Expertenwissen

Medizin aus der Ferne

Kann Telemedizin wirklich dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung einer alternden Gesellschaft zu verbessern? Eine Antwort von Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektro­medizinische Technik.

Bis 2035 wird die Zahl der über 67-Jährigen laut Statistischem Bundesamt auf 20 Millionen steigen, ein Viertel der gesamten Bevölkerung. Der Pflegebedarf wird auf zwei bis drei Millionen Plätze wachsen, momentan stehen aber nur 1,2 Millionen Plätze zur Verfügung. Parallel benötigt die alternde Gesellschaft mehr Ärzte und Pflegekräfte. Abhilfe kann die Telemedizin bieten, die in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht hat. Das Telemonitoring für Herzinsuffizienz ist ein Beispiel dafür, wie im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung digitale Angebote gemacht werden können. Das Grundprinzip: Die Patientinnen und Patienten haben die Messtechnik zuhause, die Ärztinnen und Ärzte kontrollieren die Werte. Während Patientinnen oder Patienten im Normalfall 90 Prozent der Zeit alleine mit ihrer Krankheit sind, stehen sie beim Telemonitoring ständig unter Beobachtung und können per Telefon oder per Videokonferenz beraten werden. Sie müssen, das ist nachgewiesen, deutlich seltener ins Krankenhaus und haben eine bessere Lebensqualität. Ein weiteres Beispiel sind die sogenannten digitalen Gesundheitsanwendungen, von denen mittlerweile rund 30 zur Erstattung durch die Krankenkassen freigegeben sind. Bei ihnen geht es vor allem um eine Begleitung und ein Coaching, etwa zu Krankheiten wie Diabetes, Reizdarm oder Depressionen. Telemedizin ist immer dann sehr sinnvoll, wenn wir näher an den Patienten oder die Patientin und ihren Alltag rücken. Ältere Menschen können so länger zuhause leben – und gleichzeitig in hoher Qualität versorgt werden.

 

Text Marc-Stefan Andres

 


Meilenstein

1997

Vor 25 Jahren kam zum ersten Mal in Deutschland ein Tamagotchi zur Welt. Es leitete eine neue Phase digitalen Lebens ein.

 

Einer Deloitte-Umfrage zufolge verspüren heute 31 Prozent der jungen Erwachsenen den Drang, laufend auf ihr Smartphone zu gucken. Dagegen war das Tamagotchi noch vergleichsweise pflegeleicht: Der Besitzer des elektronischen Spielgeräts, das von der japanischen Firma Bandai entwickelt wurde und zig Nachahmer fand, musste sich nur um ein Küken kümmern. Ein virtuelles, das ab 1997 auch in Deutschland in karger Grafik auf etwa fünf Zentimeter großen Bildschirmen lebte. Sobald das Gerät zum ersten Mal angeschaltet und die Uhrzeit eingestellt wurde, erwachte das Mini-Federvieh zum Leben und schlüpfte aus dem Ei. Das Küken hatte Hunger, musste schlafen und brauchte Streichel- und Spieleinheiten. Dafür meldete es sich zu unterschiedlicher Zeit per Piep – und wer dann nicht reagierte, musste nach einiger Zeit ein totes virtuelles Haustier beklagen. Im Internet gab es für die verstorbenen Tierchen sogar Friedhöfe. 

 

Text Marc-Stefan Andres

 


Schaltzeichen

Steckdose mit Schutzkontakt

Keine Elektromobilität ohne Ladeinfrastruktur. Doch die Flotte an E-Fahrzeugen wächst schneller als die Zahl der Ladepunkte.

