Meinungsbeitrag

Daniel Hager, Vorsitzender ZVEI-Plattform Gebäude

22.09.2022

Gebäude zu Energieproduzenten machen

Bauen und Wohnen werden teurer – nicht zuletzt durch die explodierenden Energiekosten, die steigenden Zinsen und die grassierende Inflation. Dennoch: Den notwendigen Klimaschutz, der noch durch einen breiten Konsens in der Gesellschaft getragen wird, dürfen wir nicht hintenanstellen. Wir müssen die langfristigen Ziele im Blick behalten. Gebäude, die wir heute bauen, werden die nächsten 40, 80 oder gar 100 Jahre genutzt. Gleichzeitig müssen wir den Bestand von rund 21 Millionen Gebäuden betrachten und hier die zeitgerechte Sanierung voranbringen. Es ist gut, dass die Politik erkannt hat, wie wichtig die Sanierung des Bestands ist – aber hier sollte es nicht nur um die Dämmung gehen: Die technische Ausstattung eines Gebäudes muss stärker in den Fokus rücken. Wenn wir die Energie- und Verkehrswende erfolgreich gestalten wollen, müssen die elektrische und die digitale Infrastruktur von Gebäuden leistungsfähig und auf dem neusten Stand sein.

Aber: Wo ist der Hebel, um insbesondere Eigentümer von Gebäuden im mittleren Segment dazu zu bewegen, bestimmte Maßnahmen durchzuführen? Das Klügste wäre, dort anzusetzen, wo ohnehin Sanierungsmaßnahmen geplant sind. Über steigende Energiepreise gibt es sowieso einen Handlungsdruck. Denn steigende Preise sind ein hoher Anreiz, in Technologien zu investieren, die die Effizienz steigern. Und die Technologien, um vom Konsumierenden zum Produzierenden zu werden, sind vorhanden – allerdings sind viele Gebäude aufgrund der veralteten Elektroinstallation dazu gar nicht in der Lage. Das gilt erst recht, wenn Ladestationen für Elektrofahrzeige oder Wärmepumpen zugebaut werden sollen. Zudem wird der Energieverbrauch in den meisten Gebäuden noch gar nicht in Echtzeit erfasst. Die Bewohnerinnen und Bewohner sehen also nicht direkt, wie sich ihn Verhalten auf den Energieverbrauch auswirkt.

Etwas anders ist das in Nicht-Wohngebäuden: Deren Nutzung folgt meistens festen Rhythmen, sodass die Gebäudeautomation deutlich einfacher fällt. Auch die Installation von Solarmodulen auf Gebäudedächern, Wärmepumpen, Energiespeichern und anderen Technologien folgt noch stärker wirtschaftlichen Abwägungen. Deshalb ist der Staat gefordert, die richtigen Anreize zu setzen sowie den Verwaltungsaufwand gering und Bearbeitungszeiten kurz zu halten. Digitale und elektrische Technologien sind existentiell, nicht nur für das Klima, sondern für den Industriestandort Deutschland insgesamt. Deshalb sollten wir mutig sein und den Einsatz neuer Technologien hierzulande aktiver fördern.
 

 

Daniel Hager
Vorsitzender der ZVEI-Plattform Gebäude und des Fachverbands Elektroinstallationssysteme
Vorstandsvorsitzender Hager SE