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25.03.2021

US-Wirtschaftswachstum: Demokratische vs. republikanische Präsidenten

Indem sich Ökonomen aus Princeton mit der Frage beschäftigt haben, wie sich die US-amerikanische Wirtschaft unter demokratischen und republikanischen Präsidenten jeweils entwickelt hat, sind sie zu bemerkenswert eindeutigen Ergebnissen gekommen.

Eigentlich egal welchen Indikator man heranzieht – etwa das BIP, die Beschäftigung, die Einkommen, die Produktivität oder sogar die Aktienkurse –, unter demokratischer Präsidentschaft fiel das Wachstum in den letzten 90 Jahren regelmäßig deutlich höher aus als unter Führung eines Republikaners.

Seit 1933 sind die USA mit einer jahresdurchschnittlichen Rate von mehr als viereinhalb Prozent gewachsen, wenn ein Demokrat im Weißen Haus saß. Unter republikanischen Präsidenten lag das Wachstum dagegen bei weniger als zweieinhalb Prozent. Wäre die Wirtschaft in den letzten neun Dekaden also stets mit der „demokratischen“ Rate gewachsen, läge das durchschnittliche Einkommen der Amerikaner heute mehr als doppelt so hoch, als es tatsächlich ist. Die Große Depression wurde bei der Betrachtung extra ausgeklammert, was die Republikaner letztlich noch etwas besser davonkommen lässt, denn damals präsidierte Hoover.

Die sechs Präsidenten, unter denen die meisten neuen Jobs entstanden sind, waren allesamt Demokraten – Roosevelt, Johnson, Carter, Truman, Kennedy und Clinton. Die vier Staatsoberhäupter mit der schlechtesten Performance hier gehörten alle der republikanischen Partei an – Eisenhower, beide Bushs und Trump. Trump war übrigens der erste Präsident seit Hoover, in dessen Amtszeit tatsächlich Arbeitsplätze verloren gingen.

Stellt sich die große Frage: Warum ist das so? Vielleicht einfach bloße Koinzidenz? So haben manche Präsidenten bei ihrem Einzug ins Weiße Haus einen Abschwung geerbt, andere einen Aufschwung, wieder andere mit steigenden oder sinkenden Rüstungsausgaben zu tun gehabt. Allerdings ist das Muster zu sehr ausgeprägt, als dass es nur am Zufall liegen sollte.

Die jeweiligen Mehrheiten im Kongress scheiden als Erklärung aus. Unabhängig davon, welche Partei dort das Sagen hatte, lief die Wirtschaft unter demokratischen Präsidenten besser. Auch Staatsausgaben auf Pump helfen nicht weiter. Es ist mitnichten so, dass demokratische Präsidenten stets den Staatshaushalt immer tiefer in die Miesen geritten und dann die Konsolidierung den Republikanern überlassen hätten. In den letzten vier Jahrzehnten haben republikanische Präsidenten größere Defizite angehäuft als demokratische.

Schon eher könnte eine andere Erklärung herhalten: mehr Pragmatismus auf Seiten der Demokraten. Indem diese eher bereit waren, Lehren aus vergangenen Krisen zu ziehen, auszu-probieren, was funktioniert und was nicht, und keynesianischer Konjunkturpolitik grundsätzlich aufgeschlossener gegenüberstanden, haben demokratische Präsidenten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten meist entschiedener agiert, um Wachstum und Jobs zu sichern.

Im Gegensatz dazu hingen – überspitzt formuliert – ihre republikanischen Pendants öfters Theorien an, denen sie Glauben schenken wollten, allen voran den magischen Kräften von Steuersenkungen und Deregulierung. Es ist ja kaum übertrieben, dass sich die Wirtschaftspolitik der Republikaner seit den 1980er Jahren praktisch nur noch um Steuersenkungen dreht. Freilich würde niemand bestreiten, dass es Situationen gibt, in denen Steuersenkungen das Wachstum befördern können. Allerdings trifft das in erster Linie auf Länder mit hoher Steuerbelastung zu, wozu die USA aber nicht wirklich zählen. Nach Trumps großer Steuerreform 2017 ist die Wirtschaft nicht mehr und nicht weniger stark gewachsen als davor.

Wie dem auch sei: Offensichtlich wachsen die USA unter demokratischen Präsidenten stärker als unter republikanischen. Aber warum genau das eigentlich so ist, bleibt am Ende ein Stück weit offen. Ein empirischer Fakt ist es trotzdem.

Dr. Andreas Gontermann

Konjunktur & Märkte

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