„Die Herausforderungen, die sich aus der Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung und Big Data ergeben, sind Zukunftschancen. Sie sind wesentlich für unsere Industrie und dürfen nicht verpasst werden.“

Michael Ackers, Director Business Development, Central Europe, Sanmina

"Big Data Analytics liefert der EMS Industrie Erkenntnisse aus dem Produktionsprozess, die bisher nicht sichtbar waren. Diese Auswertungen liefern einen wesentlichen Beitrag zur Effektivitäts- und Effizienzsteigerung."

Xaver Feiner, Vice President Marketing & Sales (M&S), Zollner Elektronik

„Digitalisierung im Produktionsprozess hilft unseren Mitarbeitern effizienter und nach dem Null-Fehler Prinzip zu arbeiten. Die Kunden profitieren von hoher Produktqualität und der Verfügbarkeit umfangreicher Daten.“

Dr. Georg Loisel, Vice President Qualitätsmanagement und Produktionssystem, Melecs EWS

„Bei der Digitalisierung muss der Mehrwert für den Kunden im Vordergrund stehen.“

Bernd Juppe, Director Sales and Marketing, cms electronics

News

Initiative „Services in EMS“

Qualität durch Kompetenz und Dienstleistung nach Maß - dafür steht "Services in EMS". Es handelt sich um eine Initiative der Electronic-Manufacturing-Services-Provider, kurz EMS-Provider, im ZVEI-Fachverband PCB and Electronic Systems.

Obsoleszenzrisiken – Management der Lieferfähigkeit / Die EMS-Dienstleistungsinitiative

Produkt- und Stoff-Compliance

Compliance ist das Einhalten aller einschlägigen rechtlichen Vorschriften, anwendbaren Verhaltenskodizes, sowie übrigen verbindlichen Regelungen.

Basis für die Compliance sind neben allgemeinen legalen Anforderungen, ethische Grundsätze sowie länder-, branchen- und produktspezifische Anforderungen, aber auch kundenspezifische Anforderungen.

Compliance-Anforderungen können das Unternehmen als Organisation, dessen Produkte und die verwendeten Materialien und Stoffe betreffen.

Der ZVEI hat einen Code of Conduct zur gesellschaftlichen Verantwortung als unverbindliche Empfehlung entwickelt. Er orientiert sich an international etablierten Maßstäben. Der ZVEI Code of Conduct ist Ausdruck der gemeinschaftlichen Wertebasis der Elektroindustrie. Die Anwendung ist freiwillig.

Nähere Informationen auf ZVEI Code of Conduct.

 

Gut zu wissen

  • Compliance ist für die Bewertung eines Unternehmens durch Kunden genauso wichtig wie Qualität, Arbeits- und Produktsicherheit, Ressourcen- und Umweltschonung.
  • Compliance ist für ein Unternehmen eigentlich selbstverständlich, aber unter anderem aufgrund der enormen Vielfalt an Vorschriften sowie der Komplexität zu einer Herausforderung geworden. Ein systematisches Management der Compliance bzw. ein Compliance-Management-System ist daher sinnvoll.

 

Compliance ist für alle in der gesamten Lieferkette wichtig - nicht nur als Daueraufgabe sondern im eigenen Interesse, denn Compliance ist die Basis für nachhaltige Geschäfte.

 

