21.09.2026
DVF und ZVEI anlässlich der InnoTrans 2026: Schiene in Deutschland jetzt digitalisieren!
- Weniger als zwei Prozent des Bundesschienennetzes mit ETCS ausgestattet
- Großflächiger Rollout statt Einzelmaßnahmen gefordert
Zum Auftakt der InnoTrans 2026 fordern das Deutsche Verkehrsforum (DVF) und der ZVEI von der Bundesregierung einen verbindlichen Fahrplan für die digitale und resiliente Modernisierung der Schiene. Andernfalls bleibe Deutschland bei der Modernisierung des Netzes hinter seinen Möglichkeiten zurück – mit Folgen für Wettbewerbsfähigkeit und Standortqualität.
Dr. Pierre Dominique Prümm, Präsidiumsvorsitzender des Deutschen Verkehrsforum: „Seit drei Jahrzehnten ist die InnoTrans Schaufenster für Innovationen und Zukunftstechnologien im Mobilitätssektor. Alle zwei Jahre sehen wir: Europa könnte der Vorzeigekontinent für modernes Reisen auf der Schiene sein, wenn es die Innovationskraft des Sektors mit einer verlässlichen und wettbewerbsfreundlichen Politik unterstützen würde. Dazu gehören innovationsfreundliche Ausschreibungen, Planungssicherheit für Digitalisierung und Automatisierung, einheitliche europäische Zulassung und eine nachhaltige Finanzierung der Infrastruktur.“
Daniel Hager, ZVEI-Präsident: „Die Schiene ist das Rückgrat nachhaltiger Mobilität und ein entscheidender Standortfaktor für Deutschland. Die vergangenen Wochen haben gezeigt: Deutschland braucht Verkehrswege, die leistungsfähig und resilient sind. Dringend. Wir müssen die Schiene deshalb ertüchtigen, mehr zu leisten. Sie braucht mehr Kapazität. Sie braucht mehr Pünktlichkeit. Sie braucht deutlich mehr Tempo bei Digitalisierung und Elektrifizierung.“
Gerade hier ist der Rückstand erheblich: Während ETCS-basierte (European Train Control System) Technologien international längst erfolgreich eingesetzt werden, sind bislang weniger als zwei Prozent der Bundesschienenwege in Deutschland mit ETCS ausgestattet.
Beide Verbände machen deutlich: Das Update der Schiene darf nicht länger in Einzelmaßnahmen zerfallen. Infrastruktur, Fahrzeuge, Digitalisierung und Elektrifizierung müssten zusammen geplant werden. Ziel müsse eine Modernisierung der Schiene aus einem Guss sein, so Prümm und Hager.
DVF und ZVEI richten deshalb fünf Forderungen an die Bundesregierung:
- Digitalisierung von Anfang an mitplanen: Jede Streckenmodernisierung muss den digitalen Betrieb von morgen berücksichtigen. ETCS darf später nicht aufwendig und teuer nachgerüstet werden müssen.
- ETCS-Rollout zentral steuern: Deutschland braucht hier langfristige und transparente Investitionspfade sowie eine dauerhaft gesicherte Finanzierung. Ohne Planungssicherheit keine Investitionen der Industrie.
- Von Pilotprojekten zur Skalierung kommen: Die digitale Schiene braucht standardisierte Prozesse und industrielle Umsetzung im großen Maßstab.
- Zulassung vereinfachen: Technische Lösungen müssen generisch zugelassen und breit eingesetzt werden können. Wiederholte Neuentwicklung und -zulassung pro Projekt bremst die Modernisierung. Dann verliert Deutschland Zeit. Fachkräfte werden gebunden, Projekte werden teurer.
- Daten nutzbar machen: Sichere Schnittstellen sowie interoperable Systeme sind Voraussetzung für mehr Kapazität, einen stabileren Betrieb und neue digitale Anwendungen.