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16.01.2026
ZVEI: Neue US-Halbleiterzölle könnten Standortwettbewerb anheizen
Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, fordert angesichts neuer Pläne für US-Zölle auf Halbleiter erneut den Ausbau des einheimischen Mikroelektronikökosystems.
„Die US-Regierung bleibt sich mit den jetzt verhängten Maßnahmen zu Zöllen auf Halbleiter und Halbleiterausrüstung treu: Sie erzeugt Druck, um ihre Ziele durchzusetzen. Gegenwärtig lässt sich noch nicht mit Sicherheit abschätzen, welche Auswirkungen das für den Standort Europa und unsere Unternehmen haben wird.
Das parallel verhandelte Abkommen der Vereinigten Staaten mit Taiwan zeigt, dass die USA die globalen Halbleiterlieferketten insbesondere in Bezug auf die heimische Produktion von Chips für KI auf heimischem Terrain nachbauen wollen. Zwar bleibt das Ziel einer regionalen Autarkie in dieser Branche weiterhin unklug, dennoch müssen auch wir unser lokales Mikroelektronikökosystem ausbauen.
Die ab sofort geltenden Maßnahmen enthalten zahlreiche Ausnahmen und Übergangsregelungen, wodurch sich die unmittelbaren Auswirkungen für Europa wahrscheinlich in Grenzen halten werden. Die angekündigte zweite Phase mit breiter angelegten Zöllen dürfte den Standortwettbewerb in der Branche jedoch spürbar anheizen.
Dafür müssen wir uns rüsten, indem wir die Förderung der Mikroelektronik kraftvoll ausbauen. Schließlich haben wir erst kürzlich durch die Nexperia-Krise zu spüren bekommen, wie schmerzhaft Abhängigkeiten auf diesem Spielfeld sein können. Und wir könnten zum Beispiel auch bei den Leiterplatten sehr schnell in eine ähnliche Zwangslage geraten.
Last but not least sollten wir erkennen, dass die USA mit den nun verhängten Maßnahmen insbesondere auch einen weiteren Trumpf im Rennen um die KI-Dominanz in die Hand bekommen wollen. Im Bereich der industriellen KI halten wir aber auch in Deutschland mit unserem einzigartigen Datenschatz einen wichtigen Joker. Den sollten wir ausspielen können und uns nicht durch die selbst auferlegten Fesseln des AI Acts behindern lassen müssen. Gerade hier ist die EU dringend am Zug.“