Presse

12.05.2026

Gebäudemodernisierungsgesetz: ZVEI kritisiert Biotreppe

  • Jede neu eingebaute Gasheizung führt zu Mehrkosten für Haushalte und Betriebe
  • ZVEI-Umfrage: Eigenheimbesitzer längst bereit, auf elektrische Lösungen umzusteigen

„Die im Gebäudemodernisierungsgesetz geplante Biotreppe bei Heizlösungen wird für Lock-in-Effekte sorgen und so den Wechsel zu wirklich kosteneinsparenden und zukunftsfähigen technologischen Lösungen ausbremsen“, sagt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Neue Geräte, die jetzt eingebaut werden, könnten demnach auch nach 2045 hinaus anteilig fossil betrieben werden. Die Politik setzt hier widersprüchliche Signale. Der Ansatz folgt nicht dem Ziel der Klimaneutralität und wird nicht ohne Folgen für den Geldbeutel bleiben.

Denn durch die stufenweise Beimischung von Biogas oder -öl werden zusätzliche Kosten entstehen, die die Haushalte und Betriebe unnötig belasten. Wie stark, zeigt eine Studie des Fraunhofer ISI im Auftrag des ZVEI: 2035 liegen die jährlichen Mehrkosten für Haushalte, die Biogas oder -öl beimischen, bei 7,9 Milliarden Euro. Zehn Jahre später (2045) werden es 12,9 Milliarden Euro Mehrkosten sein – jährlich. Pro Haushalt würden die Ausgaben fürs Heizen durch Biotreppe und CO2-Bepreisung in den kommenden zehn Jahren insgesamt um fast 500 Euro pro Jahr steigen. Diese Berechnungen unterstreichen die Forderung des ZVEI nach mehr Tempo bei der Wärmewende. „Jede Gasheizung, die heute eingebaut wird, trägt zu diesen Mehrkosten bei, während durch eine weitgehende Elektrifizierung und Digitalisierung im Gebäudesektor der Wärmebedarf 2045 vollständig durch selbstgenutzten PV-Strom gedeckt werden könnte“, sagt Weber.

Die Kosten, die durch Biotreppe und CO2-Preis entstehen, sollen auf Vermieter und Mieter aufgeteilt werden. Dies kann ein Anreiz sein, in klimafreundliche Heizlösungen zu investieren. Eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des ZVEI zeigt: Schon heute würde sich fast jeder zweite Eigenheimbesitzer (47 %) bei der Anschaffung einer neuen Heizung für eine Wärmepumpe entscheiden. Nur 25 Prozent würden in eine Gas- oder Ölheizung investieren. Ein wichtiger Grund für den Umstieg auf eine Wärmepumpe sind die steigenden Öl- und Gaspreise (23 %). Ebenso viele Befragte (23 %) würden aus Überzeugung umsteigen.

Die Debatte um das GModG hat immerhin mehr als jeden zehnten befragten Eigenheimbesitzer (14 %) davon abgehalten, in eine neue Heizung zu investieren. Das macht nur deutlich, wie sehr politische Scharmützel den Weg in die Zukunft lähmen können.

Der ZVEI fordert im weiteren Gesetzgebungsverfahren die 1:1 Umsetzung der Europäischen Gebäuderichtlinien (EPBD). Zwar stärkt der aktuelle GModG-Entwurf Sektorenkopplung und die zukunftsfähige technische Ausstattung von Gebäuden, zentrale Anforderungen der EPBD bleiben aber unvollständig umgesetzt. „Das gilt insbesondere für Vorgaben an Wohngebäude, wo durch Elektrifizierung und Digitalisierung 20 bis 30 Prozent Energieeinsparung möglich wären“, erklärt Weber.

Positiv bewertet der Verband, dass die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) erhalten bleibt. Weber: „Das ist ein wichtiges Signal für Stabilität und Planungssicherheit für Investoren wie Verbraucherinnen und Verbraucher.“

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