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18.03.2026
ZVEI: Ohne priorisierten Netzausbau keine zukunftsfähigen Rechenzentren in Deutschland
Das Kabinett berät heute die Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung. "Damit hierzulande zukunftsfähige Rechenzentren entstehen können, muss Deutschland dringend seine Netze ausbauen", kommentiert Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Weiter sagt er:
- „Für neue Rechenzentrumsstandorte in Deutschland muss die Bundesregierung den Ausbau der Strom- und Netzinfrastruktur deutlich beschleunigen und priorisieren. Das gilt vor allem für Mittel- und Hochspannungsnetze. Ohne diesen Ausbau geht es nicht, denn Netzprojekte dauern wesentlich länger als der Bau von Rechenzentren.“
- „Im internationalen Vergleich droht Deutschland aufgrund hoher Strompreise, fehlender Skalierung und lokalem Widerstand weiter ins Hintertreffen zu geraten. Nur mit konkurrenzfähigen Strompreisen und zukunftsfester Infrastruktur kann Deutschland international wieder wettbewerbsfähig werden. Wichtig ist, die lokalen Gegebenheiten im Blick zu haben, um ein Scheitern von Rechenzentrumsprojekten, wie zuletzt in Mittenwalde oder Groß-Gerau, zu verhindern.“
- „Es braucht verbindliche Fristen für Netzverträglichkeitsprüfungen. Anschlussverfahren müssen digitalisiert, standardisiert und durch zentrale Anlaufstellen koordiniert werden.“
- „Rechenzentren sollten dort entstehen, wo Netzkapazitäten und erneuerbare Energien verfügbar sind. Gleichzeitig müssen Rechenzentren stärker in das Stromsystem eingebunden und technologisch weiterentwickelt werden. Sie sollten als flexible Verbraucher anerkannt und für netzdienliches Verhalten sowohl regulatorisch als auch wirtschaftlich berücksichtigt werden, etwa durch die Teilnahme an Demand-Response-Programmen oder die Bereitstellung von Blindleistung.“
- „Für die Systemstabilität müssen die technischen Anschlussregeln überarbeitet werden. Dazu gehören klare Vorgaben für Black-Start- und Wiederanlaufkonzepte.“
- „Um Effizienz und hohe Leistungsdichten sicherzustellen, führt kein Weg daran vorbei, Forschung und Demonstrationsprojekte zu Gleichstromarchitekturen gezielt zu fördern. Künftige Rechenzentren müssen energieeffizienter und netzverträglicher werden.“
- „Die Bundesregierung will die Rechenkapazitäten bis 2030 verdoppeln und jene für KI mindestens vervierfachen: Angesichts der Bedeutung von Rechenkapazitäten für die Zukunftsfähigkeit der Industrie durch KI-gestützte Automatisierung und Robotisierung sind diese Ziele richtig.“
- „Dass die Bundesregierung nicht nur die strategische Bedeutung von Betreibern, sondern auch von Ausrüstern klar benennt, ist erfreulich. Rechenzentren bestehen zum Großteil aus hochspezialisierten Produkten der Elektro- und Digitalindustrie. Die Branche bildet damit das Rückgrat des KI-Ökosystems. Zudem etabliert sie das Fundament für die rechenintensive, industrielle Wertschöpfung aller Branchen in Deutschland und Europa.“