EMS-Unternehmen und Produkt- und Stoff-Compliance

  • Für EMS-Unternehmen und deren Kunden steht in der Regel die Stoff-Compliance im Vordergrund.
  • Neben eigenen Recherchen, welche Vorschriften bei der Realisierung des Kundenauftrags zu beachten sind, werden auch Informationen vom Kunden benötigt, was zu berücksichtigen ist bzw. was mit dem (End-)Produkt geplant ist. Denn ein Produkt, beispielsweise ein Fahrzeug kann zivil oder militärisch genutzt werden, wofür ganz unterschiedliche Vorschriften Gültigkeit haben. Zudem gelten für Produkte, wie etwa Fahrzeuge, in jedem Land andere Vorschriften, so wie es auch für bestimmte (End-) Produkte spezifische Richtlinien (z.B. Maschinenrichtlinie) gibt.
  • EMS-Unternehmen haben als Dienstleistungsanbieter nur beschränkt Einfluss auf die Eigenschaften und Umweltauswirkungen der Produkte, denn diese müssen nach Kundenvorgaben realisiert werden.
  • EMS-Unternehmen sind bestrebt, alle Prozesse und insbesondere die Produktion möglichst ressourcen- und umweltschonend sowie unter Berücksichtigung der legalen Anforderungen einschließlich Umweltschutz- und Arbeitssicherheitsvorschriften auszuführen.
  • Zur Herstellung der Produkte und bei den damit verbundenen Prozessen werden außer den in den von den Kunden autorisierten Stücklisten aufgeführten Komponenten und Materialien in der Regel nur Stoffe, Gemische, Zubereitungen usw. verwendet, für die keine besonderen Verarbeitungs- und Anwendungsbeschränkungen sowie Informationspflichten gelten.
  • EMS-Unternehmen stellen in der Regel keine eigenen Stoffe, Gemische, Zubereitungen usw. her.

 

Die Aufgaben eines Management-Systems für Produkt- und Stoff-Compliance

  • Legale und Kunden-Anforderungen sowie deren Änderungen fortlaufend ermitteln
  • Relevanz (für die eigenen Geschäfte/als Dienstleister realisierten Produkte) bewerten
  • Erfassung und Dokumentation (z.B. in einer Übersichtsliste/Tabelle)
  • Anforderungen systematisch umsetzen (siehe auch Abs. „ergänzende Maßnahmen“)
  • spezielle Compliance-Maßnahmen (wie z.B. regelmäßiger Austausch des Personals im Einkauf)
  • Compliance-“Politik“ formulieren und verwirklichen inkl. Überwachung
  • Produkt- und Stoff-Compliance zum Gegenstand der gelebten Unternehmenskultur machen

 

Beispiele für Möglichkeiten zur Ermittlung legaler Anforderungen:

 

Zur Umsetzung der Anforderungen:

  • Beschaffung der von Fachverbänden herausgegebenen Leitfäden (wie z.B. der ZVEI-Leitfaden zum Kartellrecht)
  • Geschäftsrelevanz prüfen und bewerten inkl. Chancen und Risiken
  • Management informieren bzw. einbeziehen
  • Generelle Maßnahmen zur Umsetzung festlegen
  • Compliance als Bestandteil in das operative Geschäft integrieren: „Risiken kennen, identifizieren und begegnen“

 

 

Maßnahmen in Verbindung mit Kundenanfragen und -aufträgen (operatives Geschäft)

  • Durch Nachfrage beim Kunden abklären, ob für das beauftragte Produkt sowie dessen Anwendung spezifische Vorgaben existieren, und das Ergebnis dokumentieren (z.B. im Angebot bzw. in der Auftragsbestätigung).
  • Die Informationen des Kunden hierzu müssen korrekt und vollständig sein, denn als IP Owner ist der Kunde letztendlich für das Produkt verantwortlich und kann nicht alle Verantwortlichkeiten an das EMS-Unternehmen übertragen.

 

 

  • Alle spezifischen legalen Vorgaben sowie die entsprechenden Kundenvorgaben:

    • in die Eingaben für die Produktentwicklung aufnehmen (Pflichten-/Lastenheft)

      • entsprechend Controlplan/Qualitätsplan sowie Arbeitsplan von der Produktion realisieren
      • bei der Beschaffung von Materialien, Komponenten und Dienstleistungen berücksichtigen
      • im Controlplan/Qualitätsplan sowie im Arbeitsplan berücksichtigen
      • in die Produktstammdaten im ERP-System aufnehmen
      • im Zeichnungssatz (als Entwicklungsergebnis) darlegen
      • bei der Entwicklung berücksichtigen und umsetzen
    • Der Kunde wird jeweils einbezogen, indem von diesem für jeden der oben genannten Schritte eine Freigabe eingeholt wird.

