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27.10.2021

Fortschritt und Verantwortung: Nachhaltigkeit in der Elektro- und Digitalindustrie

Das Leitbild der Nachhaltigkeit setzt sich zusammen aus einer sozialen, einer wirtschaftlichen und einer ökologischen Dimension und ist sowohl auf die Gegenwart als auch auf die Zukunft ausgerichtet. 2015 haben die Vereinten Nationen im Rahmen der „Agenda 2030“ siebzehn globale Nachhaltigkeitsziele – die Sustainable Development Goals (SDGs) – formuliert. Sie prägen seitdem die Nachhaltigkeitsdebatte und bieten als globaler Handlungs- und Orientierungsrahmen eine Richtungsweisung für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – auch für die Elektro- und Digitalindustrie. Mit welchen Lösungen kann unsere Branche einen Beitrag leisten, wo liegen Möglichkeiten für Synergien, wo gibt es aber auch Zielkonflikte? Das stellen wir hier vor:

 

Relevanz der SDGs für die Elektro- und Digitalindustrie 

Der Wirtschaft kommt eine große Hebelwirkung zu: Jedes Kerngeschäft eines Unternehmens bietet das Potenzial, sowohl nachhaltig zu wirtschaften, positive Einflüsse zu maximieren aber auch mögliche negative Einflüsse über die gesamte Wertschöpfungskette zu mindern. Dies gilt im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten auch unabhängig von der Größe eines Unternehmens. 

  • Wie also sich dem Thema Nachhaltigkeit annähern?

  • Was sind konkrete Beispiele von Unternehmen aus, die sich mit den SDGs bereits auseinandersetzen?

Vor dem Hintergrund dieser Fragen hat der ZVEI 2019 den "Wegweiser für nachhaltige Entwicklung" veröffentlicht, um Unternehmen bei der Annäherung an das Thema Nachhaltigkeit zu unterstützen. Naturgemäß sind alle SDGs relevant, jedoch entfaltet sich für die Elektro- und Digitalindustrie für bestimmte Ziele eine besondere Hebelwirkung. Für andere Ziele wiederum bestehen Relevanz und Herausforderung insbesondere darin, potenziell negative Einflüsse zunehmend zu minimieren. Diesem Gedanken folgt unsere Einschätzung und Priorisierung der Ziele – SDG Nr. 17 ist übergreifend relevant im Sinne des Verbands als Plattform für Partnerschaften. 

Die Entwicklungsziele sind primär an Regierungen adressiert – sie sind daher als Indikation zu verstehen und nicht immer 1:1 als Unternehmensziele übernehmbar. Dennoch kann und muss die Wirtschaft zu ihrer Erreichung beitragen – sowohl im positiven Sinne, z. B. mit Technologien für den Klimaschutz, als auch im Sinne der Vermeidung potenziell negativer Einflüsse, z. B. Ressourcenverbrauch.


Weitere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit im ZVEI    

SDG-Akkordeon

SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz

Die All-Electric-Society ist geprägt durch die intelligente Kopplung von klimarelevanten Sektoren wie Energie, Gebäude, Mobilität und Industrie – für die Wasserstoff und synthetische Brennstoffe als Speicher eine wichtige Rolle spielen werden. Strom aus erneuerbaren Quellen ist ihr verbindendes Element. Die All-Electric-Society ist zudem ein wichtiger Katalysator für eine Kreislaufwirtschaft. 

Die Elektrifizierung ist - neben der Digitalisierung - Haupttreiber für mehr Klimaschutz. Mit weiteren technischen Fortschritten entfalten die Klimaschutztechnologien der Elektro- und Digitalindustrie eine hohe Wirkung und sichern nachhaltiges Wachstum. 
Weitere Informationen zum Themenfeld Energie und Klima finden Sie auf unserer Themenseite

SDG 1: Maßnahmen gegen Armut

Positiv beeinflusst wird die wirtschaftliche Lage in Afrika durch eine vielfach gewachsene politische Stabilität in dieser Weltregion. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden verbessert, was in vielen Fällen zu wachsenden Einkommen und so zur Stabilisierung afrikanischer Gesellschaften geführt hat. In Bezug auf die globale Perspektive nachhaltiger Entwicklung und zur Förderung der Kooperation deutscher Unternehmen mit Entwicklungs- und Schwellenländern arbeitet der ZVEI seit Jahren intensiv mit Entwicklungszusammenarbeit-Scouts (EZ) des Bundesentwicklungsministeriums zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit ist beispielsweise ein Projekt zur Information der deutschen Elektroindustrie zu Märkten in afrikanischen Entwicklungs- und Schwellenländern entstanden. Aktuell entstehen mit Unterstützung des EZ-Scouts je ein Industriecluster Fügetechnik sowie Automatisierungstechnik in Marokko, die neben Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen auch einen Know-how-Transfer auf Managementebene vorsehen und so ein sektorübergreifendes Netzwerk deutscher und marokkanischer Unternehmen mit innovativen Themen der Elektroindustrie ermöglichen.

