Koalitionsvereinbarung 2021

Positionen der deutschen Elektro- und Digitalindustrie

Leitmarkt Gebäude

  • Die geplante breite und systematische Nutzung von Sanierungsfahrplänen für Wohnungseigentumsgemeinschaften und beim Kauf eines Gebäudes werden die Transparenz für den Käufer erhöhen, indem sie den tatsächlichen Zustand inkl. Sanierungsbedarf aufzeigen. Gleichzeitig bildet der Sanierungsfahrplan die Basis, um Fördergelder im Rahmen der BEG zu beantragen. Dass die Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude nicht nur fortgeführt, sondern ausgeweitet wird, ist der absolut richtige Schritt. Dabei müssen auch zukünftig die richtigen Anreize für den Einsatz von effizienten Technologien gesetzt werden. 

  • Indem der Energieausweis verbessert, vereinheitlicht und digitalisiert wird, schafft der Gesetzgeber künftig mehr Transparenz und Vergleichbarkeit. Ergänzend sollte der vorgesehene Bau-, Wohnkosten- und Klimacheck als Instrument sinnvoll ausgestaltet werden. In der richtigen Ausgestaltung kann der Smart Readiness Indicator (SRI) das richtige Mittel sein. Um die Transparenz beim Gebäudebestand dauerhaft zu erhöhen, sollte ein längst überfälliges digitales Gebäudeenergiekatasters erstellt und flächendeckend eingesetzt werden. 

  • Gute Maßnahmen wie die Schaffung von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr inkl. Erhöhung der Neubaustandards dürfen nicht mit dem Sanierungsbedarf konkurrieren. Neben den ordnungsrechtlich vorgesehenen Maßnahmen wie Anpassung des GEG, Einführung einer Solarpflicht, beschleunigter Ausbau der Photovoltaik müssen auch die Quartiere, Investoren und Handwerksbetriebe entsprechend unterstützt werden. Wir brauchen gut qualifizierten Fachkräfte und müssen diese durch eine Qualifizierungsoffensive aus- und weiterbilden. 

  • Voraussetzung ist immer Planungssicherheit: Die genaue Ausgestaltung und technologiebezogene Konkretisierung muss schnellstmöglich in einem ambitioniertem GEG erfolgen, um Investitionssicherheit für Industrie, aber auch deren Kunden zu schaffen.

  • Mit dem geplanten digitalen Gebäuderessourcenpass wird die Grundlagen geschaffen, den Einsatz grauer Energie sowie die Lebenszykluskosten verstärkt betrachten zu können. Aus Sicht des ZVEI muss dieser verhältnismäßig ausgestaltet werden: Insbesondere Aufwand und Verfügbarkeit bei der Befüllung müssen gewährleistet werden – dann kann das Ziel einer transparenten Kreislaufwirtschaft im Gebäudebereich möglich werden. Ein gutes Instrument kann dabei das modulare und serielle Bauen und Sanieren sein. Hier darf Individualisierung und Technologieoffenheit jedoch nicht vernachlässigt werden. 

  • Auf Basis des EU-Programm „Fit for 55“ soll im Gebäudesektor endlich das Mieter-Vermieter-Dilemma angegangen werden. Aus Sicht des ZVEI muss hier Ausgewogenheit das Ziel sein: Sowohl die Motivation für den Vermieter, in effizientere Gebäudetechnologien zu investieren, als auch das Nutzerverhalten des Mieters sind zu berücksichtigen. Hieran knüpft zudem das Thema Altersgerechtes Wohnen und Barriere-Abbau an: unterstützt durch bereits vorhandene Technologien können Menschen länger in ihrem gewohnten Umfeld leben. Die KfW stellt die entsprechenden Mittel zur Verfügung. 

  • Der Bundesbau ist Vorbild bei der Digitalisierung und den bau-, wohnungs- und klimapolitischen Zielen. Bau- und Immobilienwirtschaft sowie alle Ebenen der Verwaltung setzen sich für die Digitalisierung ein und dafür, Open-BIM und einheitliche Schnittstellen/Standards umzusetzen. BIM Deutschland soll gestärkt werden.

  • Es soll ein „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ mit allen wichtigen Akteuren geschlossen werden. Dieses Bündnis muss ausgewogen besetzt werden, andernfalls besteht die Gefahr, dass nur Investitionskosten, aber nicht der Verbrauch und die Lebenszykluskosten betrachtet werden. Mit Blick auf hohe Energiestandards im Gebäudesektor und die ambitionierten Klimaziele ist gerade die Betrachtung der Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg ein wichtiger Faktor. Investitionen etwa in eine moderne Gebäudeautomation oder Beleuchtungsanlagen müssen den Einsparungen – ob finanzieller Art oder in Form von geringeren Emissionen etc. – über die komplette Lebensdauer gegenübergestellt werden.
  • Wenn die Arbeit der Baukostensenkungskommission fortgesetzt wird, muss künftig die Ausgestaltung der aus ihrer Arbeit resultierenden unabhängigen Stelle im besseren Einklang mit den Normungsprozessen stehen. Für die konkrete Ausgestaltung der unabhängigen Stelle sollte ein Konstrukt in Anlehnung an den DIN-Verbraucherbeirat gewählt werden. Diese Institution leistet ihre Arbeit im Rahmen der DIN-internen Prozesse, stützt sich bezüglich ihrer Legitimation aber auf das Bundesjustizministerium, so dass Arbeitseffizienz und Unabhängigkeit gleichermaßen gewährleistet sind. Ggf. sollte der Name der Kommission aus den o.g. Gründen überarbeitet werden. Für nachhaltig bezahlbares Wohnen geht es nicht um das Reduktion der Baukosten um jeden Preis, sondern die Minimierung der Kosten über den gesamten Nutzungszeitraum eines Gebäudes.

 

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