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05.08.2026
Weltreservewährung - Lehren aus dem alten Rom
Spätestens seit Einführung des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkurse 1944 (das Präsident Nixon später kippte) ist der US-Dollar die globale Reservewährung. An neun von zehn Devisentransaktionen ist der Dollar beteiligt. Notenbanken halten immer noch knapp 60 Prozent ihrer Währungsreserven in Dollar. Etwa die Hälfte des weltweiten Handels wie auch der grenzüberschreitenden Kreditaufnahme wird in Dollar abgewickelt.

So wie der jetzige US-Präsident Trump die Dinge angeht, gefährdet er die privilegierte Position des Dollars. Recht aufschlussreich ist ein Blick weit zurück ins Römische Reich. So gilt der Denar als ein sehr frühes Beispiel einer Weltreservewährung. Wie heute gründete sich sein Status im Kern auf drei Säulen – eine wirtschaftliche, eine militärische und eine institutionelle.
Außenwirtschaftlich fuhr Rom ein Handelsdefizit. Es ließ sich Waren aus aller Welt schicken und bezahlte sie mit Münzen, die so überhaupt erst in den Rest der Welt kamen und dann als Zahlungsmittel im Handel auch unter Drittländern außerhalb des Römischen Reiches eingesetzt werden konnten. Plinius der Ältere soll sich mal beschwert haben, es verginge kein Jahr, in dem nicht Millionen von Sesterzen nach Indien abflössen. Dass Rom dafür aber ja die wohlfahrtssteigernden Güter bekam, übersah er offensichtlich schon damals genauso wie heute Präsident Trump, der ebenfalls dem merkantilistischen Irrtum aufsitzt, Geld an sich mit Reichtum gleichzusetzen.
Rom war seinerzeit der unangefochtene militärische Hegemon. Seine Soldaten wie auch Beamten und Bürokraten verteilten sich auf die ganze Welt. Sie mussten bezahlt werden, und das wurden sie, und zwar in der Römischen Währung, die so weiter überall in Umlauf kam. Auch heute halten Länder, die – hoffentlich – unter amerikanischem Schutz stehen, etwa Deutschland oder Südkorea, einen höheren Anteil ihrer Währungsreserven in US-Dollar als Länder ohne amerikanische Militärpräsenz.
Schließlich, und drittens, sorgten zentrale Institutionen des Römischen Reiches für Stabilität und Planbarkeit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit und damit auch ökonomische Sicherheit. Nur Rom hatte das Recht, Münzen zu prägen. Hierüber wachte der Senat, der dazu einen Rat von Magistraten einsetzte, um etwa sicherzustellen, dass umlaufende Gold- und Silbermünzen auch das rechte bi-metallische Verhältnis einhielten. Heutzutage gibt es Zentralbankräte.
Der allmähliche Untergang Roms hat den globalen Reservestatus des Denars ausgehöhlt. Gleichzeitig dürfte allerdings eben dieser Status auch zum Untergang des Reichs beigesteuert haben. So wurden mit den überall benutzten Münzen auch Krankheiten übertragen. Die Pocken etwa wurden aus dem Osten eingeschleppt und dezimierten die Bevölkerung im gesamten Römischen Reich in der Spitze um ein Zehntel.
Der Vormarsch des Christentums trug zum institutionellen Verfall bzw. der Erosion von Governance-Strukturen bei. Kaiser, die sich von Gott erwählt fühlten, gaben nur noch wenig auf ihre eigentliche Rechenschaftspflicht gegenüber dem Senat. Mit Nero begann die Entwertung der Währung. Nach dem Großen Brand Roms 64 nach Christus ließ er den Wiederaufbau der Stadt, Auslandsabenteuer und nicht zuletzt den Bau eines Palastes für sich selbst über das finanzieren, was man heute als Notenpresse bezeichnen würde. Unter seinen Nachfolgern stieg dann auch die Inflation.
Parallelen zum heutigen Amerika sind kaum übersehbar. Präsident Trump will den Außenhandel und hier insbesondere das Handelsdefizit der USA zurückfahren. Die militärische Präsenz in Asien wie auch Europa soll verringert werden. Gleichzeitig wird das staatliche Budgetdefizit ausgeweitet und die Unabhängigkeit der Notenbank infrage gestellt.
Das alles setzt dem Status des Dollars als Weltreservewährung zu, wenn auch weit und breit keine wirklichen Alternativen sichtbar sind, die den ökonomischen, militärischen und institutionellen Vorzügen der USA bereits heute das Wasser reichen könnten.
Als die – 200 bis 250 Jahre währende – Pax Romana zu Ende ging, entstand in Europa bekanntlich ein Flickenteppich aus sich feindlich gegenüberstehenden Königreichen. Lebenserwartung wie Lebensstandard der Menschen fielen. Der Rest ist Geschichte.
Dr. Andreas Gontermann