SDG 7: Maßnahmen für bezahlbare, verlässliche, nachhaltige und moderne Energie

Erneuerbare Energien spielen eine zunehmend wichtige Rolle bei der Stromversorgung. Wir benötigen diese, um die Klimaschutzziele bis 2050 zu erreichen. Strom aus erneuerbaren Energien wird oft fluktuierend erzeugt – vor allem wind- und sonnenabhängig. Den erforderlichen Ausgleich können elektrische Energiespeicher schaffen. Sie sind in der Lage, lokale und regionale, kurz- und langfristige sowie sektorenübergreifende Flexibilität zu gewährleisten. Sie stabilisieren so das Energiesystem, tragen zur Versorgungssicherheit bei und sind grundlegend für eine verlässliche, nachhaltige und moderne Energieversorgung.

Die Elektroindustrie spielt als Zulieferer und Hersteller von elektrischen Energiespeichern eine entscheidende Rolle. Insbesondere bei Blei-Säure-Batterien und Lithium-Ionen-Batterien, wobei letztere immer wichtiger werden. Ob dezentral in Privathäusern mit Photovoltaikanlagen, in öffentlichen Einrichtungen als Notstromspeicher oder auch direkt verbunden mit gewerblichen Photovoltaik- oder Windkraftanlagen – Batteriespeicher werden in diversen Konstellationen benötigt. Damit leisten sie einen elementaren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung, insbesondere zum UN-Nachhaltigkeitsziel Nummer sieben.
Weitere Informationen zum Themenfeld Energie und Klima finden Sie auf unserer Themenseite

SDG 12: Nachhaltiger Konsum und Produktion

Für die Elektroindustrie ist SDG 12 von hoher Bedeutung: Mit ihren Produkten kann sie sowohl bei der Herstellung als auch im Rahmen der Nutzungsphase einen aktiven Beitrag zur Erreichung des UN-Ziels leisten. Elektronische Produkte, die ihr Lebensende erreicht haben, verstehen wir nicht als Abfall, sondern als Quelle für wiederverwertbare Rohstoffe. Daher steht das Thema Circular Economy aus unserer Sicht auch zurecht ganz oben auf der politischen Agenda. 

Aufgrund langjähriger Erfahrungen mit der Umsetzung von nachhaltigkeitsbezogenen Anforderungen steht die Elektroindustrie bereit, Lösungen konstruktiv und zielführend mitzugestalten. Dabei sollte auf eine Balance zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Umwelt- und Klimaschutz sowie gesellschaftlicher Verantwortung geachtet werden. Nur dann ist die anstehende Transformation tatsächlich nachhaltig. Entsprechend eng ist aus Perspektive der Elektroindustrie die Verknüpfung mit den SDGs 13 (Klimaschutz) und 8 (Nachhaltiges Wirtschaftswachstum).

Kunststoffrezyklate sind ein konkretes Beispiel für die Relevanz von SDG 12 in der Elektroindustrie. Im ZVEI-Wegweiser zu Kunststoffrezyklaten in der Elektroindustrie diskutieren wir aktuelle Herausforderungen und zeigen auf, wie Unternehmen das Thema in der Praxis nachhaltig umsetzen können. Diese und weitere Informationen rund um die Elektroindustrie und eine nachhaltige Produktion finden Sie auf unserer Themenseite Umwelt.

SDG 15: Leben an Land

Jedes Jahr fallen in Deutschland etwa 20 kg Elektroaltgeräte pro Einwohner an. Mit der richtigen Entsorgung kann jede/r Einzelne dazu beitragen, dass die darin enthaltenen Rohstoffe wiederverwertet werden können und potenziell schädliche Inhaltsstoffe nicht in die Natur gelangen. So werden Landökosysteme geschützt. Wie man Elektroaltgeräte richtig entsorgt, haben wir hier zusammengefasst. 

Die Hersteller der Elektroindustrie setzen sich seit jeher aktiv dafür ein, dass Elektroaltgeräte ordnungsgemäß entsorgt werden und die Möglichkeiten zur Rückgabe für die Verbraucher:innen möglichst vereinfacht werden. So wurde beispielsweise im November 2019 durch die Gemeinsame Stelle der Hersteller (Stiftung ear - Elektro-Altgeräte Register) eine mehrjährige, deutschlandweite Kampagne gestartet, die Verbraucher über die Möglichkeiten der richtigen Elektroaltgeräte-Entsorgung informiert. Der ZVEI und seine Mitglieder unterstützen diese Kampagne.

SDG 8: Menschenwürdige Arbeit uns Wirtschaftswachstum

Mit derzeit knapp 866.000 Beschäftigen im Inland und circa 777.000 im Ausland sowie 182 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2020 ist die Branche einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Mit 44 Prozent hat sie zudem die höchste Wertschöpfungsquote aller großen Industriebranchen in Deutschland.
Zum SDG 8 hat die Elektro- und Digitalindustrie daher diverse Anknüpfungspunkte, insbesondere in den Bereichen Wirtschaftswachstum, Wertschöpfung und Arbeitsplätze aber auch Ressourceneffizienz oder Maßnahmen gegen Zwangsarbeit und moderne Sklaverei.

