Unsere These:

Deutschland kann digital!

Die Argumente

1. Die deutsche Elektro- und Digital­industrie investiert massiv in smarte Produkte und Lösungen.

2. Digitale Technologien aus Deutschland vernetzen die digitale mit der realen Welt …

3. … und ermöglichen so die Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft.

4. Exzellente Hochschulen und die duale Berufsausbildung sorgen für qualifizierten Nachwuchs. 

5. Die Bundesregierung hat den Aufhol­bedarf erkannt und unterstützt durch kluge Regulierung.

 

 

Die vollständigen Ergebnisse der ZVEI-Digitalumfrage finden Sie hier

Briefing

Digitaler Dreiklang

Digitale Bildung, digitale Geschäftsmodelle und eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur sind die Voraussetzung dafür, dass die deutsche Industrie ihre starke Stellung auf dem Weltmarkt behält.

Europäisches Mittelfeld. Nicht mehr und nicht weniger ist Deutschland, wenn man den „Digital Economy and Society Index“ (DESI) zugrunde legt, den die Europäische Kommission jährlich publiziert. In der letzten Ausgabe belegte Deutschland den elften Rang und erreichte mit 54,1 Indexpunkten etwas mehr als den EU-Durchschnitt (50,7 Punkte). Zum Vergleich: Spitzenreiter Dänemark wies einen Punktestand von 70,1 auf. 

Und doch: Grund für Optimismus gibt es durchaus. Wie groß das Innovationspotenzial im Land von Konrad Zuse – dem Erfinder des ersten Computers – noch immer ist, zeigt die Karriere des Begriffs „Industrie 4.0“, der Produktionsexperten in den USA so geläufig ist wie das ebenfalls aus dem Deutschen übernommene Wort „Kindergarten“. Nicht nur Begriffe, sondern auch Automatisierungstechnik für Fabriken, Fahrzeuge und Gebäude exportieren deutsche Unternehmen in alle Welt. 

Ein Garant für künftige Erfolge ist das freilich nicht. Denn europäische Anbieter stehen im harten Wettbewerb mit asiatischen Anbietern sowie der US-Digitalwirtschaft. Zwar ist letztere vor allem im Consumer-Bereich erfolgreich, doch die Kapitalkraft und damit die Möglichkeit zur Expansion des eigenen Geschäftsmodells sind enorm: Allein die „Big 5“ der US-Digitalwirtschaft, also Amazon, Alphabet, Apple, Meta und Microsoft, erwirtschafteten einen kumulierten Jahresgewinn von rund 300 Milliarden US-Dollar – mehr als der komplette Branchenumsatz der hiesigen Elektro- und Digitalindustrie.

Damit deutsche Industrieunternehmen ihr Potenzial in allen Wirtschaftszweigen nutzen können, bedarf es eines Dreiklangs aus digitaler Bildung, digitalen Geschäftsmodellen und einer digitalen Infrastruktur. Selbst beeinflussen können Unternehmen allein den Faktor Geschäftsmodelle. Und das tun sie: Mittlerweile macht die deutsche Elektro- und Digitalindustrie fast jeden zweiten Euro ihres Umsatzes mit sogenannten smarten Produkten, wie eine im Herbst 2021 veröffentlichte Umfrage des ZVEI zeigt. Von den befragten Unternehmen investieren 86 % in neue Digitalprodukte und 81 % in digitale Dienstleistungen. 56 % entwickeln sogar komplett neue, datenbasierte Geschäftsmodelle. Damit solche Modelle erfolgreich sein können, braucht es laut Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, vor allem eins: „Daten, Daten und nochmals Daten. Die rechtssichere Nutzung anonymisierter persönlicher Daten sowie von Maschinendaten wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.“

Den Grundton des Akkords gibt hingegen die digitale Bildung an. Wo digital kompetente Lehrer moderne Endgeräte mit ausreichender Bandbreite nutzen, um nicht nur frontal per Bildschirm zu unterrichten, sondern tatsächlich neue Lehrmethoden anwenden, ist hierzulande weitgehend dem persönlichen Engagement von Schulträgern und Schulleitungen überlassen. An fehlendem Geld liegt es nicht: Anfang des laufenden Schuljahres war – zwei Jahre nach dem Start – nur ein Drittel der vom Bund bereitgestellten Mittel für den „Digital Pakt Schule“ abgerufen. Erstaunlich positiv fällt hingegen der Status für die Infrastruktur aus, wo Deutschland laut DESI-Report auf dem sechsten Rang aller europäischen Länder liegt. In den letzten Jahren wurden große Fortschritte gemacht, doch von einem flächendeckenden Gigabit-Datennetz kann noch längst keine Rede sein.

Wenn sich ein harmonischer Dreiklang erreichen lässt, dann kann die Digitalisierung wie ein Katalysator dazu beitragen, die Klimaschutzziele Deutschlands mit anhaltendem Wohlstand zu vereinen. Wie hoch der Beitrag der Digitalisierung an heutigen oder künftigen Wohlstandsgewinnen sein wird, lässt sich allerdings nicht direkt messen. Der Indikator Bruttoinlandsprodukt stammt in seinen Grundzügen aus den 1930er-Jahren und berücksichtigt bislang den wirtschaftlich dominierenden Dienstleistungssektor nur unzureichend. Andreas Gontermann, Chef-Volkswirt des ZVEI, rät bei allein internationalen Vergleichen denn auch zu Selbstbewusstsein: „Es handelt sich um eine Art Zehnkampf. Es geht nicht darum, in einer Einzeldisziplin spitze zu sein, sondern am Ende beim Gesamtergebnis in puncto Wohlstand einen der vorderen Plätze zu erreichen.“ Sicher ist allerdings: Wer nicht rasch Fortschritte macht, wird in der Tabelle nach hinten durchgereicht.

 

Text Johannes Winterhagen | Illustration Barbara Geising

 

Dieser Artikel erscheint in der Ausgabe 1.+2.2022 am 17. Mai 2022.



Erschienen in der Ausgabe 1.+2.2022

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