsektor lenkt) besser im Griff haben. Allerdings braucht der Aufbau von Demokratie viel Zeit. So genannte makroprudenzielle Politiken, die dafür sorgen, dass der Bankensektor nicht zu einseitig auf Rohstoffunternehmen setzt, könnten da schneller wirken. Dr. Andreas Gontermann]]> Thu, 30 Jan 2020 00:00:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/hollaendische-krankheit8507 <![CDATA[Geldpolitik]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/geldpolitik <![CDATA[Dabei wäre es eigentlich Aufgabe der Regierungen (gewesen), die Währungsunion zu reformieren und krisenfest zu machen. Insoweit ist es auch unredlich, wenn die Notenbank heute zum Sündenbock gemacht wird, etwa weil sie angeblich die Sparer enteigne. Die Bundesbank hat kürzlich vorgerechnet, dass die Niedrigzinspolitik der EZB dem deutschen Staat in der Dekade bis 2018 gut 368 Milliarden Euro an Ausgaben erspart hat. Das entspricht fast dem doppelten Jahresumsatz der deutschen Elektroindustrie. Allerdings dauert die Phase der sehr expansiven Geldpolitik – mit Nullzinsen und dem massiven Ankauf von Staatsanleihen mit frisch gedrucktem Geld – nun schon ziemlich lange an. Bald könnte ein Punkt erreicht sein, wo die Nebenwirkungen des billigen Geldes überhand nehmen und seine Nachteile die Vorteile überwiegen. So geraten die Zinsmargen der Geschäftsbanken zunehmend unter Druck. Je höher die Strafzinsen auf Einlagen bei der EZB sind, desto näher rückt der Punkt, ab dem es sich lohnt, diese abzuheben und bar vorzuhalten. Es gibt Untersuchungen, nach denen Bargeldreserven ab einem Strafzins von 0,7 Prozent tatsächlich die kostengünstigere Variante darstellen. Aktuell liegt er bei 0,5 Prozent. Werden die Negativzinsen an Kunden weitergegeben – was zum Teil ja bereits passiert –, könnten diese ihr Geld irgendwann geballt abheben. In einer nächsten Rezession wäre die Geldpolitik wohl nur noch begrenzt handlungsfähig, weil kaum mehr Zinssenkungsspielräume existieren. Der Ankauf von Staatsanleihen ist ohnehin schon äußerst umstritten. Nicht wenige sehen die Grenze zur eigentlich verbotenen monetären Staatsfinanzierung bereits überschritten. Würde man ihn ausweiten – gegebenenfalls auch auf Aktien – wäre mit umso mehr rechtlichen Fragezeichen und politischen Widerständen zu rechnen. Dann wäre die Fiskalpolitik stärker gefordert. Zwar liegt die Inflationsrate im Euroraum unterhalb der Zielmarke von knapp zwei Prozent. Aber wie dramatisch ist das eigentlich, wenn die Preise nur um rund ein Prozent steigen? Droht dann tatsächlich schon eine Deflation? Mal abgesehen davon, dass man es hier auch mit statistischen Messproblemen zu tun hat – beispielsweise werden Qualitätsminderungen kaum adäquat berücksichtigt. Einer Analyse der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge haben Phasen leicht fallender Preise in der Vergangenheit keine größeren Probleme hervorgerufen. Außerdem kann man streiten, ob sich die Inflation zwar nicht in den Güterpreisen, dafür aber in den Vermögenspreisen niedergeschlagen hat – etwa bei Immobilien oder Aktien. Das birgt die Gefahr von Korrekturen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität. Die volkswirtschaftliche Steuerungsfunktion des Zinses besteht darin, knappes Kapital – unter Berücksichtigung von Risikogesichtspunkten – dahin zu lenken, wo es die höchsten Renditen erzielen kann. Bei allgegenwärtigen Nullzinsen kommt diese Funktion abhanden. Wenn dann Unternehmen am Markt bleiben, die sonst keinen Kredit mehr bekämen, wird der Wettbewerb verzerrt. Anreize für Innovationen gehen verloren. Die gesamtwirtschaftliche Produktivität wird ausgebremst. Schließlich nimmt die Niedrigzinspolitik Reformanreize für Staaten. Wenn die Geldpolitik alles daran setzt, konjunkturelle Abschwünge zu verhindern, unterminiert sie mitunter eigentlich notwendige strukturelle Anpassungen und damit die langfristigen Wachstumsaussichten. Die Liste ließe sich fortsetzen. Die Geldpolitik der EZB ist mittlerweile total überfrachtet. Das Mandat der Notenbank lautet auf Wahrung der Preisstabilität – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Weil sämtliche Vermögenspreise zinsabhängig sind, ist ein Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik alles andere als trivial. Dass die Zentralbanken