Die Elektro- und Digitalindustrie liefert wichtige Technologien, die zu mehr Energie- und Ressourceneffizienz beitragen und damit zu einer Circular-Economy. Darüber hinaus treibt die Branche Initiativen zur Ressourcenschonung, wie das Digitale Typenschild 4.0, maßgeblich voran. Das Digitale Typenschild 4.0 ist ein Grundbaustein für die Digitalisierung der Produktion. Es reduziert Komplexität, spart Kosten und entlastet die Umwelt.

Mit dem ZVEI-Code of Conduct unterstützt die Elektro- und Digitalindustrie bereits seit vielen Jahren die Wahrung der Menschenrechte und das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit.

SDG 10: Weniger Ungleichheiten

Die Elektro- und Digitalindustrie bietet mit ihrem breiten Produktspektrum in Wachstumsregionen und sich entwickelnden Ländern wichtige Lösungen für zentrale Wirtschafts- und Lebensbereiche: Dazu zählen z. B. eine sichere und energieeffiziente Stromversorgung, moderne Medizintechnik, intelligente und klimaschonende Automatisierungstechnik sowie stabile Kommunikationsnetze. Mit ihren Technologien trägt die Branche indirekt zu SDG 10 bei, globale Ungleichheiten zu verringern.
Der ZVEI unterstützt seine Mitgliedsunternehmen beim Auslandsgeschäft in Schwellen- und Entwicklungsländern u. a. durch sein Kooperations- und Dialognetzwerk auf politischer Ebene. Dazu zählen auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) oder die Exportinitiativen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

SDG 14: Leben unter Wasser

Ozeane werden im Zuge des Klimawandels oft nur mit einem Anstieg des Meeresspiegels in Verbindung gebracht. Unbeachtet bleibt meist, dass infolge der Lösung von CO2 im Oberflächenwasser die Meere versauern. Das hat erhebliche Folgen für alle Meeresbewohner – und damit langfristig auch für den Menschen. Entsprechend existiert eine enge Beziehung zwischen SDG 14 mit SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz). 

Die Elektro- und Digitalindustrie leistet im Themenfeld Energie und Klima mit ihren Technologien einen entscheidenden Beitrag. Ob Energieeffizienz, E-Mobilität, Wärmepumpe oder digitale Stromnetze, die Lösungen der Elektro- und Digitalindustrie tragen zum Klimaschutz bei und damit indirekt auch zur Erhaltung der Ozeane, Meere und Meeresressourcen. Wichtig ist jetzt, dass sie auch endlich in der Breite zum Einsatz kommen und skalierbar werden.

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

Der Zugang zu hochwertigen Gesundheitsdiensten für alle Lebensphasen ist ein wichtiges Ziel im SDG 3. Denn Nachhaltigkeit bedeutet auch Zugang zu moderner Gesundheitsversorgung mit innovativer Technik für alle und überall.  Mit moderner Gesundheitstechnologie kann medizinisches Expertenwissen auch über weite Flächen und für alle Patienten zur Verfügung gestellt werden, wenn eine vernetzte Gesundheitsinfrastruktur zur Verfügung steht. Die Elektro- und Digitalindustrie ist hierbei ein wichtiger Partner.

Die Digitalisierung sowie der Wandel hin zu einer All-Electric Society sind direkte oder indirekte Bausteine für eine gesündere Gesellschaft. Sie sind der rote Faden beim Schutz von Gesundheit und Wohlergehen für alle: von der Kühlung von Säuglings- und Kleinkindernahrung zu Vermeidung von Durchfallerkrankungen, über saubere Elektrizität im Haushalt zur Vermeidung von Luftverschmutzung und somit Herz-Kreislauf- sowie Atemwegserkrankungen bis hin zum erleichterten Zugang zur Gesundheitsversorgung mittels mobiler Medizintechnik und neuen digitalen Lösungen, wie Telemedizin und Electronic Health Records. 
Vorsorgeuntersuchung mit Ultraschall während der Schwangerschaft und nach der Geburt leisten zum einen einen wichtigen Beitrag, um die Müttersterblichkeit, Sterblichkeit von Neugeborenen und das Risiko von Frühgeburten zu senken.

Zum anderen unterstützt moderne Medizintechnik in der Prävention und Früherkennung von nichtübertragbaren Krankheiten: Softwareanwendungen und KI-Anwendungen kombiniert mit mobilen EKG- und Ultraschallgeräten oder mit Röntgengeräten unterstützen bei der Früherkennung und rechtzeitigen Diagnose von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vielen Krebserkrankungen, zum Beispiel Brustkrebs oder Lungenkrebs.

Der Einsatz von modernen Technologien in der Gesundheitsversorgung kann insbesondere die Länder unterstützen, die aktuell noch einen langen Weg vor sich haben, um die Ziele des SDG 3 zu erreichen.

Mehr zum  Thema Gesundheit und Medizintechnik im ZVEI

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