      

     

     

     

    Maßnahmen zur Stoff-Compliance:

    • Spezielle Wareneingangsprüfungen auf Stoffe mit Anwendungsbeschränkungen
    • Beschaffung von Komponenten und Stoffen, Gemischen, Zubereitungen usw. für die Produktion nur von deren Herstellern oder von diesen autorisierten Lieferanten (d.h. aus offizieller Lieferkette)
    • Liefervereinbarungen für Zeichnungsteile mit Informationspflicht gemäß REACh Titel IV zu enthaltenen Stoffen, Gemischen, Zubereitungen usw.
    • Beschaffung von Stoffen, Gemischen, Zubereitungen usw., für die ein aktuelles Sicherheitsdatenblatt gemäß REACh Artikel 31 bzw. entsprechende Informationen gemäß REACh Artikel 32 vorliegen
    • Registrierung und Überwachung der bei den Produktionsprozessen verwendeten Stoffe, Gemische, Zubereitungen usw. inklusive ihrer Anwendungen mit interner Liste/Tabelle
    • Verwendung der Stoffe, Gemische, Zubereitungen usw. in der Produktion gemäß den Hersteller-/Lieferanten-Vorgaben und Sicherheitsdatenblatt bzw. entsprechenden Informationen sowie den Vorgaben im jeweiligen CP- bzw. QM-Dokument
    • Ggf. Erfassung entsprechender Stoff-Informationen in den Artikelstammdaten im ERP-System
    • Ggf. Weiterleitung der von den Lieferanten erhaltenen Informationen über Risiken und Beschränkungen von in gelieferten Produkten enthaltenen Stoffen, Gemischen, Zubereitungen usw. an Kunden gemäß REACh Artikel 33 an die Kunden
    • Standardtexte im ERP-System zur Information der Lieferanten sowie der Kunden in allen Bestellungen bzw. Auftragsbestätigungen

     

    Hinweise:

    • Die oben genannten Aufzählungen sind Beispiele und haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
    • Sie dienen der Illustration der Vielfalt und Komplexität sowie zur Verdeutlichung der Notwendigkeit einer Information durch den Kunden.
    • Zusammenarbeit, Abstimmung und Ehrlichkeit zwischen Dienstleister und Kunde sind unerlässlich.
    • Die Ausführungen zum Thema Compliance auf dieser Webseite betreffen nur die für einen EMS-Dienstleister relevanten Bereiche der Entwicklung und Fertigung im Kundenauftrag. Darüber hinaus ist das Thema Compliance auch für andere Bereiche wesentlich, wie z.B. Steuer, IT, Datenschutz usw., würden aber den Rahmen der Ausführungen sprengen.
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    Perspektive Big Data

    „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts und Datenanalyse der Verbrennungsmotor.“ Diese These von Peter Sondergaard von Gartner beschreibt das Geschäftsmodell von Google, Facebook & Co. sehr treffend. Sie verarbeiten und analysieren eine große Menge an Daten und verwenden sie dann gewinnbringend wieder. Das ist allgemein bekannt. Doch was bedeutet Big Data in Zusammenhang mit der Fertigungsindustrie, im Speziellen für die EMS-Dienstleister?

    Grundsätzlich sollte man sich zuerst mit den „4 Vs“ zu Big Data auseinandersetzen:

    • Volume: Die Masse und Anzahl an Daten.
    • Velocity: Die Geschwindigkeit, mit der die zu analysierenden Daten entstehen.
    • Variety: Die Vielfalt der Datenformate und der Speichermedien. 
    • Veracity: Die Ungenauigkeit von Daten.

