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26.03.2020

Gold

Wegen der großen Unsicherheit rund um die Ausbreitung des Coronavirus hat der Goldpreis zuletzt stark geschwankt. Anfang März mussten für eine Feinunze (also etwa 31,1 Gramm) noch fast 1.700 Dollar gezahlt werden. Der Preis war damit gar nicht mal so weit von seinem bisherigen Allzeithoch entfernt, welches das Edelmetall 2011 erreichte – auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise und nach einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA. Damals kostete Gold 1.920 Dollar. Notiert in Euro wurde die Rekordbewertung erst in der letzten Februar-Woche dieses Jahres erreicht.

Das volatile Auf und Ab des Goldpreises zu interpretieren, ist alles andere als einfach. Der ehemalige Chef der US-Notenbank Ben Bernanke hat mal gesagt, keiner – er selbst eingeschlossen – würde die Preisbildung wirklich verstehen.

Was Investoren sicherlich regelmäßig in Gold treibt, sind zunehmende geopolitische Risiken. Nach Ereignissen wie der Geiselnahme von Teheran Ende 1979, der irakischen Invasion in Kuwait Mitte 1990, den Anschlägen vom 11. September 2001 oder dem Attentat auf den iranischen General Soleimani gleich zu Beginn dieses Jahres schießt der Goldpreis (wie auch der Ölpreis) unmittelbar in die Höhe.

In ruhigeren Zeiten wird der Goldkurs vor allem von der Entwicklung des so genannten Realzinses beeinflusst, also des um die Inflationsrate bereinigten nominalen Zinssatzes. Er lässt sich etwa an der Rendite (bonitätsmäßig einwandfreier) inflationsgeschützter Staatsanleihen ablesen. Solche Anleihen und Gold sind sich recht ähnlich. Beides sind letztlich Vermögenswerte ohne Ausfall- und Inflationsrisiko. Insoweit konkurrieren sie miteinander um die Gunst der Anleger. Allerdings wirft Gold keine laufenden Erträge bzw. Zinszahlungen ab. Aktuell bringt aber auch das Halten von (inflationsindexierten) Staatsanleihen kaum bis keine Zinsen. Kurzum: Je niedriger der Realzins ist, desto attraktiver wird Gold, und umgekehrt. Zwischen November 2018 und August 2019 ist die Rendite inflationsgeschützter amerikanischer Staatsanleihen von mehr als ein auf nahezu null Prozent gesunken. Gleichzeitig ist der Goldpreis von November 2018 bis Januar 2020 um ein Viertel gestiegen.

Gleichwohl bleibt Gold als Anlageform ziemlich umstritten. Das bringen die kontrastierenden Sichtweisen der Investorenlegende Warren Buffett einerseits und des Gründers der größten amerikanischen Investmentbank John Pierpont Morgan andererseits schön auf den Punkt. Der erste hält überhaupt nichts von Gold. Er meinte einmal sinngemäß, das Edelmetall irgendwo aus dem Boden zu holen und zu Barren aufzubereiten, nur um diese danach wieder in der Erde verschwinden zu lassen, damit sie sicher lagerten, mache keinen Sinn.

Von dem anderen stammt das Bonmot, nur Gold sei Geld und alles andere bloß Kredit. Demnach ist es kaum verwunderlich, dass Anleger gegenwärtig ihr Geld lieber in Form von Gold halten wollen, wenn sie für das Ausreichen von Krediten keine Zinsen mehr erhalten.

Immerhin leitet Gold ja Strom und lässt sich auch in der Industrie nutzen, nicht zuletzt in der Elektronik-Fertigung, etwa in Steckverbindern, Schaltern oder Verbindungsdrähten.

Dr. Andreas Gontermann

Industrie

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