Presse

30.10.2020

Novelle des EEG muss Fokus auf Digitalisierung und Sektorenkopplung legen

82/2020

Der aktuelle Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) greift aus Sicht der Elektroindustrie wichtige Aspekte auf. So werde mit der Deckelung der EEG-Umlage auf 6,5 bzw. 6,0 Cent/kWh ein weiterer Anstieg des Strompreises wenigstens verhindert. „Allerdings bleibt der Gesetzentwurf hier weit hinter den Forderungen des ZVEI zurück. Um die für den Klimaschutz überall dringend nötige Elektrifizierung attraktiv zu machen – egal ob für Investoren in der Industrie, Autofahrer im Verkehr oder Hausbesitzer und Mieter für ihre Hauswärme – muss die Umlage aber sinken, und zwar deutlich auf 2,0 Cent/kWh, perspektivisch sogar auf null“, sagt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung.

 

Positiv bewertet der Verband, dass die Bedeutung der Digitalisierung anerkannt wird. So kann die nächste Phase der Energiewende vorangetrieben werden, in der eine verbesserte Netzintegration für mehr Stromproduktivität und Wirtschaftlichkeit sorgen wird. „Wir brauchen jedoch auch hier – gerade mit Blick auf die verschärften Klimaziele der EU – noch mehr Mut, um die benötigten Veränderungen im Energiesystem schneller herbeizuführen“, so Weber weiter.

 

Der Ausbau der Erzeugung erneuerbarer Energien, die breite Elektrifizierung und die Sektorenkopplung müssen Hand in Hand gehen. Deshalb setzt sich der Verband für eine Anhebung der Eigenverbrauchskapazitäten, die von der EEG-Umlage befreit sind, von derzeit 20 kWp auf 30kWp und ohne Mengendeckel ein, solange die allgemeine EEG-Umlage noch so hoch ist. Denn gerade PV-Anlagen mit einer Erzeugungsleistung zwischen 20 kWp und 30 kWp – mit mehr als 10MWh Erzeugung pro Jahr – werden benötigt, um ein Wohngebäude in voller Sektorenkopplung mit Wärme und Elektromobilität mit Solarenergie zu versorgen. Die Möglichkeit, das PV-Potenzial des Gebäudes voll auszuschöpfen, ist ein wichtiger Impuls für die Marktdurchdringung von Elektromobilität. Das dadurch regelmäßig mögliche Laden mit Eigenstrom entlastet die Stromnetze, senkt deren Ausbaubedarf und damit auch den Anstieg der Netzentgelte. Dies wiederum ist ein wichtiger Beitrag, um den Strompreis nicht weiter steigen zu lassen und somit unattraktiver gegenüber anderen Energieträgern zu machen.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt für eine möglichst effiziente Nutzung der Stromnetze ist die Schaffung von Flexibilitätspotenzialen. Stromspeicher spielen in einem auch durch die Sektorenkopplung komplexer werdenden Energiesystem eine bedeutende Rolle. Sie können bei Frequenzschwankungen – kleinen Abweichungen von Angebot und Nachfrage – für Netzstabilität sorgen. Leider bietet der aktuelle Entwurf des EEG keine Lösung für das bestehende Problem der Doppelbelastung für Stromspeicher an. So würden in der Praxis weiterhin oft Stromflüsse zweifach mit der EEG-Umlage belastet. Der ZVEI plädiert hier für eine praxisnahe Lösung, um Stromspeicher nicht zu benachteiligen.

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