     

     

     

    Management des Produktlebenszyklus

    Die Nutzung von Big Data zu Beginn des Produktentstehungsprozesses ist Grundbestandteil des Obsoleszenzmanagements. Sie ermöglicht eine proaktive und automatische Stücklistenüberprüfung mit Datenbanken wie IHS oder Silicon Expert. Darüber hinaus sind Funktionalitäten wie die automatische Pin-to-Pin-Kompatibilitätsprüfung oder automatische Vorschläge für Alternativkomponenten Bestandteil der Big-Data-Analysen.

    Eine weitere wichtige Anwendung stellt der Digitale Zwilling dar: Es ist das digitale Abbild eines realen Produkts beziehungsweise Prozesses inklusive der entsprechenden Analysen, Simulationen und Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Dies ist detailliert unter dem Punkt „Digitalisierung der EMS-Produktion – eine IST-Aufnahme“ ausgeführt. Der Digitale Zwilling lässt sich durch Big Data so optimieren, dass er nicht nur Analysen an bestehenden Produkten oder Parametern simulieren kann: In Zukunft werden Produktentwickler bereits während des Designs sehen können, in welchen Bereichen sie an die Grenzen der Fertigbarkeit kommen. Dann lassen sich Designschwächen erkennen und beheben, bevor sie im Feld auftreten können – und zwar bereits an den Standorten und Fertigungslinien, an denen die Produkte später auch produziert werden sollen.

     

     

     

     

    Traceability ist eines der besten Beispiele für die Datenerhebung im großen Stil. Bereits seit vielen Jahren speichert die EMS-Industrie Daten – im Speziellen Komponenten-, Prozess- und Umgebungsdaten ¬ während des Produktionsprozesses und bewahrt sie für viele Jahre auf. Bis jetzt erlaubte die sichere und nachhaltige Aufbewahrung dieser Daten, dem Kunden im Falle einer Reklamation Auskunft über verschiedenste Parameter in Bezug auf das ausgefallene Produkt zu geben und mögliche Serienfehler zurückzumelden. Des Weiteren diente die Kennzeichnung der Produkte der Absicherung der beteiligten Unternehmen im Schadensfall.

    Mit Big-Data-Analysis besteht nun zusätzlich die Möglichkeit, diese Daten zu analysieren und dem Kunden wertvolle Informationen über Effekte und Auffälligkeiten mitzuteilen, die während des Fertigungsprozesses aufgetreten sind. Diese Informationen, die dann in zukünftige Entwicklungen einfließen, verbessern die Qualität und die Performance der gefertigten Produkte nachhaltig und bieten dem Kunden langfristig einen Mehrwert. Doch geht das im Zeitalter von Industrie 4.0 weit genug? Die EMS-Industrie rechnet damit, dass durch eine noch tiefere Vernetzung der Anlagen mit weiteren Sensoren und einer gleichzeitigen Vernetzung der gefertigten Produkte Traceability künftig nicht mehr mit Auslieferung der Produkte enden muss. Blockchain-Technologien können hier ein Wegbereiter sein: Wenn sie produktrelevante Daten sowohl dem Kunden als auch dem EMS-Unternehmen zur Verfügung stellen, kann auf beiden Seiten das Produkt noch effizienter, robuster und kundenorientierter entwickelt und hergestellt werden.

    Neue Möglichkeiten der Rückverfolgung, beispielsweise mit Unterstützung von RFID-Technologie, eröffnen zusätzliche Wege, Daten zu erfassen, zu speichern und zu übermitteln.

     

    Betrachtungen rund um die Supply-Chain sind – mit Themen wie VMI (vendor-managed inventory), RTF (Request to Forecast, bei dem Lieferanten (EMS) nach Forecast disponieren und der Kunde nur die aktuelle Woche nach Bedarf abruft) und Lieferantenportalen – etablierte Themen.

