Fakten statt Vorurteile

Luft nach oben

In den Augen vieler ist das Land, in dem Konrad Zuse den ersten frei programmierbaren Rechner erfand, mittlerweile digitales Entwicklungsland. Ein Blick auf die Fakten zeigt: Ganz so ist es nicht. Aber das Verbesserungspotenzial ist nicht unerheblich.

Langsame Infrastruktur

Vorurteil: 

Die schlechte digitale Infrastruktur schreckt Investoren ab und behindert digitale Geschäftsmodelle. 

Fakten


Zu dem gleichen Ergebnis kommt der Digital Readiness Index von Cisco in der Kategorie „technologische Infrastruktur“.


Allerdings besteht weiterhin ein starkes Stadt-Land-Gefälle. So beklagen 12 Prozent der im Jahr 2021 vom ZVEI befragten Unternehmen eine mangelhafte Anbindung an das Breitbandnetz.


Veraltet verwaltet

Vorurteil: 

Deutsche Behörden haben die Digitalisierung verschlafen und setzen weiterhin auf Faxgeräte.

Fakten


Tatsächlich liegt Deutschland bei digitalen öffentlichen Dienstleistungen laut E-Government Development Index der Vereinten Nationen nur auf Platz 60 – direkt hinter Nordmazedonien und knapp vor den Philippinen.


In der gleichen Kategorie des Digital Economy and Society Index erreichte Deutschland im Jahr 2021 den 16. Platz von 27 Plätzen.


Falsches Mindset

Vorurteil: 

Die Deutschen sind neuen Technologien gegenüber nicht aufgeschlossen genug.

 

Fakten


Nur 12 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. 39 Prozent sehen den technischen Fortschritt als ambivalent – was keineswegs mit Ablehnung gleichzusetzen ist. 7 von 10 Bürgerinnen und Bürgern wollen der gleichen Umfrage zufolge stärker über Technik mitbestimmen. (Ergebnisse des acatec Technikradars)


Fehlende Fachkräfte

Vorurteil: 

Im internationalen Wettbewerb ist Deutschland chancenlos, weil die IT-Fachkräfte ausgehen.

Fakten


Die Unternehmensberatung Boston Consulting schätzt die Anzahl der im Jahr 2030 in Deutschland fehlenden Fachkräfte für „Computer und Mathematik“ auf rund 1,1 Millionen.

 

Graphiken DesignCuts/bloomua

 

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.2022 am 17. Mai 2022 erschienen.



Erschienen in der Ausgabe 1.+2.2022

Cool bleiben

Blockchain, Künstliche Intelligenz, Streamingdienste: In Rechenzentren werden immer größere Datenmengen auf die Reise geschickt – und damit steigt auch der Strombedarf. Doch das Effizienzpotenzial ist groß, wie ein Neubau am Internetknoten Frankfurt zeigt.

Hürdenlauf

Der Handel mit physischen Gütern hat in der menschlichen Geschichte zu einem hochentwickelten Rechtssystem beigetragen. Unternehmerinnen und Unternehmer, die neue, datengetriebene Geschäftsmodelle verfolgen, kämpfen hingegen mit einem hohen Maß an Rechtsunsicherheit.

Luft nach oben

In den Augen vieler ist das Land, in dem Konrad Zuse den ersten frei programmierbaren Rechner erfand, mittlerweile digitales Entwicklungsland. Ein Blick auf die Fakten zeigt: Ganz so ist es nicht. Aber das Verbesserungspotenzial ist nicht unerheblich.

Milliardeneinsätze

Der Bau einer Halbleiterfabrik bedingt Milliarden-Investitionen. Wo das Werk entsteht, hängt daher oft davon ab, welches Land die attraktivsten Subventionen bietet. So fördern China, Südkorea und die USA ihre Chipindustrie intensiv, wenngleich sich Instrumente und Effizienz stark unterscheiden.

Von XS bis XL

Europas Wirtschaft leidet unter der aktuellen Halbleiterknappheit. Doch eine einseitige Förderung bestimmter Chip-Technologien wird zukünftige Versorgungsengpässe nicht verhindern. Mit dem „European Chips Act“ muss die Politik einen Spagat meistern – und viel Geld bereitstellen.

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