31.03.2026
Lungenkrebs-Früherkennung als Kassenleistung nur erster Schritt – Gesundheitssystem braucht mehr Effizienz
Strukturelle Reformen nötig: Wirksame Technologien müssen schneller bei Patientinnen und Patienten ankommen
Studie prognostiziert Einsparpotenziale durch Innovationen im Gesundheitssystem in Milliardenhöhe
Der ZVEI fordert die Selbstverwaltung der Gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland zu mehr Tempo beim Transfer nachweislich wirksamer Anwendungen von innovativer Medizintechnik in die Regelversorgung auf. Anlass ist der Start der Lungenkrebs-Früherkennung mit Niedrigdosis-CT als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am 1. April.
„Mit der Lungenkrebs-Früherkennung kommt eine Technologie in die Regelversorgung, die für eine klar definierte Risikogruppe einen echten Unterschied machen kann“, sagt Hans-Peter Bursig, ZVEI-Bereichsleiter Gesundheit. Wissenschaftliche Studien und Erfahrungen mit dieser Form der Früherkennung in verschiedenen Ländern zeigen, dass dadurch die Sterblichkeit bei Lungenkrebs um etwa 20 Prozent sinken kann. Wo Erkrankungen früher erkannt werden, steigen die Chancen auf eine rechtzeitige und schonende Behandlung. Schwere Spätverläufe lassen sich häufiger vermeiden.
47 Milliarden Euro Entlastung möglich, vor allem durch Medizintechnik
„In der aktuellen Debatte um die Finanzierung der GKV muss es jetzt dringend um den gezielten Einsatz weiterer wirksamer und innovativer Lösungen im gesamten Gesundheitssystem gehen“, so Bursig. Ziel müsse der Abbau struktureller Hindernisse im Gesundheitssystem sein. Dazu gehörten etwa praktikable Regeln für die Nutzung von personenbezogenen Daten im Kontext einer Behandlung oder einfache Regeln für Behandlungen über die Grenzen der ambulanten und stationären Versorgung hinweg. Die politischen Rahmenbedingungen müssten aktiv Raum für medizintechnische Innovation schaffen.
Dass die Lungenkrebs-Früherkennung mit detaillierter Bildgebung bei minimaler Strahlenbelastung heute möglich ist, ist das Ergebnis des technischen Fortschritts in der Medizintechnik. Bursig: „Das Beispiel Lungenkrebs zeigt: Eine bessere Versorgung und ein effizienterer Einsatz von Ressourcen sind kein Widerspruch. Innovation ermöglicht beides.“
Wie groß dieser Hebel sein kann, macht eine Prognos-Studie im Auftrag des BDI deutlich: Sie beziffert die direkt auf die GKV-Leistungsausgaben bezogenen Einsparmöglichkeiten durch Innovationen aktuell auf mehr als 20 Milliarden Euro pro Jahr. Bis zum Jahr 2045 ließen sich gar bis zu 47 Milliarden Euro einsparen. Die größten Beiträge sieht die Studie in der Medizintechnik und in einer stärkeren Verlagerung von stationären zu ambulanten Leistungen. Im modellierten Innovationsszenario der Studie läge der GKV-Beitragssatz im Jahr 2045 bei 18,7 statt bei 20,1 Prozent.