hiervor allergrößten Respekt haben, ist mehr als verständlich. Dennoch sollte der Einstieg in den Ausstieg aus der unkonventionellen Politik eingeleitet werden, wenn auch sicherlich langsam und ganz behutsam. Nur so lässt sich Finanzstabilität sichern, der geldpolitische Werkzeugkasten für die nächste Rezession wieder bestücken und die Arbeitsteilung mit der Fiskalpolitik wieder ins Lot bringen. Dr. Andreas Gontermann]]> Wed, 20 Nov 2019 00:00:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/geldpolitik8230 <![CDATA[Niedrigzinsen]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/niedrigzinsen <![CDATA[Die wirklichen Gründe für das kontinuierliche Fallen der Zinsen seit spätestens den 1990er Jahren sind bis heute kaum klar. Zwei Erklärungsansätze stechen heraus. Der eine ist vergleichsweise offensichtlich. Ihm zufolge gehen die Niedrigzinsen vor allem auf das Konto der Zentralbanken. Denn diese haben spätestens seit der Finanzkrise die kurzfristigen Zinsen auf null oder sogar darunter gesenkt. Darüber hinaus haben die Notenbanken mit Unmengen von frisch gedruckten Dollars und Euros Staatsanleihen angekauft, um deren Kurse hoch bzw. die spiegelbildlichen Renditen runter zu treiben (Stichwort: Quantitative Lockerung im Rahmen unkonventioneller Geldpolitik). Die zweite Erklärung stellt auf strukturellere Faktoren ab und betont ein Überangebot an Ersparnissen. Geburtenstarke Jahrgänge in den Industrieländern legten vermehrt Geld fürs Alter auf die Seite. Zudem sei die chinesische Volkswirtschaft mit ihrer extrem hohen Sparrate in die Weltwirtschaft integriert worden. Indem diese geballten Ersparnisse auf eine nur begrenzte Investitionsnachfrage – nicht zuletzt auch etlicher Staaten – träfen, drückten sie den Zins – also den Preis für Kapital. Solange die Inflationsraten weiterhin so gering (und unterhalb der von den Zentralbanken ausgegebenen Zielmarken von meist knapp zwei Prozent) bleiben, kann man wohl davon ausgehen, dass sich an der expansiven Geldpolitik und an den niedrigen Zinsen erst einmal wenig ändern wird. Dennoch: Der Tag, an dem die langfristigen Zinsen wieder steigen – und hierbei möglicherwiese stärker steigen, als sie zuvor gesunken sind –, er wird kommen. Wenn die Babyboomer einmal im Altersruhestand sind, sparen sie von da an weniger und geben mehr aus. China steuert seine Volkswirtschaft um – weg von Exporten und Investitionen, hin zu mehr Konsum und Dienstleistungen. Der Leistungsbilanzüberschuss des Landes – und damit der Überhang der Ersparnisse über die Investitionen – lag 2018 schon nur noch bei einem halben Prozent vom Sozialprodukt. Schließlich könnte passieren, dass in den Industrieländern die Fiskalpolitik wieder mehr an Bedeutung gegenüber der Geldpolitik gewinnt und entsprechend Ersparnisse aufsaugt, um Brücken, Flughäfen, Straßen sowie digitale Infrastruktur zu modernisieren bzw. neu zu errichten. Die Auswirkungen wieder steigender Zinsen könnten insoweit massiv sein, als die Bewertungen bzw. Preise eigentlich sämtlicher Vermögenswerte letztlich zinsabhängig sind. Genau hiervor haben die Notenbanken so viel Respekt, weshalb sie sich mit einem Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik eben auch so unendlich schwer tun. Je niedriger die langfristigen Zinsen sind, desto mehr werden Anleger in Aktien, Immobilien, Gold oder riskante Anleihen getrieben, was dann deren Preise in die Höhe hievt – mitunter bis sich spekulative Blasen bilden. Wieder anziehende Zinsen wirken entsprechend in die umgekehrte Richtung. Mag sein, dass die Anpassungen langsam erfolgen werden, sodass sich Haushalte, Unternehmen und Staaten adäquat auf an breiter Front fallende Asset-Preise vorbereiten können und so die Finanzmarktstabilität gewahrt bleibt. Vielleicht aber auch nicht.]]> Thu, 24 Oct 2019 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/niedrigzinsen8078 <![CDATA[Chinas Devisenreserven als Waffe im Handelsstreit?]