05.05.2026
PFAS in der Elektro- und Digitalindustrie
Die Europäische Union diskutiert schon seit mehr als fünf Jahren eine umfassende Beschränkung von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) unter REACH. Damit soll die Umweltgefährdung durch sogenannte "Ewigkeitschemikalien" auf ein Minumum sinken. Die Elektro- und Digitalindustrie unterstützt das Ziel, Risiken für Natur und Gesundheit zu reduzieren. Gleichzeitig muss die Regulierung verhältnismäßig, zielgerichtet und risikobasiert gestaltet sein. Die bisher vorgeschlagene Beschränkung würde eine sehr große und heterogene Stoffgruppe erfassen und könnte weitreichende Auswirkungen auf industrielle Wertschöpfungsketten, Schlüsseltechnologien und die Umsetzung der europäischen Klima- und Digitalziele haben.

Bedeutung von PFAS für die Elektro- und Digitalindustrie
PFAS – insbesondere Fluorpolymere – sind in zahlreichen Anwendungen bisher unverzichtbar, weil sie eine einzigartige Kombination technischer Eigenschaften bieten. Oft sind sie daher nicht durch andere Substanzen substituierbar, ohne dass wichtige Eigenschaften von Produkten wegfallen würden. Dazu zählen unter anderem:
- hohe Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit
- elektrische Isolation und Durchschlagsfestigkeit
- geringe Reibung und hohe Langlebigkeit
- Stabilität unter extremen Betriebsbedingungen
Diese Eigenschaften sind in vielen Fällen Voraussetzung für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Lebensdauer von Produkten. So sind PFAS beispielsweise relevant für:
- Halbleiter und Mikroelektronik
- Energieübertragung und Stromnetze
- Batterien und Energiespeicher
- industrielle Automatisierung und Prozessmesstechnik
- elektrische Verbindungstechnik und Komponenten
In vielen dieser Anwendungen existieren derzeit keine technisch und wirtschaftlich tragfähigen Alternativen.
Der ZVEI fordert zielgerichtete und risikobasierte Regulierung
Aus Sicht des ZVEI ist ein pauschales Verbot nicht geeignet, die angestrebten Umweltziele effizient zu erreichen. Stattdessen sollte die Regulierung:
- auf tatsächlichen Risiken und Emissionspfaden basieren
- Anwendungen differenzieren (z. B. geschlossene vs. offene Systeme)
- Fluorpolymere gesondert betrachten, da sie sich deutlich von anderen PFAS unterscheiden
- nur dort eingreifen, wo nachweislich ein Risiko besteht und Alternativen verfügbar sind
- ausreichend Übergangsfristen und Planungssicherheit gewährleisten
Andernfalls besteht die Gefahr unbeabsichtigter Folgen für:
- industrielle Lieferketten
- kritische Infrastruktur
- Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa
Dies wird auch auf europäischer Ebene deutlich hervorgehoben: Eine zu weitgehende Beschränkung könnte zentrale Technologien der Energie- und Digitaltransformation beeinträchtigen.
ZVEI-PFAS-Factsheets
Vor diesem Hintergrund hat der ZVEI gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen sektorale Factsheets erarbeitet. Diese zeigen:
- konkrete Anwendungen von PFAS entlang der Wertschöpfungskette
- technische Anforderungen und Gründe für den Einsatz
- aktuelle Verfügbarkeit von Alternativen
- potenzielle Auswirkungen eines Verbots
Die Factsheets leisten damit einen fundierten, faktenbasierten Beitrag zur laufenden Diskussion, und sollen sowohl für Poltik und Behörden als auch für betroffene Unternehmen eine Orientierungshilfe in der Vielfalt der PFAS-Anwendungen sein:
PFAS-Factsheets nach Anwendungsbereichen
PFAS and Consumer Electronics (EN)
PFAS and Electrical Connectors (EN)
PFAS in elektrischen Antrieben (DE)
PFAS in Electrical Installation Systems (EN)
PFAS in Electrical Power Transmission & Distribution Equipment (EN)
PFAS in Electric Welding Equipment (EN)
PFAS in elektrischen Hausgeräten (DE)
PFAS in Passive Electrical Components (EN) / PFAS in passiven elektrischen Bauelementen (DE)
PFAS and Process Supporting Substances (EN)