Editorial

Investitionen in Europas Zukunft

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist dieser Tage auf Europa-Tour. Sie überbringt meistens gute Nachrichten in die Hauptstädte der Mitgliedstaaten. Mit Bezug zu den nationalen Wiederaufbau- und Resilienz-Plänen überreicht sie den Regierungen das Siegel der EU, dass die 750 Milliarden Euro-Gelder aus dem EU-Wiederaufbaufond ziel- und zukunftsgerichtet eingesetzt werden. Auch Deutschland hat im Rahmen seines DARP (Deutscher Aufbau- und Resilienzplan) darauf geachtet, in Zukunftsaktivitäten zu investieren. 

20 Prozent der Mittel sollen nach Vorgabe der EU-Kommission in die Digitalisierung und 37 Prozent in grüne und nachhaltige Projekte fließen. Im DARP wird erstmals auch der ZVEI erwähnt: in seiner Rolle als nationaler und europäischer Koordinator der industrieseitigen Vorarbeiten für ein zweites Mikroelektronik IPCEI (Important project of common European interest). Die deutsche Bundesregierung will dafür 4,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Diese öffentlichen Gelder sollen allein in Deutschland ein Investitionsvolumen von 15 Milliarden Euro auslösen. Gespräche über Beteiligungen an einem europäischen IPCEI werden zurzeit mit 17 weiteren EU-Mitgliedstaaten geführt. Der ZVEI stimmt sich über das Konzept mit den regierungsseitig benannten Ansprechpartnern sowie der EU-Kommission ab und koordiniert den sogenannten Chapeau-Text für den Antrag auf Förderungsgenehmigung bei der EU. Im Herbst 2021 soll eine Prä-Notifizierung seitens der Kommission, im Frühjahr 2022 dann die Notifizierung erfolgen. Parallel läuft auch noch das erste Mikroelektronik IPCEI bis 2024.

Die Europäische Union zeigt hier ihre Entschlossenheit bei Zukunftsinvestitionen in strategisch wichtigen Bereichen. Diese Arbeit hat vor langer Zeit begonnen und zeigt, wie wichtig langfristiges verbandliches Engagement ist: Einige von uns erinnern sich sicher noch an die Orgalim Electra-Studie (The Smart World) und die EU High-Level Group zu Key Enabling Technologies (KET) in der ersten Dekade dieses Jahrtausends. Damals wurde der Grundstein für eine weitere Förderung der Mikroelektronik gelegt, die 2018 startete. Parallel fand in den Jahren 2018-2020 das EU Strategic Forum statt – mit aktiver ZVEI-Beteiligung. Dort wurden die mittelfristig für Europa wichtigen strategischen Wertschöpfungsketten definiert, also Bereiche, in denen Investitionen auf europäischer Ebene gebündelt werden müssen – um sogenannte „economies of scale“ zu schaffen und europäische Unternehmen und den Standort Europa im internationalen Wettbewerb zu stärken. 
 

Ihr

Dr. Oliver Blank

Leiter European Affairs

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