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/chinas-devisenreserven-als-waffe-im-handelsstreit <![CDATA[Da fragt sich, ob China im Handelsstreit mit den USA nicht eine effiziente Waffe in der Hinterhand hat. So muss die US-Regierung ihre ausstehenden Schuldverschreibungen laufend prolongieren und zur Finanzierung des Haushaltsdefizits neue Anleihen platzieren. Würden die Chinesen nun ihre Bestände an Papieren losschlagen, so das Argument, könnte der Markt für amerikanische Staatsanleihen das Angebot kaum mehr verdauen, die Preise bzw. Kurse fielen drastisch, die spiegelbildlichen Renditen schössen in die Höhe, und die USA stürzten in eine Finanzkrise. Allein, so einfach ist es nicht. Weil der Dollar die globale Reservewährung ist und amerikanische Staatsanleihen zu den sichersten Wertpapieren überhaupt zählen, ist der Markt für US-Staatspapiere riesig und sehr liquide. Es bedürfte also schon massiver Verkäufe seitens der Chinesen, um tatsächlich starke Kurs- bzw. Zinseffekte herbeizuführen. Diese würden dann allerdings auch die noch verbliebenen Bestände Chinas entwerten. Zudem könnte – und würde sicherlich – die amerikanische Notenbank intervenieren und Anleihen ankaufen. Eben weil US-Staatsanleihen als so sicher gelten, sind sie vor allem in Krisenzeiten begehrt. Ein völlig eskalierender Wirtschaftskrieg zwischen China und den USA dürfte die weltweite Nachfrage nach den Papieren insoweit stark steigen lassen, sodass deren Kurse am Ende trotz chinesischer Verkäufe eher noch zulegen könnten. Als die Rating-Agentur Standard & Poor’s 2011 Amerikas Bonitätsnote gesenkt hatte – ironischerweise mit Verweis auf steigende Schulden und einen funktionsgestörten Politikbetrieb – flüchteten Anleger in US-Papiere und drückten die Rendite für zehnjährige Anleihen um mehr als einen Prozentpunkt nach unten. Das heißt: In unsicheren Zeiten steigt der Appetit nach amerikanischen Staatsanleihen nochmals an, auch wenn die USA selber der Grund für die zunehmende Unsicherheit sind! Neben dem Einfluss auf Kurse und Zinsen sind Wechselkurseffekte zu beachten. Würde China seine Dollar-Erlöse aus dem Verkauf von US-Staatspapieren zurück in Yuan tauschen, wertete die Währung auf, was die Exporteure des Landes träfe. Würden die Dollar-Erlöse hingegen in andere Währungen umgetauscht, etwa in Euro oder Yen, wären diese mit unerwünschten Aufwertungen konfrontiert. Auch hier wäre dann mit Gegenreaktionen zu rechnen. In den letzten Jahren stand der Yuan tendenziell unter Abwertungsdruck. Die jüngeren Verkäufe von US-Staatsanleihen durch die chinesische Zentralbank (und die anschließende Abgabe von Dollars (gegen Yuan) an Investoren) haben insoweit wohl eher dem Ziel gedient, den Prozess einigermaßen geordnet zu steuern, und sind nicht gemeint, einen Währungskrieg loszutreten. Immerhin hat die Führung der Volksrepublik ja vor kaum etwas mehr Angst als vor Instabilität im Finanzsektor. Die globale Dominanz des US-Dollars ist heute noch unangefochten. Wenn die USA wollen, dass das so bleibt, sollten sie diesen Vorteil nicht allzu sehr ausspielen und Handelspartner nicht drangsalieren. Wenn China will, dass sich das ändert und seine eigene Währung zu einer echten Alternative wird, dann braucht es offene Märkte, freien Kapitalverkehr, Transparenz im Finanzsektor und Rechtsstaatlichkeit.]]> Tue, 24 Sep 2019 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/chinas-devisenreserven-als-waffe-im-handelsstreit8008 <![CDATA[China]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/china <![CDATA[Doch aktuell ändert sich etwas. So lag Chinas Leistungsbilanzsaldo 2018 nur noch bei plus 0,4 Prozent der Wirtschaftsleistung. In diesem Jahr könnte er womöglich erstmals seit 1993 negativ werden. Der Überschuss schmilzt dahin, weil das Land reicher und älter wird. Indem die Konsumenten mehr Autos, Smartphones oder Designerklamotten haben wollen, nehmen die Importe stark zu. Gleichzeitig brummt der Tourismus der Chinesen. In der ersten Dekade dieses Jahrhunderts kam die Zahl der registrierten Reisen ins Ausland im Schnitt auf knapp 30 Millionen pro Jahr. 2018 lag sie dann bereits bei 150 Millionen. Die Alterung der Gesellschaft trägt zusätzlich dazu bei, dass die Sparrate der chinesischen Bevölkerung sinkt und damit die Differenz zwischen der gesamtwirtschaftlichen Ersparnis und den Investitionen (die letztlich dem Leistungsbilanzsaldo entspricht) fällt. Zwar unterliegt der Leistungsbilanzsaldo auch zyklischen Schwankungen. Zu den größten Importposten Chinas zählen etwa Öl und Halbleiter, deren Preise vergleichsweise volatil sind. Gleichwohl dürfte der