Presse

06.11.2026

ZVEI-Umfrage: Breite Mehrheit drängt auf Reformen – hohe Bereitschaft zu persönlichen Einschnitten

Die Deutschen drängen ihre Regierung zu entschiedeneren Reformen: Mehr als vier von fünf Befragten (83 %) halten umfassende politische Reformen für notwendig. Das ist das Ergebnis einer aktuellen, repräsentativen Umfrage des ZVEI. 41 Prozent sind sogar bereit, kurzfristig Einschnitte in Kauf zu nehmen, wenn damit mittel- und langfristig die sozialen Sicherungssysteme zukunftssicher aufgestellt werden. Bei Menschen unter 40 Jahren ist die Bereitschaft dazu höher als in anderen Altersgruppen. 

Die Umfrage des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie zeigt: Reformbedarf ist gesellschaftlicher Konsens. Alle Altersgruppen in allen Bundesländern halten eine entschlossenere Reformpolitik für notwendig. Besonders hohe Zustimmung gibt es in den Altersgruppen von 50 bis 64 Jahren (86 %) und ab 65 Jahren (91 %). 

„Die Menschen in Deutschland wollen Veränderung, weil sie merken, dass es zu wenig ist, den eigenen Status Quo zu erhalten, während die Welt um uns herum immer mehr Fahrt aufnimmt. Die Reformbereitschaft im Land ist bahnbrechend groß. Nach den Ankündigungen der Bundesregierung im Sommer brauchen wir jetzt ein Quartal des Machens: Standortbremsen lösen, ein neues Klima für Investitionen schaffen, Fokus auf Innovation und Fortschritt. Wir brauchen Mut und Entschlossenheit statt Streit und Klein-Klein!“, kommentiert ZVEI-Präsident Daniel Hager die Umfrageergebnisse. 

Befragt, was die wichtigsten Ergebnisse eines großen Reformpakets sein sollten, gibt es einen klaren Wunsch der Deutschen: endlich die Bürokratie reduzieren (44 %). Besonders auffällig: Mit zunehmendem Alter wächst der Wunsch nach weniger Bürokratie. Während bei den 18- bis 29-Jährigen rund jeder vierte Befragte (24 %) darauf drängt, sind es bei den 40- bis 49-Jährigen schon fast die Hälfte (47 %), ähnlich sieht es bei den Über-65-Jährigen aus (53 %). Daniel Hager dazu: „Schneller als der eigene Erfahrungsschatz im Leben wächst in Deutschland mit den Lebensjahren der Frust über die lähmende Bürokratie. Ein radikaler Abbau unnötiger Regeln und verkrusteter Strukturen schafft nicht nur neue Freiräume für die Wirtschaft, sondern auch mehr Zufriedenheit bei den Menschen.“ 

Befragte: Energie- und Klimatechnologien werden wichtiger

Wichtig sind den Befragten zudem ein effizienterer Einsatz staatlicher Ausgaben (36 %) und langfristig finanzierbare Sozialsysteme (35 %). Fast ebenso viele Befragte (32 %) wollen bezahlbareren Strom. Kurzfristige finanzielle Entlastungen werden mit 16 Prozent deutlich seltener gefordert. „Die Bürgerinnen und Bürger wollen keine Strohfeuer. Sie wollen strukturelle Verbesserungen und verlässliche Entlastungen. Dieser Weitblick macht Mut“, kommentiert Hager. Er fordert: „Die Stromsteuer für alle muss dauerhaft runter. Das entlastet alle gleichermaßen.“ 

Besonders große wirtschaftlichen Chancen sehen die meisten Deutschen in Energie- und Klimatechnologien (30 %) sowie der Gesundheits- und Medizintechnik (28 %). Automatisierung und Robotik sowie Künstliche Intelligenz kommen jeweils auf etwa ein Fünftel der Befragten. 

„Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie ist der große Innovations- und Wachstumstreiber. Dass Energie- und Klimatechnologien aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher an Bedeutung gewinnen, ist richtig. Auch Medizintechnik trägt schon heute maßgeblich zu Exportstärke und technologischer Souveränität Deutschlands bei“, so Daniel Hager. „Um all diese Bereiche zukunftsfit zu machen, sind unter anderem Investitionen in Mikroelektronik und Halbleiter, Batterien sowie industrielle KI notwendig. Die Bundesregierung muss jetzt dafür sorgen, dass Deutschland und Europa ihre Position bei diesen Schlüsseltechnologien weiter ausbauen können. Das Motto muss lauten: Zukunft ermöglichen statt Vergangenheit verwalten.“   

Auf dieser Seite finden Sie unsere Positionen zur Zukunft des europäischen Produktionsstandorts im Detail.

Methode: Civey hat für ZVEI e.V. vom 16.10.2026 bis 19.10.2026 online 5.000 Bundesbürger:innen ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,6 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier. 

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