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02.03.2026

"Einen solchen Sprung haben wir seit einem Jahrhundert nicht gesehen"

Interview mit Debra Phillips, Präsidentin und CEO der National Electrical Manufacturers Association (NEMA), dem US-amerikanischen Branchenverband der Elektroindustrie

Grenzüberschreitung - Online

"Einen solchen Sprung haben wir seit einem Jahrhundert nicht gesehen“

ampere sprach mit Debra Phillips, Präsidentin und CEO der National Electrical Manufacturers Association (NEMA) über den KI-Wettlauf, Trumps "AI Action Plan" und die Unterschiede zwischen der US-amerikanischen und chinesischen KI-Strategie. NEMA ist der US-amerikanische Branchenverband der Elektroindustrie.

Wie wirkt sich der KI-Wettlauf auf die Elektroindustrie aus?

Phillips: Derzeit sorgt der Bau neuer Rechenzentren bei uns für viel Rückenwind – schließlich betrifft ein Drittel der Investitionen in ein Rechenzentrum elektrische Produkte. Auch gesamtwirtschaftlich ist der Ausbau ein großer Wachstumstreiber.

Wo liegen Flaschenhälse?

Phillips: Vor allem bei den Netzkapazitäten. Laut unserer Prognose könnte der Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 um bis zu 300 Prozent steigen. Einen solchen Sprung haben wir seit einem Jahrhundert nicht erlebt! Das US-Stromnetz ist sehr dezentral organisiert und komplex, das macht den Ausbau zu einer Herausforderung. Deshalb werden Rechenzentren derzeit auch möglichst nahe an Erdgasquellen gebaut – in Texas oder Nevada etwa. Daneben gibt es Engpässe in den Versorgungsketten: bei Gasturbinen, Transformatoren und kornorientiertem Elektroband (einem speziellen Stahl, der für Transformatoren benötigt wird, d. Red). Und nicht zuletzt fehlt Personal. Allein im Netzbereich benötigen wir eine halbe Million zusätzliche Arbeitskräfte. Deshalb haben wir gerade eine Kampagne zu den Karrieremöglichkeiten in der Elektroindustrie gestartet.

Der Bau neuer Rechenzentren sorgt bei uns für viel Rückenwind. 1/3 der Investitionen in ein Rechenzentrum betrifft elektrische Produkte.

Debra Phillips

Präsidentin und CEO der National Electrical Manufacturers Association (NEMA)

Die Trump-Administration hat im letzten Jahr ihren „AI Action Plan“ vorgestellt. Wie beurteilen Sie die Strategie?

Phillips: Es ist sicher ein ehrgeiziger Plan. Wir begrüßen vor allem, dass sich im Bereich der Genehmigungsverfahren etwas tut. Im Dezember letzten Jahres hat das Repräsentantenhaus den sogenannten SPEED Act verabschiedet, der den Genehmigungsprozess für den Bau neuer Anlagen verkürzt und standardisiert. Wir hoffen, dass er vom Senat schnell verabschiedet wird.

Worin unterscheidet sich die US-amerikanische KI-Strategie von der chinesischen?

Phillips: Die USA setzen auf die „Feuerkraft“ des privaten Sektors. Man schafft Anreize dafür, dass der heimische Tech-Sektor an der Spitze des Rennens bleibt. Die Chinesen sind gut darin, Pläne aufzustellen und sich schnell zu bewegen, mit der ganzen Macht der Regierung im Rücken. 

Welchen Punkt würden Sie persönlich gerne in den „AI Action Plan“ aufnehmen?

Phillips: Wir sprechen mit der Administration gerade über einen „Zoll-Anreiz-Vorschlag“. Es geht um Produkte und Materialien, die im Inland nicht ausreichend zur Verfügung stehen, etwa Motoren. Unternehmen, die diese Waren importieren müssen, haben aufgrund von Zöllen oft höhere Kosten. Es wäre wünschenswert, wenn es hier Rabatte oder andere Anreize gäbe.

 

Text Constantin Gillies | Bild NEMA

 

Dieser Artikel ist Teil der Ausgabe 2026, die am 13. April 2026 erscheint.

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