Expertenwissen

Batteriespeicher

Wie wichtig sind Batteriespeicher für den Umstieg auf erneuerbare Quellen in der Stromversorgung? Eine Antwort gibt Christian Eckert, Fachverbandsgeschäftsführer Batterien und Leiter der Abteilung Umweltschutzpolitik des ZVEI.

Werden erneuerbare Energien konsequent ausgebaut, kann die Menschheit mit dem so erzeugten Strom versorgt werden. Was aber passiert in der Nacht oder an Flautetagen – oder auch, wenn zu viel Energie erzeugt wird? Ein wichtiger Teil der Antwort sind Batteriespeicher. Sie können dezentral als Notstromspeicher oder auch als regionale „Energy Storage Cloud“ eingesetzt werden, um Strom von Photovoltaik-Anlagen ganzer Straßenzüge zu speichern. Außerdem können sie zentral mit gewerblichen PV-Anlagen oder Windkraftanlagen verbunden werden und nicht zuletzt ganze Stromnetze stabilisieren und unterschiedliche Netzfrequenzen ausgleichen.

Eine große Herausforderung ist, die Batterien nachhaltig herzustellen und nach ihrem Einsatz auch vernünftig zu rezyklieren. Recycling-Lösungen im industriellen Maßstab müssen für Lithiumbatterien noch stark ausgebaut werden. Außerdem muss sich die Batteriegesetzgebung der EU weiterentwickeln. Wichtig ist hierbei, dass die Regulierung realistische Ziele formuliert, etwa bei den Recyclingquoten und der Rohstoffbeschaffung. Und nicht zuletzt müssen Batterien auch wirtschaftlich eingesetzt werden können. Dafür muss die EU zum Beispiel die Elektrizitätsbinnenmarkt-Richtlinie und die Erneuerbare-Energien-Richtlinie II anpassen, damit Speicher und gespeicherter Strom hinsichtlich Steuern und Abgaben nicht ungleich behandelt oder doppelt belastet werden.

 

Text Marc-Stefan Andres

 


Meilenstein

1996

Das erste Serienauto mit Plug-in-Hybrid­antrieb auf deutschen ­Straßen kam nicht aus Japan, sondern aus Ingolstadt. Ein großer Erfolg wurde der Audi duo allerdings nicht.

 

"Fahrleistungen und Reichweite sind bei reinen Elektromobilen nicht immer ausreichend. Verbrennungsmotoren wiederum verursachen Geräusch- und Abgasemissionen.“ So begründete Audi im Herbst 1996 den damals revolutionären Schritt zum Hybridantrieb. Der Audi duo, ein umgerüsteter A4, kombinierte einen Synchronmotor von Siemens mit einem 1,9-Liter-Dieselmotor. Als Pufferspeicher war eine Bleibatterie an Bord, 320 Kilo schwer, die elektrisches Fahren über eine Distanz von 50 Kilometern erlaubte und per Kabel aufgeladen werden konnte. Sogar eine Ladestation mit einem zehn Quadratmeter großen Photovoltaik-Modul installierten die Ingolstädter im Werk. Sieht man von Toyota ab – der japanische Hersteller startete auf dem Heimatmarkt etwa zeitgleich mit dem Prius – war das Antriebskonzept einzigartig. Strom war damals billig, in der Pressemappe rechnete Audi vor, dass die Energiekosten im E-Betrieb nur 2,86 Mark für 100 Kilometer betragen. Ein Erfolg wurde der Audi duo dennoch nicht: Insgesamt wurden nur rund 100 Fahrzeuge produziert.

 

Text Johannes Winterhagen

 


Schaltzeichen

Kondensator

Über Elektroschrott wird oft plakativ diskutiert. Eine Verbraucherumfrage des ZVEI zu TV-Geräten überrascht.