Rückbau des Überschusses aus den oben genannten Gründen vor allem struktureller Natur und damit von Dauer sein. Während der IWF meint, China werde künftig nur noch sehr geringe Leistungsbilanzüberschüsse haben, hält Morgan Stanley auch mehrere Jahre mit Defiziten für möglich. In jedem Fall stellt die Entwicklung eine große Herausforderung für das chinesische Finanzsystem dar, das bis heute von staatlichen Akteuren dominiert wird und entsprechend Kapitalverkehrskontrollen und einer Steuerung des Wechselkurses unterliegt, weil man kaum etwas so sehr fürchtet wie Instabilität im Finanzsektor. Nun finden Leistungsbilanzüberschüsse ihre spiegelbildliche Entsprechung in einer Kreditgewährung an das Ausland und Leistungsbilanzdefizite in einer Verschuldung im Ausland. Das heißt: Sollte China ins Künftige tatsächlich immer auch mal wieder Jahre mit negativer Leistungsbilanz haben, muss es sich mehr für ausländisches Kapital öffnen. Hier hat es in der Vergangenheit durchaus Schritte in diese Richtung gegeben, allerdings nur zaghafte. Es braucht Reformen hin zu einem liberaleren Finanzsystem mit freiem Kapitalverkehr (in beide Richtungen, also nach China rein und aus China raus) und einem flexiblen Wechselkurs. Wie weit China hier am Ende zu gehen bereit ist, bleibt offen. Immerhin ist das Misstrauen gegenüber marktwirtschaftlichen Kräften nach wie vor groß. Erstaunlicherweise scheinen solche Aspekte in den gegenwärtigen Verhandlungen zwischen China und den USA über Handelsfragen keine Rolle zu spielen. Im Gegenteil, hier bestehen die Amerikaner dem Vernehmen nach vielmehr darauf, dass die Chinesen den Kurs ihrer Währung stabilisieren (und sich nicht durch Abwertungen künstliche Wettbewerbsvorteile verschaffen). Mit anderen Worten: Man denkt weiter in den Kategorien von Währungskriegen, anstatt die Trendumkehr in der Entwicklung des chinesischen Leistungsbilanzsaldos zum Anlass zu nehmen, auf eine willkommene Öffnung des Finanzsystems im Reich der Mitte hinzuwirken.]]> Mon, 19 Aug 2019 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/china7392 <![CDATA[Schuldenregeln]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/schuldenregeln <![CDATA[Begründet werden die Forderungen dabei regelmäßig mit der Notwendigkeit, marode gewordene Infrastruktur modernisieren bzw. zusätzliche neue aufbauen oder Mittel für den Klima- und Umweltschutz mobilisieren zu müssen. Angesichts von Nullzinsen ließen sich rentierliche Projekte, von denen auch spätere Generationen noch profitierten, schnell finden, und zwar ohne private Investitionen zu verdrängen. Und in der Tat: Wenn reales Wirtschaftswachstum plus Inflationsrate höher liegen als der Zinssatz, geht das Verhältnis bereits bestehender Schulden zum BIP zurück. In den USA scheint dies in historischer Betrachtung sogar die Norm zu sein – was freilich viel damit zu tun hat, dass der Dollar die Weltreservewährung ist. Schließlich wird argumentiert, dass langsames oder gar rückläufiges Wirtschaftswachstum die Tragfähigkeit öffentlicher Schulden genauso untergrabe wie zu hohe Defizite. Allerdings haben (restriktive) fiskalische Regeln wie die Schuldenbremse einen Sinn. Sie sollen einen permanenten Hang zum Schuldenmachen und der damit einhergehenden (ja ungefragten) Belastung künftiger Generationen verhindern. Zudem stabilisieren die Regeln Erwartungen an den Finanzmärkten, was dann für vergleichsweise günstigere Finanzierungsbedingungen sorgt. In einer Währungsunion wie der Eurozone sollen sie negative Spill-over-Effekte von einem auf andere Länder unterbinden. Je lockerer es der Staat mit seiner Ausgabendisziplin hält, desto stärker ist eine effiziente Ressourcenallokation in der Volkswirtschaft gefährdet. Auch können sich die Umfeldbedingungen ändern. Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass die Zinsen so niedrig bleiben oder dass der Dollar seinen Status als globale Reservewährung dauerhaft halten kann. Als das britische Pfund seine Vorrangstellung in den frühen 1930er Jahren verlor, machte Großbritannien, das damals eine Schuldenquote von mehr als 150 Prozent (vom BIP) hatte, eine Finanzkrise durch. Ob die Schuldenbremse hierzulande tatsächlich Investitionen verhindert (hat), ist fraglich. Denn sie regelt ja nur, dass die um Konjunktureinflüsse bereinigten Ausgaben des Staates allenfalls geringfügig höher sein dürfen als die bereinigten Einnahmen. Sie schreibt dagegen nicht vor, ob nun investive oder konsumtive Ausgaben getätigt werden. Hierüber entscheidet weiter die Politik. Zudem hindert die Regierungen nichts daran, andere Investitionsbarrieren abzubauen, etwa Bürokratie oder Engpässe bei Planungskapazitäten. Auf eine kurze Formel gebracht heißt das: Auch und gerade Staatsverschuldung gibt es nicht umsonst. Und da die Geldpolitik im nächsten Abschwung bald an Grenzen kommen könnte, weil sie die Zinsen kaum mehr senken kann, dürfte die Fiskalpolitik dann weitaus stärker gefordert sein. Womöglich täte man also gut daran, das Pulver bis dahin einigermaßen trocken zu halten.]]> Tue, 16 Jul 2019 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/schuldenregeln7272 <![CDATA[Ölpreis]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/oelpreis <![CDATA[Zu nennen sind hier allen voran die Sanktionen der USA gegen den Iran, die zuletzt noch weiter verschärft worden sind, die Kämpfe in Libyen oder das Chaos in Venezuela. Zudem waren die Lagerbestände schon mal höher. Unklar ist, wie sich die OPEC-Länder und Russland verhalten werden. Einerseits haben sie angekündigt, Angebotsschocks ausgleichen und so den Ölmarkt weiter im Gleichgewicht halten zu wollen. Gleichzeitig lassen sie aber verlauten, mit dem gegenwärtigen Preislevel ganz gut zurechtzukommen und insoweit keinerlei unmittelbaren Handlungsdruck zu verspüren. Somit stellt sich die Frage, was ein höherer Ölpreis gegenwärtig für die globale Konjunktur bedeutet. Hier stehen sich unterschiedliche Effekte gegenüber. Zunächst mal beschert ein steigender Ölpreis den Produzentenländern zusätzliche Erlöse, die sie verausgaben können. Darüber hinaus stimuliert er Investitionen in Fracking, welche die Nachfrage ebenfalls erhöhen. Auch schafft er Anreize zum Energiesparen und löst auf diese Weise mehr Investitionen in energieeffiziente Technologien aus. Demgegenüber stehen allerdings negative Effekte für Verbraucher. Teureres Öl und Benzin schmälern die Kaufkraft der Konsumenten für andere Dinge – sowohl in Amerika, aber vor allem auch in den Ländern Asiens und Europas. Ohnehin schon kriselnde Schwellenländer wie Argentinien, Pakistan oder die Türkei werden besonders empfindlich getroffen, weil ein höherer Preis für importiertes Rohöl die Inflationsrate weiter antreibt und das Leistungsbilanzdefizit noch größer macht. Indem ein steigender Ölpreis die allgemeine Preissteigerungsrate erhöht, könnte er schließlich auch die Notenbanken unter Zugzwang setzen. Denn diese müssten dann gegebenenfalls die Zinsen erhöhen, was für gewöhnlich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage dämpft. In der aktuellen Situation, in welcher das weltwirtschaftliche Wachstum ohnehin nachlässt, dürften die nachteiligen Effekte eines anziehenden Ölpreises unterm Strich stärker wiegen als die positiven. Teurer werdendes Öl stellt insoweit also ein Konjunkturrisiko dar, das man im Hinterkopf behalten sollte. Immerhin: Auf die mittlere bis lange Sicht sollte die OPEC – und hier insbesondere der größte Produzent Saudi Arabien – eigentlich kein Interesse an einem zu hohen Ölpreis haben. Denn letztlich beförderte er doch die amerikanische Fracking-Industrie und brächte damit verstärkt Konkurrenz auf den Plan. ]]> Fri, 24 May 2019 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/oelpreis7014 <![CDATA[Venezuela]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/venezuela <![CDATA[Schon im antiken Rom gab es Hyperinflationen – unter Kaiser Diokletian (der von 284 bis 305 n. Chr. herrschte). Häufiger wurden sie mit der Einführung von Papiergeld, also Währungen, die von keinem physischen Vermögenswert, etwa Gold, mehr gedeckt sind. Das letzte Jahrhundert brachte hyperinflationäre Phasen nach den beiden Weltkriegen, während des Übergangs ehemaliger Sowjetrepubliken vom Kommunismus zum Kapitalismus oder in etlichen Ländern Afrikas und Lateinamerikas. Im engeren Sinne sind Hyperinflationen stets ein rein monetäres Phänomen. Sie treten auf, wenn viel zu viel Geld in Umlauf gebracht wird. Die eigentliche Frage aber ist, wie kommt es dazu? Hier ist die Antwort fast immer die gleiche: Ein