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19.02.2026

Grüngasquote im Wärmemarkt: Fehlanreiz mit Folgen

In der aktuellen Diskussion um die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) wird erneut die Einführung einer Grüngasquote für den Wärmesektor erwogen. Was auf den ersten Blick als Beitrag zum Klimaschutz erscheinen mag, würde aus Sicht des ZVEI aber zentrale Elemente der Wärmewende konterkarieren, Investitionsentscheidungen verzerren und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland schwächen.

Bereits heute gilt im Gebäudebereich die Anforderung, neue Heizungsanlagen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien zu betreiben. Diese Vorgabe ist im Markt angekommen. Im Neubau und bei Sanierungen dominieren zunehmend Wärmepumpen. Parallel setzt die CO₂-Bepreisung im Rahmen des Brennstoffemissionshandelsgesetzes und künftig des EU-Emissionshandelssystems 2 auf ein klares Preissignal zur Emissionsminderung.

Eine zusätzliche Grüngasquote würde diesem System widersprechen. Sie wäre ein zusätzliches Mengeninstrument in einem ohnehin stark regulierten Markt – und würde das Signal senden, dass bestehende Gasinfrastrukturen und gasbasierte Heizsysteme langfristig eine tragfähige Perspektive haben könnten. Das untergräbt Investitionsentscheidungen zugunsten effizienter elektrischer Lösungen und verlangsamt den strukturellen Wandel im Wärmemarkt.

Planungsunsicherheit für Kommunen und Versorger

Die kommunale Wärmeplanung baut auf klaren Annahmen über zukünftige Versorgungsstrukturen auf. Kommunen, Netzbetreiber und Energieversorger benötigen Planungssicherheit, um Investitionen in Wärmenetze, Elektrifizierung und Abwärmenutzung wirtschaftlich bewerten zu können. Eine politisch verordnete Beimischung von Biomethan oder Wasserstoff schafft hingegen Unsicherheit. Das erschwert letztlich strategische Entscheidungen vor Ort und kann notwendige Investitionen verzögern.

Begrenzte Verfügbarkeit, steigende Kosten

Hinzu kommt die reale Knappheit verfügbarer Grüngase. Derzeit stammt nur etwas mehr als ein Prozent des jährlichen deutschen Gasverbrauchs aus heimischer Biomethanproduktion. Auch beim Wasserstoff steht eine flächendeckende Versorgung noch aus. Um eine Quote zu erfüllen, wären Importe erforderlich – mit entsprechenden Preiswirkungen.

Nach Schätzungen des IW Köln könnten die Mehrkosten in den ersten Jahren deutlich über den erwarteten Belastungen aus der CO₂-Bepreisung liegen. Ohne eine zusätzliche Differenzierung nach Verbrauchsgruppen würden diese Kosten unmittelbar auf industrielle Gasverbraucher und den Strommarkt treffen. Die Folge: Die Wettbewerbsfähigkeit der betreffenden Unternehmen und des gesamten Wirtschaftsstandorts leidet.

Falsche Priorität für knappe Energieträger

Eine Grüngasquote birgt zudem das Risiko, den Aufbau einer eigenständigen Wasserstoffwirtschaft zu bremsen. Wenn bestehende Gasnetze künstlich „grün“ gehalten werden, sinkt der Druck, gezielt neue Infrastrukturen und Geschäftsmodelle für Wasserstoff zu entwickeln.

Dabei wird Wasserstoff perspektivisch insbesondere dort benötigt, wo Elektrifizierung nicht oder nur eingeschränkt möglich ist – etwa in bestimmten Industrieprozessen oder im Transportsektor. Knapp verfügbare Energieträger wie Biomethan und Wasserstoff sollten dort eingesetzt werden, wo sie den größten systemischen und volkswirtschaftlichen Nutzen entfalten.

GEG-Novelle braucht klare und verlässliche Leitplanken

Der ZVEI hält daher die Einführung einer Grüngasquote für kein geeignetes Instrument, um die Ziele des Koalitionsvertrags im Wärmesektor umzusetzen. Ihre Klimawirkung wäre begrenzt, ihr Beitrag zur Dekarbonisierung des Gebäudebestands gering. Gleichzeitig wären die negativen Effekte auf Verbraucher, Industrie und den Wirtschaftsstandort erheblich.

Entscheidend ist ein verlässlicher regulatorischer Rahmen, der Investitionen in effiziente und über die Lebensdauer wirtschaftliche Lösungen unterstützt. Die GEG-Novelle sollte etablierte Anforderungen nicht aufweichen, sondern Planungssicherheit schaffen – für Eigentümer, Mieter, Kommunen und Unternehmen gleichermaßen. Nur so lässt sich die Wärmewende effizient, bezahlbar und standortverträglich gestalten.

Energie Gebäude Elektrifizierung

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