    Heute sind bereits Lösungen im Einsatz, die die gesamte Lieferkette transparent machen und die Daten in Echtzeit zur Verfügung stellen. Der Faktor Zeit spielt in der digitalisierten Welt eine enorme Rolle. Ein Beispiel: Die Naturkatastrophe in Japan 2011 führte auch zum Ausfall von Fabriken, die Kunststoffgießmaterial für Halbleiterbauformen herstellten. In der Folge kam es zu einer extremen Verknappung von Halbleitern aller Art. Unternehmen, die bereits noch am selben Tag von den Werksausfällen erfuhren und ein entsprechendes Risikomanagementsystem in der Supply-Chain installiert hatten, konnten sich frühzeitig Material auf dem Markt sichern. Der Großteil rechnete zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht mit einer Verknappung. So profitierten die gut informierten Unternehmen noch von einem normalen Einkaufspreis, während die Preise später wegen der enormen plötzlichen Nachfrage stark anstiegen. Das zeigt: Schnelle und ganzheitliche Informationsketten, aus denen sich – zum Teil vollautomatisiert – Aktionen ableiten lassen, sind Vorteile, die sich durch die Digitalisierung ergeben.

    Lieferantenportale sind eine Möglichkeit zur Vernetzung. Solche selbst erstellten Portale werden bei Lieferanten immer beliebter, die andere Marktteilnehmer dazu ermutigen, sie zu nutzen. Das Problem: Es gibt keine einheitlichen Standards und auch Rechtsfragen sind teils unklar. Dadurch werden Prozesse eher verlangsamt.

    Ein Blick in die Zukunft: Welche Vorteile hält eine Digitalisierung in diesem Markt bereit? Dazu zählt beispielsweise, dass Firmen über einfache, standardisierte Schnittstellen rasch miteinander verknüpft werden können: Jeder Lieferant würde über eine Standard-USB-Schnittstelle angeschlossen. Die Systeme würden sich dann über Treiber selbstständig miteinander bekannt machen und Daten standardisiert elektronisch austauschen.

    Ein weiterer Vorteil ist eine Standardisierung der Lieferpapiere. Daten wie Bestellnummer, Menge, Seriennummer SNR, Herstellerbestellbezeichnung MPN, Herstellername, Date-Code und weitere Angaben würden als 2D-Code mit auf den Papieren aufgeführt werden, sodass beim Empfänger die Daten automatisch eingelesen werden könnten. Viele Unternehmen haben bereits 1-10 Barcodes auf dem Lieferpapier, diese müssen aber einzeln in das richtige Feld geladen werden. Der 2D-Code kann mit einem Scan geladen werden und trägt die Zuordnung, beispielsweise Menge: 2000, in sich.

    Auch aufseiten der Speditionen ließe sich die Lieferkette optimieren, indem für klare Datentransparenz gesorgt wird: Die bekannte AWB (Airway-Bill-Number) sollte über die komplette Transportkette gleich bleiben und stets auf dem Liefergut und auf den Lieferpapieren maschinell lesbar sein. Auf allen Unterlagen – besonders wenn mehrere Unterspediteure an der Abholung und Lieferung beteiligt sind – und auf der Rechnung sollte die AWB für eine saubere Zuordnung der Daten immer aufgeführt werden.

    Auf diese Arten kann sich die Digitalisierung positiv auf die Lieferkette auswirken. Neben der Nachverfolgbarkeit in den Produktionsprozessen kann die Digitalisierung auch die Lieferkette auf eine höhere Ebene heben.

    Abschließend noch ein Blick auf die IT-Sicherheit. Diese ist nicht einfach zu gewährleisten. Lokale, regionale und internationale Gesetzgebungen bezüglich Regelungen zum Datenschutz, dem Urheberrecht etc. spielen eine sehr große Rolle. Der beste Ratschlag ist hier, eine möglichst gute Absicherung nach außen mit den heute verfügbaren Tools. Kein Lieferant oder auch Kunde sollte von außen Zugriff auf Ihre Systeme haben. Eventuell notwendige Zugriffe sollten nur über definierte und entsprechend abgesicherte Schnittstellen, Portale etc. erfolgen. Das Thema IT-Sicherheit ist und bleibt unbedingt ein Thema der Geschäftsleitung.

