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25.02.2026

Hoher Goldpreis: Weitere Korrekturen nicht ausgeschlossen

Eine Feinunze – also 31,1 Gramm – Gold kostet aktuell rund 5.000 US-Dollar. 2025 ist der Preis des glänzenden Edelmetalls um zwei Drittel gestiegen. Seit Anfang dieses Jahres hat er – trotz zwischenzeitlicher Rückschläge – um weitere 16 Prozent zugelegt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Goldpreis vervierfacht. Derweil gehen die Prognosen beständig nach oben. Sucht man nach Gründen, weshalb die Rallye womöglich anhalten sollte, stellt sich vor allem die Frage, wer da eigentlich kauft.

Gold preislich zu bewerten ist insoweit schwierig, als es – im Gegensatz zu anderen Assets – keine Cashflows wie Dividenden oder Zinsen abwirft. Deshalb bedient man sich anderer Anhaltspunkte. So war das Edelmetall unter dem Goldstandard bis 1971 der Anker der Gelddeckung. Bis heute hat es Bedeutung als Schmuck, sein Angebot ist begrenzt, und es zeichnet sich durch seine physische Haltbarkeit aus.

In einem Papier aus dem Jahr 2021 hat der Chicagoer Ableger der amerikanischen Notenbank drei zentrale Preistreiber ausgemacht – Gold als Inflationsschutz, Gold zur Absicherung gegen (ökonomische) Katastrophen und Gold als alternative Anlageform je nach Realzinsniveau. Letzteres hat dabei den größten Einfluss, solange die Inflationserwartungen verankert sind und Vertrauen ins Geldsystem besteht.

Drei Käufergruppen sind von besonderer Bedeutung, und sie lassen sich jeweils von verschiedenen der genannten Motive leiten.

Zunächst sind da (insb. institutionelle) Investoren. Für sie hat Gold Anziehungskraft als Wertaufbewahrungsmittel, vor allem in Krisenzeiten, zumal es in standardisierten Barren gehandelt und so gut transportiert wie gelagert werden kann. Solche Investoren hatten den Goldpreis nach dem Platzen der Dotcom-Blase, nach der globalen Finanzkrise 2007 bis 2009 oder in der Corona-Pandemie getrieben. In den letzten zwei Jahren gab es aber weder eine globale noch amerikanische Rezession. Zudem ging es an den großen Börsen stetig nach oben. Wird vielleicht erwartet, dass die große Krise bzw. ein Crash bald bevorsteht? Schon möglich, aber man bringt hier nicht so recht zusammen, wieso der Goldpreis dann trotz der ständigen Auf und Abs rund um Handelsstreitigkeiten, geopolitische Krisen, Sorgen vor einer KI-Blase usw. fast wie an einer Schnur gestiegen ist. Auch sind die Realzinsen wieder vergleichsweise hoch, was Gold als Anlageform eigentlich unattraktiver machen sollte.

Zur zweiten großen Käufergruppe zählen die Notenbanken. Sie haben in Bezug auf Gold nicht unbedingt allein die nächste Krise im Blick, sondern vor allem auch die langfristigen, tektonischen Plattenverschiebungen in der Weltwirtschaftsordnung. Wenn ein dysfunktionales politisches System in den USA zusammen mit ausufernden Staatsschulden und einer Bedrohung der Unabhängigkeit der Fed das Vertrauen in den Dollar als globale Reservewährung zu unterminieren drohte, wäre man in Goldbeständen besser aufgehoben als in amerikanischen Schuldverschreibungen und schichtet deshalb im großen Stil um. Hierfür fehlen allerdings die empirischen Belege. Zwar kaufen sich die Zentralbanken einiger Schwellenländer in Gold ein, die Mengen bleiben aber klein. Bei grundlegenden Portfolioneuaufstellungen müsste der Dollar stark an Wert verlieren und der Zins auf US-Staatsanleihen drastisch anziehen. Beides ist so nicht wirklich der Fall.

Bleibt der dritte Kundenkreis, nämlich Spekulanten. Hier finden sich tatsächlich Anzeichen, dass Fondsgesellschaften (Stichwort: ETFs) und nicht zuletzt Hedgefonds Appetit auf Gold haben, was dessen Kursverlauf in den letzten Wochen und Monaten wohl recht gut erklären würde.

Was mit begrenzten Notenbankkäufen zwecks Stärkung bzw. besseren Austarierens der eigenen Reserven anfing, könnten spekulative Anleger aufgegriffen und so einen Bullenmarkt für Gold losgetreten haben. Je länger eine solche Phase anhält, desto schärfer könnte eine allfällige Korrektur später allerdings ausfallen. Die Kapriolen auf dem Goldmarkt Ende Januar bzw. Anfang Februar waren da womöglich die ersten Vorboten.

Dr. Andreas Gontermann

Bild: NARONG - stock.adobe.com

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