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12.07.2022

Mehr als eine Steckdose: Zukunft des Stromnetzes

Hinter dem Stromnetz steckt mehr als eine Steckdose, die Endverbraucherinnen und -verbraucher in ihrem Alltag nutzen. Allerdings ist es eben dieses Stromnetz, das letztlich dafür sorgt, dass etwa die Kaffeemaschine morgens funktioniert – und das den Kern der Infrastruktur darstellt, die die Energiewende in die Tat umsetzt. Dafür auf allen Ebenen ein neues Bewusstsein entwickelt werden – nur dann wird die Energiewende in der Breite auch erfolgreich.

Im Stromnetz läuft alles zusammen, hier müssen die verschiedenen Technologie- und Softwarelösungen und Verhaltensänderungen miteinander effizient abgestimmt werden. Die gute Nachricht ist: Die Technologien für eine erfolgreiche Energiewende sind vorhanden. Netzkomponenten, Softwaresysteme und Gebäudelösungen sind entwickelt. Es existieren digitale Lösungen, die die Volatilität von erneuerbaren Energien nicht nur ausgleichen, sondern nutzen, und die mit Hilfe der Elektrifizierung die Flexibilitätspotenziale der Sektoren Wärme und Verkehr heben. „Diese Technologien verwandeln das heute bestehende Stromnetz in eine intelligente Welt. Es sind Lösungen, mit denen Netzbetreiber nicht nur auf Engpässe reagieren, sondern proaktiv Informationen nutzen können, um Netze auch zukünftig effizient und sicher zu bewirtschaften“, so Dr. Jonas Danzeisen (Venios), stellvertretender Fachverbandsvorsitzender Energietechnik, auf dem ZVEI-Panel der E-World 2022. 

Stefan Kilb (Schneider Electric), Vorsitzender der Fachabteilung Netzkomponenten im ZVEI, sieht bei den Stromverteilnetzen der Zukunft vier Herausforderungen: „Die Nachhaltigkeit, die Resilienz, die Effizienz und die Flexibilität, die Netzbetreiber zukünftig bewältigen müssen. Grüne und digitale Energienetze, d. h. sowohl moderne Hardware / Schaltanlagen- als auch Softwarelösungen, bieten dabei die Möglichkeit, diese steigende Komplexität zu beherrschen und noch effizienter und somit auch noch nachhaltiger zu werden.“ 

Dass auch Endverbraucherinnen und -verbraucher selbst einen Beitrag leisten können, und zukünftig sollten – indem sie handeln und sich der Welt hinter der Steckdose annehmen, zeigt die Ausrichtung auf netzdienlich gemanagte Gebäude: „Im Gebäudesektor fließen Energieverbrauch, Mobilität und Erzeugung zusammen", so Dr. Peter Heuell (EMH Metering), Mitglied im ZVEI-Fachverbandsvorstand Energietechnik. "Die schwierige Aufgabe lautet, die Wünsche der Prosumer mit den Interessen von Netzbetreibern und Energieversorgern zusammenzubringen." Gelingen könne das mit einem Energiemanagement-System (EMS), das Energiedaten und -tarife über das Smart Meter Gateway (SMGW) sammelt und Stromnutzung und -verbrauch im Gebäude intelligent dirigiert.

Die Russland-Ukraine-Krise hat die Notwendigkeit von Elektrifizierung und Digitalisierung – und damit auch Flexibilisierung – in der Energieversorgung nochmals erhöht. Nur so wird mehr Unabhängigkeit erreicht – wir müssen endlich aufhören, zu zögern. Es braucht einen klaren Pfad – mehr noch: eine gut ausgebaute Straße, die vorgibt, wie die Energiewende zukünftig umgesetzt wird. Es müssen regulatorische Vorgaben zum Steuern und zur Flexibilitätsnutzung verabschiedet, Digitalisierungsziele vorgezogen statt nach hinten geschoben und ein Rahmen geschaffen werden, in dem Netzbetreiber proaktiv in den Fortschritt investieren können. Die Zeit der Umsetzung ist jetzt. 

 

Autorin: Jarmila Bogdanoff

Energie Energietechnik

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