Zusammenbruch der Regierungsführung macht es mehr oder weniger unmöglich, die fiskalischen Lasten des Staates noch irgendwie zu managen. Immer größere Budgetdefizite untergraben das Vertrauen in die staatliche Einnahmen- und Ausgabenpolitik. (Internationale) Investoren wenden sich ab. Die Währung verliert dramatisch an Wert, was Importe stark verteuert etc. Den gescheiterten Regierungen gelingt es dann nicht, notwendige Reformen einzuleiten, weil sie hierdurch die Rückendeckung derjenigen Interessengruppen im Land verlieren würden, denen sie (noch) ihren Machterhalt verdanken. Stattdessen flüchten sie sich in Seigniorage-Einkünfte, d. h. ins Drucken von Banknoten, deren nomineller Wert höher ist als ihre Druckkosten. Das alles lässt die Inflationsrate immer weiter explodieren. Lange dachte man, von Hyperinflationen heimgesuchte Volkswirtschaften säßen dauerhaft in der Falle, weil sich die Erwartungen stark steigender Preise immer mehr verfestigen würden. Dem trat der US-amerikanische Ökonom Thomas J. Sargent (Wirtschaftsnobelpreisträger von 2011) mit einem bahnbrechenden Beitrag aus dem Jahr 1981 entgegen. Danach kann es durchaus gelingen, eine Hyperinflation schnell wieder zu beenden. Voraussetzung dafür allerdings ist, einen wirklich glaubwürdigen Politikwechsel zu vollziehen, der das Vertrauen in die fiskalische Solidität wieder herstellt. Bolivien ist so ein Fall. Nach Jahren mit galoppierenden Preissteigerungsraten übernahm 1985 eine neue Regierung. Sie erhöhte die Steuern, kürzte öffentliche Ausgaben, fror die Gehälter von Staatsbediensteten sowie Zinszahlungen auf ausstehende Schulden ein und brachte so den Staatshaushalt wieder ins Lot. Zudem koppelte sie den Wechselkurs der Landeswährung an den Dollar und ließ sich vom IWF helfen. Binnen kürzester Zeit gingen die Preise zurück, statt weiter mit fünfstelliger Rate zu steigen. Zurück zu Venezuela, wo die deutsche Elektroindustrie 2018 Exporte von gerade einmal elf Millionen Euro abgesetzt hat: Dass auch hier massives Staats- und Regierungsversagen für die aktuelle Hyperinflation verantwortlich zeichnet, steht wohl außer Frage. Das Siechtum zu beenden und die Krise hinter sich zu lassen, erfordert glaubwürdige wirtschaftspolitische Reformen. Je schneller, desto besser. ]]> Tue, 16 Apr 2019 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/venezuela6866 <![CDATA[Stifterverband: neue Erhebung zu Forschung und Entwicklung gestartet]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/stifterverband-neue-erhebung-zu-forschung-und-entwicklung-gestartet <![CDATA[Forschende Unternehmen erhöhen Deutschlands Chancen im internationalen Wettbewerb und helfen, den Wohlstand in unserem Land langfristig zu sichern. Daher sind die FuE-Daten des Wirtschaftssektors ein zentraler Teil der Gesamtstatistik für die Beurteilung von Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands. Auf Grundlage der FuE-Daten können Politik, Unternehmen, Wirtschaftsverbände und Forschungsinstitute wichtige Schlüsse ziehen oder Entscheidungen treffen, da die Daten über die Jahre für einzelne Branchen, Regionen oder Unternehmenstypen vorliegen und auch international vergleichbar sind. Einzelangaben der Unternehmen werden streng vertraulich behandelt. Es werden nur aggregierte Daten veröffentlicht, die keine Rückschlüsse auf einzelne Meldungen zulassen. Der Stifterverband wird an die forschenden Unternehmen herantreten und ihnen einen Fragebogen zusenden. Der ZVEI unterstützt die Teilnahme an der FuE-Erhebung ausdrücklich und bittet um Beantwortung des Fragebogens. Informationen zu Ergebnissen früherer FuE-Umfragen sowie weitere Publikationen zum Thema Forschung und Entwicklung finden Sie unter www.wissenschaftsstatistik.de. Die Daten sind auch in die ZVEI-Benchmarking-Broschüre „Forschung & Entwicklung, Innovationen und Patente der deutschen Elektroindustrie im Branchenvergleich“ eingeflossen. Für Rückfragen stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stifterverbandes gerne unter FuE-Erhebung@Stifterverband.de oder +49 (0)201 8401 429 zur Verfügung. ]]> Tue, 16 Apr 2019 00:00:00 +0200 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/stifterverband-neue-erhebung-zu-forschung-und-entwicklung-gestartet6877 <![CDATA[Dollar-Kurs]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/dollar-kurs <![CDATA[Hinter der Erwartung einer perspektivischen Abwertung des Greenbacks steht die Überlegung, dass die USA eine außergewöhnliche Dekade mit hohem Wirtschaftswachstum durchlaufen haben, die jetzt allerdings so langsam an ihr Ende komme. So liefen die stimulierenden Effekte der Steuerreform aus; die Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank Fed hinterließen mittlerweile Spuren; niedrigere Ölpreise nähmen der Fracking-Industrie Anreize zu Investitionen; die Börsenkurse seien zu hoch; die Technologiekonzerne verwundbarer als früher usw. Kurz: Das amerikanische Wachstum werde relativ zu dem im Rest der Welt wieder zurückgehen. Grundsätzlich kann dies auf zwei Arten und Weisen geschehen – indem das Wachstum in den anderen Ländern vergleichsweise stärker anzieht oder indem es in den USA relativ stärker fällt. Dabei ist das erste Szenario aus globaler Perspektive sicher das freundlichere. Hier würden die Handelsstreitigkeiten gelöst. Das Wachstum in China legte – auch aufgrund geld- und fiskalpolitischer Impulse in dem Land – wieder zu und zöge andere asiatische Volkswirtschaften und Schwellenländer mit. Davon profitierte nicht zuletzt der Euroraum. Der Brexit fiele weich aus; die Renditen von Staatsanleihen und Aktienkurse stiegen; es flösse wieder mehr Kapital in die Schwellenländer usf. Das heißt: Der Dollar fiele, weil sich etliche globale Risiken auflösen und deshalb andere Währungen wieder attraktiver werden. Das zweite Szenario ist weniger schön. So könnten die Handelsstreitigkeiten auch ebenso eskalieren. Stimulierende Maßnahmen in China könnten verpuffen, weil zusätzliches Geld nicht konsumiert und investiert, sondern gespart wird. Andere Volkswirtschaften gerieten in den Abwärtssog. Anleger würden Schwellenländer meiden und sich von riskanten Vermögenswerten trennen usw. Der Dollar verlöre also an Wert, weil Investoren in besonders krisenbewährte Währungen wie den Schweizer Franken oder den japanischen Yen oder in Gold flüchten. Freilich liegen zwischen diesen beiden extremen Szenarien viele weitere Möglichkeiten. Eine unmittelbare Kurskorrektur des Dollars dürfte auch insoweit nicht bevorstehen, als die Zinsen in Amerika bislang ja noch deutlich höher liegen als in anderen Industrieländern, sich die Handelsgespräche zwischen den USA und China nur langsam dahinziehen und die Konjunktur in der Eurozone abkühlt. Dies alles unterstützt den Dollar – noch. Gleichwohl raten nicht wenige Banken ihren Kunden bereits, ihre Portfolios gegen eine Abwertung des Greenbacks abzusichern. ]]> Wed, 13 Mar 2019 00:00:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/dollar-kurs6428 <![CDATA[Schwellenländer - Doppeltes Risiko]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/schwellenlaender-doppeltes-risiko <![CDATA[Was heißt es für eine Investition, wenn in Brasilien mit Jair Bolsonaro ein neuer Präsident gewählt worden ist, der Sympathien für eine Militärdiktatur übrig hat? Wenn der neue, linkspopulistische Präsident Mexikos, Andrés Manuel López Obrador, ein milliardenschweres Flughafenprojekt cancelt, das bereits zu einem Drittel gebaut wurde? Wenn die Türkei in ein Präsidialsystem transformiert wird? Wenn Indiens Premierminister Narendra Modi den Notenbankchef austauscht, um seine Wiederwahlchancen zu erhöhen oder wenn das Parlament in Südafrika eine Verfassungsänderung beschließt, die künftig Landreformen ohne Kompensationszahlungen möglich machen soll? Eine solide Risikoeinschätzung ist bei Anleihen schon deshalb angezeigt, weil Chancen und Wagnisse hier asymmetrisch verteilt sind. Einem möglichen Totalverlust des Einsatzes stehen ja nur limitierte Ertragschancen gegenüber. Auf mehr als die vereinbarten Zinsen sowie die Rückzahlung des Kapitals kann man nicht setzen. Beim wirtschaftlichen Risiko geht es um die Frage der Fähigkeit zum Kapitaldienst, also der Zahlung von Zins und Tilgung. Hier ist die Schuldenquote (im Verhältnis zum Sozialprodukt) die zentrale Kennzahl. Sie wird beeinflusst von der Höhe der Zinsen, vom Wirtschaftswachstum und vom Haushaltsgebaren. Auf eine Formel gebracht: Umso mehr der Zinssatz (der Staatsanleihen) das BIP-Wachstum übersteigt, desto höhere Primärüberschüsse (Haushaltsüberschüsse vor