Presse

18.11.2020

ZVEI: EU-Industriestrategie muss Unternehmen im globalen Wettbewerb stärken

91/2020

  • Kompetenzen in grünen und digitalen Schlüsseltechnologien stärken

„Die neue EU-Industriestrategie muss jetzt einen Rahmen schaffen, der die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärkt“, erklärt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung anlässlich der Diskussion des EU-Rats für Wettbewerbsfähigkeit zur europäischen Industriepolitik. Eine der größten Stärken Europas sei seine Industrie, die mehr denn je gebraucht wird, um die Folgen der Corona-Krise so gut wie möglich abzufedern und zugleich die dringlichen Herausforderungen wie den Klimaschutz und die digitale Transformation anzugehen. „Die künftigen globalen Märkte müssen auch weiterhin mit europäischer Spitzentechnologie bedient werden können.“


Voraussetzung hierfür sei, in der EU auf eine global agierende und resilient aufgestellte Industrie aufsetzen zu können. „Die in Europa diskutierten Ansätze zu technologischer Souveränität und „offener strategischer Autonomie“ dürfen keinesfalls zu einer Abschottung der europäischen Wirtschaft führen“, betont Weber. „Eine widerstandsfähige und erfolgreiche Industrie braucht enge Beziehungen zu ihren globalen Geschäftspartnern – und eine offene Haltung der Politik zu Digitalisierung und industriellen Innovationen.“ Eine strenge Regulierung, wie bei der Entwicklung einer B2B-Datenökonomie oder von industrieller KI, sei kontraproduktiv und schwäche die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen, beispielsweise auch im Hinblick auf die neue Freihandelszone zwischen 15 Ländern der Asien-Pazifik-Region. 


Die Investitionen in Schlüsselkompetenzen bei digitalen Technologien, Dienstleistungen und Plattformen – wie KI und 5G – sowie in digitale Fähigkeiten aller europäischen Bürger, sei daher eine unbedingte Voraussetzung für die erfolgreiche grüne und digitale Transformation und müsse daher noch stärker in der neuen EU-Industriestrategie festgeschrieben werden. Hierfür müsse die EU über neue Handelsabkommen zügig weitere Märkte öffnen und auf multilateraler WTO Ebene globale Themen wie E-Commerce und eine Reform des Subventionsabkommens voranbringen. Zudem sei eine schnelle Einigung zum kommenden EU-Haushalt und der Finanzierung des Next Generation EU-Instrumentes notwendig – weitere Verzögerungen werfe Europa im internationalen Wettbewerb zurück und nehme Unternehmen dringend benötigte Planungssicherheit.


Um die mittel- und langfristigen Klimaziele der EU erfüllen zu können, sieht der ZVEI zudem im Bereich des Green Deal einen enormen Bedarf an privaten und öffentlichen Investitionen – unter anderem in Industrie, Gebäuden und Verkehr. „Gleichzeitig brauchen wir eine Reihe von Indikatoren zur quantitativen Erfassung der industriellen Entwicklung in Europa im globalen Vergleich, um die Erfolge der Industrie stärker sichtbar zu machen.“ Nur so könne man die politischen Ziele in der Umwelt-, Klima- und Sozialpolitik mit der Perspektive der Stärkung der industriellen Basis und der Wettbewerbsfähigkeit Europas in Einklang zu bringen.

 

Im Positionspapier „Technologische Souveränität, Resilienz der Industrie und europäische Kompetenzen“ stellt der ZVEI die Sicht der Elektroindustrie auf Europas wirtschaftliche Erholung nach Covid-19 und die zukünftige Industriestrategie gesamtheitlich dar. Das Papier finden Sie hier