Begonnen werden muss immer mit dem Positiven: Im Dezember 2021 meldete die Bundenetzagentur erstmals mehr als 50.000 öffentliche Ladepunkte. Das entspricht in etwa einer Verdoppelung innerhalb von nur zwei Jahren. Für den gelegentlich auf Fernstrecken reisenden Elektromobilisten, der ohnehin über eine eigene Wallbox verfügt, ist eine andere Zahl noch wichtiger: Ende 2021 waren fast 3.000 Lader zugänglich, an denen mit mindestens 150 Kilowatt Strom getankt werden kann – hier gelang die Verdoppelung innerhalb nur eines Jahres. Und doch: Das Tempo ist nicht hoch genug, denn die Zuwächse bei Elektroautos kontern das Infrastrukturwachstum aus. Mittlerweile kommen rund 21 Elektrofahrzeuge auf einen öffentlichen Ladepunkt. Zwar gilt es als umstritten, ob der Zielwert von zehn Fahrzeugen pro Ladepunkt korrekt ist, da ein ultraschneller Gleichstromlader mehrere Wechselstromlader kompensieren kann (siehe ampere 3.2021) und zudem ein hoher Anteil an der gesamten Strommenge ohnehin zuhause oder am Arbeitsplatz geladen wird. Doch sagen einer 2021 publizierten Studie zufolge zwei Drittel aller potenziellen Autokäufer in Deutschland, dass „zu wenig öffentliche Ladepunkte“ gegen die Anschaffung eines Elektroautos sprechen. 

 

Text Johannes Winterhagen

 


Graphiken ZVEI/ Barbara Geising

 

Dieser Text ist in der Ausgabe 1.+2.2022 der ampere erschienen.



Erschienen in der Ausgabe 4.2021

Wir müssen wachsen

Ohne Halbleiter geht in vielen Industrien kaum noch etwas. Die kleinen Bauteile sorgen vor allem dafür, dass Energie auf die unterschiedlichen Bedarfe und Spannungsniveaus umgeformt wird. Schon länger warnen Experten davor, dass ein Engpass gerade bei den wichtigen Leistungshalbleitern droht, der sich durch Corona noch einmal verstärkt hat. Die Produkte auf dem Markt kauft vor allem die Autoindustrie, um die wachsende Anzahl an Elektroautos auszurüsten. Damit die Energiewende gelingt, müssen aber auch die Solar- und Windbranche genügend Leistungshalbleiter zur Verfügung haben. Auch für Wärmepumpen und Industriemotoren sind Leistungshalbleiter, die sich deutlich von den Chips in PCs und Smartphones unterscheiden, unverzichtbar.

Anlauf für einen großen Sprung

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden treibt die Energiewende voran: Innerhalb von nur 14 Jahren soll der Stromsektor in Amerika komplett CO2-frei sein. Wie soll das gehen?

Fesseln lösen

Die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen stellt die Basis einer klimaneutralen Industriegesellschaft dar. Da Deutschland sein Klimaziel für 2030 erhöht hat, müssen die Erneuerbaren weit stärker ausgebaut werden als bislang vorgesehen. Dafür muss die Politik jetzt die Weichen richtig stellen.

Schneller werden

Mehr Windräder bauen, mehr Photovoltaik-Anlagen installieren, mehr Wasserkraft nutzen – fertig ist die Energiewende? So einfach ist es nicht. In der Aufzählung fehlen die Übertragungs- und Verteilnetze, die den Strom transportieren müssen. Und da gibt es noch einiges zu tun, sagt Martin Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Hitachi Energy Germany AG.

Immer in Verbindung

Das Start-up Workerbase, Gewinner des ZVEIPitches im Frühjahr 2021, bindet das Fabrikpersonal besser in den Produktionsprozess ein. Gründer Norman Hartmann startete mit seiner Idee in einem Großkonzern – und wagte dann den Buy-out.

 

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Mit dem neuen Magazin der Elektroindustrie ampere, das vier Mal im Jahr erscheint, schaut der Verband über den Tellerrand der Branche hinaus.

Jede Ausgabe von ampere setzt sich kontrovers und informativ mit Themenschwerpunkten der Elektroindustrie auseinander, die aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Der Verband will mit dem Magazin den Dialog mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft stärken.