Zinszahlungen) sind notwendig, damit die Schuldenquote nicht steigt. In der Gruppe der gesamten Schwellenländer liegt diese Quote übrigens nur bei 50 Prozent, verglichen mit 105 Prozent in den Industrieländern. Freilich gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Mexikos Quote liegt nah am Durchschnitt und ist recht stabil. In Brasilien dagegen übertrifft sie locker 80 Prozent und steigt weiter. Das politische Risiko besteht in der Zahlungswilligkeit der Regierungen. Es ist regelmäßig schwieriger einzuschätzen als das wirtschaftliche Risiko, weil hier Interessen ins Spiel kommen. Wird die Regierung ihre knappen Mittel zuallererst für die Bedienung von Auslandsschulden verwenden oder zunächst mal heimische Ansprüche von Staatsbediensteten, Rentnern, Arbeitslosen etc. bedienen wollen? Der Säumnis-Anreiz dürfte dabei umso höher sein, je mehr der Schulden in Auslandswährung denominiert sind, denn US-Dollars können die Notenbanken der Schwellenländer nicht selber drucken. Für das politische Risiko müssen die Schwellenländer eine (zusätzliche) Prämie anbieten, um ihre Staatsanleihen am Kapitalmarkt unterzubringen. Aus Anlegersicht macht es auch Sinn, Investitionen zu diversifizieren, also auf mehrere Länder zu verteilen, denn die meiste Zeit ist es ja so, dass sich die Dinge in manchen Schwellenländern verbessern und dafür in anderen verschlechtern. Viele Schwellenländer wurmt es, dass sie höhere Zinsen anbieten müssen als die Industrieländer, obgleich auch hier politische Risiken existieren. Hängt das Überleben des Euros am Ende nicht davon ab, ob es den Nord- und Südländern gelingen wird, sich politisch auf eine wie auch immer geartete Form von Fiskalunion zu verständigen? Und in welche Risikokategorie sollte man eigentlich eine unterfinanzierte Steuerreform, protektionistische Maßnahmen sowie Angriffe auf die Unabhängigkeit der Notenbank in den USA einordnen?]]> Thu, 14 Feb 2019 00:00:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/schwellenlaender-doppeltes-risiko6337 <![CDATA[Betriebswirtschaftliche (Vergleichs-)Kennzahlen nutzen]]> https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/betriebswirtschaftliche-vergleichs-kennzahlen-nutzen <![CDATA[Der ZVEI bietet seinen Mitgliedsfirmen im Rahmen der „Benchmarking-Initiative“ die Möglichkeit, ihre jeweiligen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen den für die relevante(n) Referenzgruppe(n) ermittelten Vergleichswerten gegenüberzustellen. Die Firmen können sich auf diese Weise mit ihrer Branche messen und ggf. Maßnahmen zur Verbesserung ableiten. Bspw. untersucht die Erhebung „Jahresabschlusskennzahlen“ 30 Kennziffern aus Bilanz und GuV. Die Kennzahlen werden dabei in sechs Bereiche unterteilt (Umsatz und Wertschöpfung, Rendite, Umsatzkosten- und Gesamtkostenverfahren, Umschlaghäufigkeiten, Investitionen sowie Lagerkennzahlen). Die allgemeine Auswertung unterscheidet nach fünf Größenklassen und sechs Teilbranchen (Automation, Bauelemente, Energie, Hausgeräte, Installation und Licht). Sie steht allen ZVEI-Mitgliedern zur Verfügung. Die Teilnehmer der Umfrage erhalten darüber hinaus eine differenzierte Analyse mit rund 40 Sonderauswertungen, etwa eine Differenzierung der Automation einerseits nach drei Fachbereichen (Elektrische Antriebe, Messtechnik & Prozessautomatisierung sowie Schaltgeräte, Schaltanlagen & Industriesteuerungen) sowie andererseits nach drei Größenklassen. Die separate Erhebung „Kommunikationskosten“ ermittelt den Anteil des Kommunikationsbudgets am Umsatz sowie die jeweiligen Anteile von 14 Instrumenten an diesem Budget. Die Kommunikation wird dabei in zwei Bereiche unterteilt: Marketing- sowie Unternehmenskommunikation. Die allgemeine Auswertung ist untergliedert nach den o.g. sechs Teilbranchen und drei Größenklassen. Sie steht ebenfalls allen ZVEI-Mitgliedern zur Verfügung. Auch hier gibt es eine Sonderauswertung für die Teilnehmer, etwa die Differenzierung der Teilbranche Installation einerseits nach zwei Fachbereichen (Installationsmaterial sowie Schalter-, Sprech- und Oberflächensysteme) sowie andererseits nach drei Größenklassen.]]> Thu, 01 Jan 1970 01:00:00 +0100 https://www.zvei.org/themen/maerkte-recht/konjunktur-analysen/betriebswirtschaftliche-vergleichs-kennzahlen-nutzen12351