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    Wie steht es um die Digitalisierung der EMS-Produktion?

    Die Digitalisierung der Produktionsprozesse in der Elektronik- und EMS-Industrie hat einen hohen Stellenwert. Dabei geht es um die folgenden Elemente:

    Vernetzung: Maschinen, Geräte, Sensoren und Menschen können sich miteinander vernetzen und über IT-Netzwerke oder das Internet miteinander kommunizieren.

    Technische Assistenz: Assistenzsysteme unterstützen den Menschen mithilfe von aggregierten, visualisierten und verständlichen Informationen. So können leichter Entscheidungen getroffen und Probleme schneller gelöst werden.

    Virtuelle Systeme bzw. digitale Zwillinge: Es handelt sich hierbei um Abbilder der Produkte und Anlagen in der realen Fabrik und erlaubt deren Simulation, Steuerung und Verbesserung.

    Die Umsetzung der Digitalisierung erfordert eine Vernetzung der IT-Systeme, von der Maschinenebene bis zum ERP-System. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Anbindung aller Maschinen und Anlagen zu, idealerweise über standardisierte Schnittstellen wie zum Beispiel OPC-UA, IPC-HERMES-985 oder IPC-CFX.

    Eine weitere Voraussetzung ist die eindeutige Kennzeichnung der Produkte und Materialien mit automatisiert lesbaren Codes (BC, DMC, QR, RFID).

     

    Produktkennzeichnung mit QR-Code

     

    Vernetzung

    Die über die Digitalisierung gewonnenen Daten werden im Produktionssystem genutzt und unterstützen beispielsweise folgende Prozesse:

    • Durchführung der Produktionsplanung und -optimierung auf Basis von aktuellen Rüst-, Stückzahl- und Betriebsdaten
    • Auswerten und Visualisieren von Produktivitäts- und Qualitätsdaten zur Unterstützung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses
    • Prädiktive Instandhaltung auf Basis von Produktions- und Zustandsdaten der Maschinen
    • Autonome Prozessregelung zwischen Maschinen. Eine Anwendung dafür sind Parameter des Lötpastendrucks, die durch die optische Inspektion geregelt werden
    • Vernetzung mit der weiteren Lieferkette z.B. bei kompletter Nutzenlieferung zur Identifikation etwaiger fehlerhafter Einzelbaugruppen oder zugelieferter Platinen

     

    Der Datenaustausch erfolgt im Prozess auch über die Schnittstellen der Lieferkette hinweg.

     

    Technische Assistenz

    Assistenzsysteme unterstützen die Produktionsmitarbeiter bei der Fehlervermeidung. Beispiele dafür sind:

    • Automatisierte Wareneinlagerung und -entnahme (Auftrags-Kommissionierung) inkl. Haltbarkeitsverwaltung
    • Verriegelung von Produktionsanlagen, wenn nicht die richtigen Werkzeuge, Vorrichtungen, Materialien und Programme gerüstet sind, zum Beispiel SMT-Linienverriegelung
    • Unterstützung und Kontrolle von Montageprozessen durch Bildschirminformationen, Lichtsignale und Kameras

     

    Die Abbildung zeigt ein Beispiel für ein Anlagen-Verriegelungssystem

     

    Virtuelle Systeme bzw. digitale Zwillinge

    Mithilfe virtueller Systeme wird die Entwicklung von Produktionsanlagen unterstützt. Dabei werden auch die Modelle der Produkte herangezogen. In der Anlagenplanung können die Prozesse definiert und über Simulationen abgetaktet werden. Die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze sowie das Simulieren des Umrüstens zwischen unterschiedlichen Produkten sind weitere Funktionen dieser Systeme.

