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20.03.2026
Der geleakte Entwurf zum Netzpaket soll den Ausbau erneuerbarer Energien stärker mit dem Netzausbau verzahnen. Die Herausforderung ist klar: Netze werden zunehmend zum Engpass. In der aktuellen Ausgestaltung droht jedoch, dass nicht der Netzausbau beschleunigt wird, sondern der Ausbau von Erneuerbaren und Speichern gebremst wird. Ein Überblick.

Zentrales Instrument sind kapazitätslimitierte Netzgebiete. In diesen Regionen können Netzanschluss und Einspeisung eingeschränkt werden, gleichzeitig sollen Entschädigungen für Abregelungen entfallen.
Die Zielsetzung ist nachvollziehbar. Die Wirkung ist jedoch kritisch: Risiken werden stärker auf Anlagenbetreiber verlagert. Planungssicherheit und Finanzierbarkeit hängen aber wesentlich von stabilen Erlösen ab.
Da Redispatch bereits heute relevante Größenordnungen erreicht, könnten große Teile des Netzes betroffen sein.
Der EE-Ausbau würde stärker vom Netzzustand abhängig. Damit droht ein Zirkelschluss: Weniger Ausbau reduziert den Druck auf Netze – und verlangsamt damit auch deren Ausbau.
Zudem geraten bestehende Planungen unter Druck. Wenn ausgewiesene Flächen nicht mehr wirtschaftlich nutzbar sind, verlieren sie ihre Funktion und Planungsprozesse verzögern sich.

Der Entwurf adressiert steigende Systemkosten, lässt aber offen, wie Verantwortung verteilt wird. Instrumente wie Baukostenzuschüsse oder neue Anschlussregeln könnten einseitig Kosten auf Erzeuger verlagern.
Gleichzeitig fehlen klare Anreize für einen schnelleren Netzausbau. Ohne entsprechende Mechanismen droht ein Ungleichgewicht zwischen Netz- und Anlagenseite. Zudem besteht das Risiko, dass unterschiedliche Regelungsansätze zu Netzanschluss, Netzentgelten und Systemverantwortung nicht konsistent ineinandergreifen und so zusätzliche Unsicherheit im Markt entsteht.
Diskutiert werden in der Fachwelt zunehmend alternative Ansätze, die stärker auf Anreize setzen. Modelle wie eine „systemdienliche Anschlussleistung“ kombinieren gesicherte Einspeisung mit Flexibilität und erhalten Investitionssicherheit.
Auch Speicher, Flexibilitäten und digitale Lösungen können Netzengpässe reduzieren, ohne den Ausbau zu begrenzen. Ergänzend können klare Anreize für Netzbetreiber – etwa über regulatorische Vorgaben oder Bonus-Malus-Systeme – dazu beitragen, Netzausbau und Netzoptimierung gezielt zu beschleunigen.
Die stärkere Synchronisierung von Netz- und Anlagenausbau ist notwendig. Entscheidend ist jedoch die Ausgestaltung.
Maßnahmen, die primär den Ausbau begrenzen, ohne den Netzausbau zu beschleunigen, laufen dem Ziel der Energiewende entgegen. Gerade ausbaustarke Regionen könnten besonders betroffen sein.
Zudem werden Netzpaket, EEG-Novelle und Netzentgeltreform parallel entwickelt. Ihre Wechselwirkungen sind erheblich.
Nur wenn diese Prozesse konsequent zusammen gedacht werden, kann der Netzausbau beschleunigt werden, ohne den Ausbau erneuerbarer Energien auszubremsen.