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27.02.2026
Wie erklärt man ein Gesundheitssystem in der Dauer einer Schulstunde? Das war die Herausforderung im Austausch des ZVEI mit einer Delegation des japanischen Gesundheitsministeriums (MHLW).

Zunächst zeigten sich die Gemeinsamkeiten. Japan und Deutschland stehen vor vergleichbaren demografischen Entwicklungen. Die Bevölkerung altert, chronische Erkrankungen nehmen zu und der Bedarf an kontinuierlicher Versorgung wächst. Dieser Trend erhöht den Druck auf die Systeme insgesamt und zwingt sie, ihre Strukturen und Ressourcen neu auszurichten.
Gleichzeitig stehen beide Systeme nach wie vor für eine verlässliche Versorgung, hohe Qualitätsanforderungen und den Anspruch, Innovation in die Gesundheitsversorgung zu integrieren. So ist Medizintechnik, sind digitale Anwendungen und Künstliche Intelligenz in beiden Ländern feste Bestandteile moderner Versorgungskonzepte.
Deutlich wurden die Unterschiede beim Zugang zur Versorgung. Dass Patientinnen und Patienten in Deutschland Gesundheitsleistungen grundsätzlich kostenfrei in Anspruch nehmen können, stieß auf besonderes Interesse. In Japan sind Zuzahlungen üblich.
Von dort führte die Diskussion unmittelbar zu regulatorischen Fragen. Innovation in der Medizintechnik bewegt sich im Rahmen klar definierter Anforderungen, hierzulande insbesondere unter der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR). Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Marktüberwachung stehen im Mittelpunkt. Zugleich stellt sich die Frage, wie Prozesse effizient gestaltet werden können, damit Innovationszyklen international wettbewerbsfähig bleiben.
Im Gespräch wurde deutlich, dass diese Abwägung – Sicherheit gewährleisten und Innovation ermöglichen – international ähnlich diskutiert wird. Regulierung wird zunehmend als Standortfaktor wahrgenommen.
Besondere Aufmerksamkeit galt in dem Gespräch Software und Künstlicher Intelligenz. Sie stellen klassische regulatorische Ansätze vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig bleiben etwa Validierung und Risikomanagement unverzichtbar. Auch hier zeigten sich vergleichbare Fragestellungen auf internationaler Ebene.
Der Austausch unterstreicht die Bedeutung eines kontinuierlichen Dialogs. Internationale Perspektiven helfen, nationale Rahmenbedingungen einzuordnen und Handlungsbedarf präziser zu benennen. Für den ZVEI bedeutet dies, regulatorische Entwicklungen weiterhin konstruktiv zu begleiten und die Praxiserfahrungen der Mitgliedsunternehmen in nationale und europäische Diskussionen einzubringen.
Die zentrale Erkenntnis: Innovationsfähigkeit hängt von technolgischer Kompetent ab, aber ebenso von klaren, verlässlichen und praktikablen Rahmenbedingungen. Politik und Industrie müssen hier gemeinsam vorangehen.
Bild: ZVEI