    Im Realbetrieb können die virtuellen Systeme mit Daten aus den laufenden Anlagen optimiert und Änderungen vor der Realisierung überprüft werden.

     

    Hier ist ein digitaler Zwilling am Beispiel der Fertigungsplanung abgebildet

     

    Digitalisierung schafft Mehrwert für den Kunden

    Die Investitionen zur Digitalisierung bieten folgende Vorteile für die Kunden:

    • Unmittelbare und gezielte Verbesserung der Produktivität und Qualität auf Basis von aussagekräftigen Real-Time-Daten
    • Fehlervermeidung durch Unterstützung der Mitarbeiter bei der Durchführung und Steuerung der Arbeitsabläufe
    • Optimierung der Planungsprozesse für neue Produktionsanlagen
    • Umfangreiche und schnelle Datenverfügbarkeit zur Traceability der Qualitäts- und Materialdaten
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    Obsoleszenz ist ein Zustand, in dem ein Gut oder Prozess nicht mehr verfügbar ist.

    Für einen EMS-Anbieter bedeutet das in der Praxis, dass Bauteile, die für laufende Aufträge benötigt werden, unerwartet oder auch geplant nicht mehr zur Verfügung stehen. Neben Bauteilen können auch Prozesse betroffen sein, die nicht mehr umgesetzt werden können oder dürfen.

     

     

    Ursache für eine solche Obsoleszenz kann z. B. sein, dass es für einen Hersteller nicht mehr wirtschaftlich ist, zum Abgabepreis weiter zu produzieren. Die Hintergründe können gestiegene Produktionskosten, aber auch sinkende Nachfrage sein. Als Folge davon müsste er seine Kosten weitergeben bzw. die Produktion drosseln oder einstellen.

    Aber auch Innovationszyklen bei Bauelementen sorgen dafür, dass es einfach keinen Sinn mehr macht, veraltete Bauelemente weiter einzusetzen. Hier bieten neue Bauelemente kompatible Lösungen, die ein Redesign erfordern.

    Bauelemente, vor allem Halbleiterchips, sind mittlerweile sehr komplex und werden in wenigen Wafer-Fabs hergestellt. Diese haben sich so spezialisiert, dass einzelne Arbeitsgänge nur noch von einer „Handvoll“ Fabriken weltweit durchgeführt werden (wie z. B. Housing). Fällt nur einer dieser Spezialisten aus, z. B. Zerstörung durch Umweltkatastrophen, entstehen Engpässe, die die gesamte Lieferkette beeinflussen. Auch Gesetzesvorgaben zu umweltgefährdeten Rohstoffen (z. B. RoHS*-Richtline, Stoffverbote) oder politische Forderungen und Compliance (z. B. REACH**-Verordnung, Dodd Frank Act) sorgen in manchen Regionen dafür, dass bestimmte Bauelemente oder Verfahren obsolet werden und aus dem Markt verschwinden.

    Risiken bei Materialversorgung gibt es viele – Obsoleszenz ist eines davon. Obsoleszenz-Management-Lösungen dafür werden vom EMS-Anbieter gemeinsam mit Kunden und Lieferanten gefunden und über alle Phasen des Produktlebenszyklus angewendet:

     

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    Produktänderungsmitteilungen (PCN – Product Change Notification)

    Produktänderungsmitteilungen sind unumgänglich, um Innovationszyklen, Qualitätsanforderungen und immensen Preisdruck zu bewältigen.

    Mit einer PCN informiert ein Hersteller eines Produktes seine Kunden über technische Änderungen. Diese Änderungen können alle Aspekte in der Fertigung betreffen: Verlagerung der Produktion, Umstellung von Produktionsprozessen, Änderungen von Bauteilen oder Rezepturen, bevorstehende Obsoleszenz.

    Dabei soll sichergestellt werden, dass für die komplexen elektronischen Module und Systeme mit ihrer großen Komponentenvielfalt und den schnellen Innovations- und Änderungszyklen die Änderungsinformationen zum Produkt, der Produktionsprozesse über den kompletten Lebenszyklus und die gesamte Wertschöpfungskette mit hinreichendem Vorlauf erfolgt.