Im Corona-Jahr 2020 verzeichnete der Elektronikhandel einen boomenden TV-Absatz. Was mit Altgeräten passiert, wenn neue Fernsehgeräte angeschafft werden, zeigt nun eine repräsentative Verbraucherumfrage des ZVEI. Nach einer Neuanschaffung werden drei Viertel aller alten Geräte nämlich weiterverwendet und müssen überhaupt nicht entsorgt werden. Die Hälfte der Alt-TVs bleibt sogar im eigenen Besitz, sie wechseln nur das Zimmer oder wandern in einen Zweitwohnsitz. Weitere 26 Prozent werden verschenkt oder verkauft – also ebenfalls weitergenutzt. Insgesamt führen nur 19 Prozent der Neuanschaffungen dazu, dass ein Altgerät entsorgt wird. Am häufigsten nutzen Verbraucher dabei den Wertstoffhof ihrer Kommune oder die Abholung durch den Entsorger analog zum Sperrmüll. Rund ein Fünftel der Menschen, die sich für eine Entsorgung entscheiden, gibt das Gerät an den Händler zurück. Übrigens: Während für 64 Prozent aller Verbraucher die Reparaturfähigkeit beim Kauf einer Waschmaschine sehr wichtig ist, gilt das beim Kauf eines TV-Geräts nur für 28 Prozent.

 

Text Johannes Winterhagen

 


Graphiken ZVEI/ Barbara Geising

 

Dieser Text wird in der Ausgabe 4.2021 am 6. Dezember erscheinen.



Erschienen in der Ausgabe 4.2021

Wir müssen wachsen

Ohne Halbleiter geht in vielen Industrien kaum noch etwas. Die kleinen Bauteile sorgen vor allem dafür, dass Energie auf die unterschiedlichen Bedarfe und Spannungsniveaus umgeformt wird. Schon länger warnen Experten davor, dass ein Engpass gerade bei den wichtigen Leistungshalbleitern droht, der sich durch Corona noch einmal verstärkt hat. Die Produkte auf dem Markt kauft vor allem die Autoindustrie, um die wachsende Anzahl an Elektroautos auszurüsten. Damit die Energiewende gelingt, müssen aber auch die Solar- und Windbranche genügend Leistungshalbleiter zur Verfügung haben. Auch für Wärmepumpen und Industriemotoren sind Leistungshalbleiter, die sich deutlich von den Chips in PCs und Smartphones unterscheiden, unverzichtbar.

Anlauf für einen großen Sprung

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden treibt die Energiewende voran: Innerhalb von nur 14 Jahren soll der Stromsektor in Amerika komplett CO2-frei sein. Wie soll das gehen?

Fesseln lösen

Die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen stellt die Basis einer klimaneutralen Industriegesellschaft dar. Da Deutschland sein Klimaziel für 2030 erhöht hat, müssen die Erneuerbaren weit stärker ausgebaut werden als bislang vorgesehen. Dafür muss die Politik jetzt die Weichen richtig stellen.

Schneller werden

Mehr Windräder bauen, mehr Photovoltaik-Anlagen installieren, mehr Wasserkraft nutzen – fertig ist die Energiewende? So einfach ist es nicht. In der Aufzählung fehlen die Übertragungs- und Verteilnetze, die den Strom transportieren müssen. Und da gibt es noch einiges zu tun, sagt Martin Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Hitachi Energy Germany AG.

Immer in Verbindung

Das Start-up Workerbase, Gewinner des ZVEIPitches im Frühjahr 2021, bindet das Fabrikpersonal besser in den Produktionsprozess ein. Gründer Norman Hartmann startete mit seiner Idee in einem Großkonzern – und wagte dann den Buy-out.

 

ampere

Das Magazin der Elektro- und Digitalindustrie

Mit dem Magazin der Elektro- und Digitalindustrie ampere, das zwei Mal im Jahr erscheint, schaut der Verband über den Tellerrand der Branche hinaus.

Jede Ausgabe von ampere setzt sich kontrovers und informativ mit Themenschwerpunkten der Elektroindustrie auseinander, die aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Der Verband will mit dem Magazin den Dialog mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft stärken.