    Soweit die Theorie. Betrachtet man die Kurzlebigkeit der heutigen Komponenten und damit deren Verfügbarkeit, so ist der Konflikt zwischen dem Produkt im Markt und den eingesetzten elektronischen Modulen und Systemen offensichtlich. Gerade im industriellen Bereich müssen die einzelnen Komponenten im Modul oder System lange Lebenszyklen, Funktionssicherheit und damit lange Test- und Fähigkeitsnachweise erfüllen. Jede Änderung und im worst case der Ersatz der einzelnen Komponente im Obsoleszenz Fall bedeutet einen erheblichen Änderungsaufwand in der Wertschöpfungskette.

    Hier wird schnell deutlich, dass mit zunehmender Intelligenz der Produkte (z. B. im Internet of Things), ein PCN-Management mehr ist, als die Weitergabe von Informationen. Es ist eine eigenständige Dienstleistung, welche die Verfügbarkeit und Sicherheit der Produkte im Markt unterstützt.

    Zum PCN-Management gehören die Datenaufbereitung mit der Verarbeitung der Informationsvielfalt (Internet, Telefon, E-Mail, Brief, Datenblatt, Katalog, …), die Qualifizierung der Informationen bis zur Empfehlung zum Re-Design/Re-Placement.

    Voraussetzung für ein gutes PCN-Management ist ein auf das Produkt und die Verantwortlichkeiten abgestimmter Dienstleistungsvertrag mit dem EMS Partner, der die Leistung in einer komplexen Wertschöpfungskette absichert.

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    Die EMS-Dienstleistungsinitiative

    Über 30 Anbieter von Electronic Manufacturing Services (EMS) im ZVEI-Fachverband PCB and Electronic Systems haben sich der im Jahr 2006 gegründeten Dienstleistungsinitiative „Services in EMS“ angeschlossen. Sie kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und bieten Ihren Kunden einen einheitlichen Dienstleistungsstandard.

    Die EMS-Anbieter kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und bieten Ihren Kunden einen einheitlichen Dienstleistungsstandard. Dieser wird definiert durch sieben Wertschöpfungsbereiche – Entwicklung, Design, Testkonzept, Materialmanagement, Produktion, Logistik und Distribution und After-Sales-Services – sowie dazu gehörenden Modulen und durch festgesetzte Mindeststandards.

    Die teilnehmenden EMS-Anbieter garantieren, dass sie diese Standards einhalten. Im Gegenzug erhalten sie die Nutzungsrechte an einem geschützten Dienstleistungslogo, welches Qualität und Dienstleistungskompetenz signalisiert und somit die Vertrauensbasis zwischen Kunden und EMS-Providern stärkt.

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    „Proaktiver Dialog innerhalb der Lieferkette schafft Vertrauen und führt zu Lösungen.“

    Xaver Feiner, Dpty. Director Marketing & Sales, Zollner Elektronik

     

    „Obsoleszenzrisiken sind vielfältig und treten zu jeder Zeit im Produktlebenszyklus auf.“

    Helmut Bechtold, Geschäftsführer, Profectus

     

    "Die aktuelle Allokationssituation und Nicht-Lieferfähigkeit bei der Massenware bei passiven Bauelementen, zum Beispiel MLCCs, zeigt, dass nur ein guter PCN-Prozess die Produktsicherheit und Produktfunktionalität sicherstellt."

    Michael Velmeden, Geschäftsführer, cms electronics

     

    "Ein vorausschauendes PCN-Management – auf Basis eines Lifecycle-Management-Tools – hilft unseren Kunden bei der Optimierung der Produktion und garantiert die Verfügbarkeit und die Qualität der Produkte."

    Arthur Rönisch, Geschäftsführer, Turck Duotec

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